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Deutsche PleiteWas hat Sie bloß so irritiert?

Nach Deutschlands gescheiterter Wahl in den UN-Sicherheitsrat wird über Verantwortliche und Konsequenzen diskutiert.

Wo fing das an? Was ist passiert? Was hat dich bloß so ruiniert?“ Wahrscheinlich kann Johann Wadephul das Lied der Sterne im Geiste mitsingen. Nur 104 von 191 Staaten hatten am Mittwoch in der UN-Generalversammlung für Deutschland gestimmt, den Zuschlag für die beiden freien Sitze im Sicherheitsrat in der Gruppe der Westeuropäischen Länder erhielten Portugal und Österreich. Nach sechs erfolgreichen Bewerbungen als gewähltes Mitglied im wichtigsten UN-Gremium erlebt Deutschland nun zum ersten Mal eine Niederlage.

Der deutsche Außenminister war sichtbar ratlos, als er am Mittwoch in New York die Nichtwahl Deutschlands kommentierte. War es Russland, „das gegen uns gearbeitet hat“, weil es im Rat nicht dem stärksten Unterstützer der Ukraine gegenübersitzen wolle?, fragte sich Wadephul. War es die relativ späte Bewerbung – 2020 hatte Deutschland sein Handtuch ausgeworfen, Portugal und Österreich schon 2011 und 2013. Deutschland hatte, Wadephul zufolge, ein gutes Angebot gemacht, „für die Werte, die wir für richtig halten, Völkerrecht und Menschenrechte“.

Vielleicht wollten andere Länder, um die Sterne zu zitieren, ja einfach „nicht zuhören oder nichts glauben“? Denn viele Be­ob­ach­te­r:in­nen führen die Janusköpfigkeit der deutschen Regierung in beiden Punkten nun als Gründe für das Scheitern an. So auch der grüne Außenpolitiker Boris Mijatović. „Wir vertreten leider keine klare Linie mehr beim Völkerrecht“, sagt der für die UN zuständige Abgeordnete der taz. Es passe eben nicht zusammen, dass man im Oval-Office vor Trump buckle und Geschenke verteile und keine klare Haltung zu den völkerrechtlichen Verstößen der USA habe, wie der Entführung des venezolanischen Präsidenten oder den Angriffen auf Iran. Mit „man“ ist der Kanzler gemeint, dem Mijatović die Verantwortung für Deutschlands Blamage gibt: „Der Hauptgrund ist Friedrich Merz.“

Auch Angela Merkels ehemaliger außenpolitischer Berater, Christoph Heusgen, der Deutschland von 2018 bis 2020 als UN-Botschafter im Sicherheitsrat vertrat, übte Kritik am Kanzler. Es sei ein Fehler gewesen, dass Merz nicht persönlich zur UN-Vollversammlung im September reiste. „Too little, too late“, sagte er dem Deutschlandfunk zur deutschen Kandidatur.

Mijatović, der einige Wochen vor der entscheidenden Wahl zusammen mit anderen Abgeordneten New York besucht hatte und dort mit Bot­schaf­te­r:in­nen der USA, Chinas und Großbritanniens sprach, vermutet, dass auch von den fünf ständigen Mitgliedern nicht nur Russland gegen Deutschland war. „Alle hatten uns versichert, wie wichtig eine starke Stimme Deutschlands im Sicherheitsrat sei.“ Aber er glaube nicht, dass sich das wirklich alle wünschten. Genau wird man es nie wissen, denn die Wahl ist geheim.

Ein Glaubwürdigkeitsproblem habe Deutschland aber auch in Bezug auf seine Entwicklungsausgaben, meint die entwicklungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Sanae Abdi. „Die Kürzungen in diesem Bereich waren ein entscheidender Faktor“, vermutet sie. Deutschland habe sich da aus einer Rolle der Führung und der Verantwortung zurückgezogen.

Die Bundesrepublik ist immer noch der zweitgrößte Zahler der UN, doch der Etat der Entwicklungsministerin schrumpft seit vier Jahren – pro Jahr um rund 1 Milliarde Euro. Das innerhalb der UN vereinbarte Ziel, dass reiche Länder jährlich 0,7 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung zur Unterstützung ärmerer Länder ausgeben, verfehlte Deutschland im vergangenen Jahr deutlich.

Für Abdi liegen die Konsequenzen aus der Pleite auf der Hand. Statt Entwicklungsausgaben weiter zu kürzen, müssten diese nachhaltig aufgestockt werden. „Die Entwicklungszusammenarbeit ist unser wichtigstes außenpolitisches Instrument beim Aufbau langfristiger Partnerschaften“, sagt Abdi. Auch Mijatović ist überzeugt: „Wir brauchen jetzt mehr UN statt weniger und müssen unser Engagement ausbauen.“

Aus der CDU kommen andere Töne. Wadephuls Parteifreund, der hessische Minister Manfred Pentz, warf die Frage auf, warum Deutschland weiter so viel Geld in die UN investieren sollte. Der Außenminister, der sich zunächst zweideutig äußerte, stellte nun klar: „Wir bleiben bei den UN genauso engagiert wie bisher.“

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14 Kommentare

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  • Deutsche Politiker zu befragen macht wenig Sinn, die haben ja nicht abgestimmt. Andere Medien haben zum Beispiel Vertreter der afrikanischen Staaten gesprochen - der Tenor lautete unisono, dass die Außenpolitik einer gewissen Annalena B. zur ablehnenden Haltung führte...

    • @Samvim:

      Na klar, das musste ja kommen: die GRÜNEN sind an allem Schuld. Die GRÜNE "Kanzlerin ? Baerbock" hat die UN als unwichtig betrachtet - oder wer war das? Heisst der nicht Merz und ist in der cdU? Auch hat sie die pflaumenweichen Statements zu der völkerrechtswidrigen Kidnappingaktion der USA abgegeben -nicht etwa Merz? Sie hat verhindert, dass schärfere Massnahmen gegen israelische Kriegsverbrechen durchgeführt werden - oder war das auch der Merz?



      Was soll dieses primitive GRÜNEN- Bashing? Das kennt man primär von agD und anderen faschistoiden Richtungen.....

  • Die zahlreichen doppelten Standards in der deutschen Außenpolitik und dem oft arroganten Auftreten von dieser und auch der vorherigen Regierung sind ja schon hinreichend thematisiert worden. Was mich darüber hinaus irritiert ist, daß es bereits zwei europäische Bewerber und gleichzeitig auch enge Verbündete gab und die deutsche Regierung trotzdem eine eigene Bewerbung zu einer Kampfabstimmung nachschob. Das ist mehr als schlechter Stil und wird sicher auch innerhalb der EU zur Kenntnis genommen.

  • Bild fährt nun eine "Baerbock hats verbockt" Kampagne und die CDU springt auf.

    • @drusus:

      Soweit ich das herausgelesen habe, zitieren mehrere Medien Politiker vom afrikanischen Kontinent. Dort war vom selbstgerechten Auftreten Baerbocks zu lesen, die etwa dafür plädierte, eine öffentliche Toilette vom Ortsrand eines Dorfes in die Mitte zu verlegen, damit Frauen kürzere und potentiell sicherere Wege hätten. In einem Dorf ohne Kanalisation macht es natürlich absolut Sinn, dass Fäkalien mitten im Ort abgeladen werden. 🤷🏼‍♂️

      • @Jan .:

        Wann und wo hat Baerbock das gesagt?

  • "Statt Entwicklungsausgaben weiter zu kürzen, müssten diese nachhaltig aufgestockt werden. „Die Entwicklungszusammenarbeit ist unser wichtigstes außenpolitisches Instrument beim Aufbau langfristiger Partnerschaften“...



    Manch einer kann sich gut erinnern, dass aus der "liberalen Ecke" wiederholt ein echter Tiefschlag für die 'Entwicklungspolitik' kam.



    Aus spiegel.de 2024



    "Debatte über Entwicklungshilfe



    »Entwicklungspolitik ist knallharte Interessenpolitik«



    Die FDP will wieder einmal das Entwicklungsministerium abschaffen. Ex-FDP-Entwicklungsminister Dirk Niebel findet das eine gute Idee – und fordert eine stärkere Fokussierung auf das, was Deutschland nutze."



    Weiter dort:



    "Ex-Entwicklungsminister Niebel (FDP): »Eigentlich wollte ich gar nie Minister werden«..."



    Bei pallotiner.org:



    "Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann auf der anderen Seite der Erde ein Erdbeben auslösen. An diesem Bild ist tatsächlich etwas dran. Denn alles ist mit allem verbunden.



    Kaum zu glauben, aber der Satz: „Alles hängt mit allem zusammen“ stammt von Alexander von Humboldt (1769-1859) dem großen Naturforscher und Universalgelehrten, der im 18. Jahrhundert lebte."



    Dürfte im Unionslager gut bekannt sein...

  • Yep!



    Dem Tandem aus Möchtegernverteidigungsminister Wadephul und Möchtegernkanzler Merz ist die Kette gerissen.



    Die forschungsorientierte Union erwägt nun einen alternativen Antrieb.



    Wir sagte schon Peer Steinbrück?



    Hättehätte Fahrradkette…

  • Ich bin froh, daß diese CDU-Versager nicht noch mehr "Verantwortung" vulgo Macht bekommt. Der Schaden, den diese total kontraproduktiven Fossilpolitiker*innen verursachen, wird wenigstens international begrenzt.

  • Doppelmoral und Politik nach wirtschaftlichen Interessen (Realpolitik) auszurichten, scheint nicht populär zu sein.

  • An Stelle von Herrn Heusgen wuerde ich das leise aussitzen und nicht noch mit dem Finger auf andere zeigen. Baerbock mag mit Sicherheit einige "irritiert" haben, aber Herr Heusgen duerfte wohl der unbeliebteste Diplomat gewesen sein. Wie wurde er von den Chinesen verabschiedet? "Schade, dass Sie endlich gehen"?

  • Unter vielem anderen auch eine Retourkutsche für Baerbocks unanständige Trickserei sich auf den unverdienten UN Posten zu hieven. Glückwunsch.

  • Ich verstehe die Aufregung nicht. Gibt es irgendwas, was Deutschland im Sicherheitsrat besser könnte als Portugal oder Österreich? Haben die andere Werte?

    • @test_name:

      Geht mir genauso, ich nehme mal an Wadephul und insbesondere Merz brauchen irgendeinen Erfolg und da sie zuhause nichts auf die Reihe kriegen wäre sowas ein Ersatz gewesen den man in Deutschland verkaufen kann (das glauben die anscheinend)