Dienstwagen von Politiker:innen: Klimaschädliche Kutschen
Nicht mal Stillstand, sondern Rückwärtsgang: Politiker:innen setzen wieder mehr auf Verbrennerdienstwagen. Die Umwelthilfe fordert mehr E-Autos.
Foto: Michael Gstettenbauer/imago
Als Cem Özdemir noch Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft war, machte er regelmäßig Schlagzeilen mit seinem klimafreundlichen Gefährt. An der Spree entlang durchs Berliner Regierungsviertel, auf dem Weg zu Terminen mit dem Bundespräsidenten: Immer wieder wurde der Grüne auf dem Fahrrad gesichtet. Einen Dienstwagen hatte Özdemir damals wie heute, als baden-württembergischer Ministerpräsident, trotzdem – aber immerhin einen recht sparsamen, vollelektrischen.
Viele andere deutsche Spitzenpolitiker:innen nutzen hingegen wieder vermehrt Verbrenner als Geschäftswagen, wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in ihrem diesjährigen Dienstwagencheck ermittelt hat. Demnach ist der Anteil der Dienstwagen mit Verbrennungsmotor höher als noch vor einem Jahr, der Anteil vollelektrischer Dienstwagen ist seitdem sowohl auf Landesebene, als auch im Bund gesunken. Die Politiker:innen hätten den Rückwärtsgang beim Klimaschutz eingelegt, kritisiert der Umweltverband deshalb.
Özdemir ist mit seinem Stromer, der laut DUH 66 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstößt, der klimafreundlichste der Landeschef:innen. Im Bundeskabinett ist Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan (SPD) mit ihrem vollelektrischen Wagen und 64 Gramm CO2 pro Kilometer am sparsamsten unterwegs. Grundlage der CO2-Berechnung sind offizielle Fahrzeugdaten nach dem standardisierten WLTP-Testverfahren und der CO2-Gehalt des deutschen Strommixes.
Der Abstand zu den Schlusslichtern des Rankings ist groß: In der Bundesregierung kommen Bildungsministerin Karin Prien (CDU) und Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) mit ihren Verbrennern auf je 196 Gramm ausgestoßenes CO2 pro Kilometer. Im Tabellenkeller der Länder sind NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), Mecklenburg-Vorpommers Landeschefin Manuela Schwesig (SPD) und Berlins Senatsoberhaupt Kai Wegner (CDU) mit jeweils 262 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer.
Rote Karte für zwei von drei Dienstwagen
Insgesamt hat die DUH 249 Dienstwagen ausgewertet. Zwei Drittel reißen laut dem Umweltverband mit ihrem tatsächlichen CO2-Ausstoß die europäischen Flottenziele und kassierten dafür eine rote Karte. „Die Politikerinnen und Politiker der Bundes- und Landesregierungen verfehlen ihre Vorbildfunktion massiv“, sagte Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH am Dienstag. Dass sogar wieder mehr Amtsträger:innen mit Verbrennern unterwegs sind, sei „eine Kampfansage gegen zukunftsgerichtete Verkehrspolitik“, meint Metz.
Barbara Metz, Deutsche Umwelthilfe
Der deutsche Verkehrssektor verfehlt seit Jahren deutlich seine Klimaziele. Ende 2025 wurden fast zwei von drei neu zugelassenen Pkw gewerblich genutzt, deshalb gelten Dienstwagen als wichtiger Hebel für die klimafreundliche Verkehrswende.
Den Dienstwagencheck der Politiker:innen legt die DUH wiederum jährlich vor, am Dienstag wurde er zum 20. Mal veröffentlicht – basierend auf einer Abfrage bei Bundesministerien und Landesregierungen zwischen Januar und Juni 2026. Die Fahrzeuge des Bundeskanzlers, des Finanzministers Lars Klingbeil, des Verteidigungs-, des Innen- und des Außenministers flossen nicht in die Wertung ein. Sie nutzen aus Sicherheitsgründen Sondermodelle.
Die Abfrage ergab derweil, dass mehrere Amtsträger:innen ihr vollelektrisches Geschäftsauto im Laufe des letzten Jahres gegen klimaschädlichere Plug-in-Hybride eintauschten. Insgesamt waren mehr als zwei von fünf Dienstwagen umstrittene Plug-in Hybride – mehr als jede andere Antriebsart.
„Das ist ein Problem“, sagte DUH-Geschäftsführerin Metz. Plug-in-Hybride würden „gerne als das Beste aus zwei Welten verkauft“. Im Dienstwagencheck kommen die Fahrzeuge jedoch im Durchschnitt auf reale Emissionen von 179 Gramm CO2 pro Kilometer – fast so viel wie reine Verbrenner, deren Ausstoß auf derselben Strecke bei durchschnittlich 193 Gramm Kohlendioxid liegt, und fast dreimal so viel wie vollelektrische Dienstwagen.
DUH fordert Regeln für E-Dienstwagen
Plug-in-Hybride sollten daher nicht länger von der Kaufprämie für E-Autos mitprofitieren, forderte Metz. Außerdem müsse die Bundesregierung auf EU-Ebene aufhören, das Verkaufsverbot für neue Verbrenner ab 2035 infrage zu stellen. Ein Aufweichen der CO2-Flottengrenzwerte helfe nicht einmal der deutschen Autoindustrie, die mit dem Wandel zu kämpfen hat, meint Metz. „Es verschleppt nur die Transformation.“
Innerhalb Deutschlands solle es verbindliche Regeln für Dienstwagenflotten geben. Bund und Länder müssten bei Neubeschaffungen konsequent auf vollelektrische Fahrzeuge umstellen, sagte die Geschäftsführerin der DUH. Und auch beim Elektroauto gelte: „Je weniger Energie und Rohstoffe ein Auto benötigt, desto besser.“
Wie klimafreundliches Umsteigen geht, habe die Hamburger Senatorin Karen Pein (SPD) gezeigt: Ihr neuer elektrischer Dienstwagen verursache nur 50 Gramm CO2 pro Kilometer. Vorher waren es 134 Gramm.
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