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Debatte um Deniz UndavDas Bankgeheimnis

Deniz Undav besiegt die Elfenbeinküste. Soll er endlich in der Startelf stehen? Es gibt kaum Gründe, die dagegen sprechen: Wir haben sie gefunden.

Deutschland hat 2:1 gegen die Elfenbeinküste gewonnen. Und Deniz Undav hat es schon wieder getan. Er hat getroffen. Zwei mal. So wie er eigentlich immer trifft. Und auch wenn es für den Pass, mit dem er den Angriff vor seinem 1:1 selbst eingeleitet hat, keinen Scorerpunkt gibt, ist er auch noch einer der besten Vorbereiter im Team. Etwa 60 Minuten stand er bei dieser WM auf dem Platz. Drei Tore hat er geschossen und zwei vorbereitet. Was für eine Quote! Der beste Einwechselspieler des Turniers ist er schon.

Aber warum zum Teufel spielt der phänomenale Stuttgarter mit dem direkten Zug zum Tor eigentlich nicht von Anfang an? Wie will es Bundestrainer Julian Nagelsmann eigentlich begründen, wenn er Undav im Gruppenfinale gegen Ecuador und erst recht danach im Sechzehntelfinale wieder erst einmal auf die Bank setzt? Leicht wird es nicht, den Fans Undavs Ersatzspielerrolle plausibel zu machen.

Auch das WM-Team musste tief schürfen, um überhaupt ein paar Gründe zu finden, die dagegen sprechen könnten, Undav von der ersten Minuten an aus Feld zu schicken.

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Die taz bei der Fußball-WM

Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.

1. Der Rekord: Alle zwölf Minuten war Deniz Undav bei dieser WM an einem Tor beteiligt. Ein irrer Wert. Hätte Undav volle 180 Minuten gespielt bei diesem Turnier, er hätte gut 16 Torbeteiligungen gebraucht, um diesen Wert zu erreichen. Weil Deutschland ja schlecht dreimal gegen Curaçao spielen kann, ist das dann doch eher unwahrscheinlich. Damit am Ende des Turniers also wenigstens ein deutscher Spieler ganz oben in einer Statistik steht, ist es besser, Undav erst später zu bringen. Nur so klappt’s mit der Rekordquote.

2. Das Training: Eines der wichtigsten Körperteile im Spiel von Deniz Undav ist – mit Verlaub – sein Arsch. Kaum ein anderer Stürmer versteht es, seinen Hintern so auszufahren, dass die Gegenspieler regelrecht daran abprallen. Auch beim Abschirmen des Balles vor einem Verteidiger, weiß Undav sein Hinterteil bestens einzusetzen. Trainiert hat Undav seinen stabilen Steiß durch stundenlanges Sitzen auf der Ersatzbank. Spielt Undav von Beginn an, gehen ihm wertvolle Trainingseinheiten verloren.

3. Das Licht: Keiner soll heller scheinen in der Nationalmannschaft als der Bundestrainer. Er ist der Chef. Julian Nagelsmann hat es da ohnehin nicht so leicht wie ein Spieler. Der kann beim Torjubel auf seine Rückennummer zeigen und die Botschaft aussenden: Seht her, ich bin der Tollste auf dem Planeten. Genau so macht es Undav, wenn er ein Tor geschossen hat. Ein Bundestrainer hat keine Rückennummer. Um nicht ganz im Schatten seines besten Stürmers zu verschwinden, ist es besser, diesen erst mal draußen zu lassen.

4. Der Rat: Unzählige Experten fordern für Deniz Undav einen Platz in die Startaufstellung. Lothar Matthäus ist einer von ihnen. Obwohl er nur WM-Experte für den nicht übertragenden Sender RTL ist, schafft es jede seiner doch meistens irrelevanten Äußerungen in die Nachrichtenticker. Klar, auch er fordert, Undav von Beginn an zu bringen. Der vielleicht beste Grund, genau das nicht zu tun.

5. Die Stimme des Volkes: 75 Prozent der Teilnehmenden an einer Umfrage des TV-Senders Sky fordern einen Platz für Deniz Undav in der Startelf beim anstehenden Gruppenfinale gegen Ecuador am Donnerstag. Erste Petitionen auf change.org sind freigeschaltet. Sie haben zwar noch nicht allzu viele Unterzeichner, aber das kann sich in diesen schnelllebigen Zeiten rasch ändern. Volkes Wille jedenfalls darf keinesfalls die Aufstellung bestimmen. Das ist schon oft schiefgegangen. Als im Jahr 2000 ein völlig überforderter Bundestrainer Erich Ribbeck den Forderungen der TV-Bundestrainer nach einer Nominierung des alternden Lothar Matthäus nachgab, blamierte sich die Nationalmannschaft bis aufs Blut.

6. Die Kollegen: Deniz Undav ist in Hochform. Seine Kollegen in der Offensive sind es nicht. Florian Wirtz ist gut, kann aber besser spielen, Kai Havertz hat gerade gegen die Elfenbeinküste eines seiner schlechteren Spiele absolviert. Bei Jamal Musiala war bisher nicht zu sehen, warum er einmal so angehimmelt wurde. Und Leroy Sané ist zwar fleißig, aber konsequent glücklos. Wer als Trainer einen Deniz Undav auf der Bank weiß, der am Ende eh das Spiel entscheidet, kann den anderen im Team getrost Spielzeit einräumen, auf dass sie endlich ihre Form finden mögen. Und wenn’s nicht klappt? Dann kommt Undav. Und wie!

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6 Kommentare

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  • Undav hätte einfach bei Bayern spielen müssen, dann wäre er auch von Anfang an dabei. Wobei es auch - Binse - nicht nur die Knipser selbst sind, die für die Tore sorgen

    • @Janix:

      Bloß nicht! Bayern würde ihn u.U. zerstören, Beispiel für das „Verschlingsystem“ gibt es zu viel. Wer spielen möchte, sollte sich den Weg zu Bayern sparen.

  • Ein so hochklassiger Joker kann Wunder wirken. Ich erinnere mich noch an Andre Schürrle 2014 oder Kameruns Roger Milla 1990. Beide haben, wenn ich mich nicht irre, ihre besten Spiele als Eingewechselte gemacht und da entscheidende Tore erzielt oder vorbereitet...

  • Ab und zu muss man sich auch mal spaßige Gedankenspiele gönnen, die zum Schmunzeln anregen. Schönes Beispiel! Nur so kann man die Sache betrachten. Oder gibt es jemanden, der meint, man könne es zig Tausend (oder Millionen) Besserwissern (gleichzeitig) recht machen?

  • Havertz spielt rechts für Sane, dafür dann Undav als einziger Stürmer, wäre meine Idee.

    • @FtznFrtz:

      Havertz rechts und Undav als klassischer Neuner ist tatsächlich die einzig mögliche Alternative. Aber ich sehe darin auch ein gewisses Risiko:



      Sané ist sicherlich kein gelernter Abwehrspieler, aber er stellt die gegnerischen Angreifer zu, damit verzögert er zumindest den gegnerischen Angriff und gibt der Abwehr Zeit, sich zu sortieren. Das kann Havertz so gut wie gar nicht! Ein klassischer Angreifer. Gegen Equador mag das funktionieren, gegen Spanien, Argentinien oder Frankreich wäre das eine Schwächung der eh nicht ganz sattelfesten Außenverteidigung, die zu oft Unterstützung benötigt.



      Undav hat bislang auch von seiner Jokerrolle provitiert. Das 2:1 gestern war exemplarisch - sein Gegenspieler war so weit weg, der konnte nicht mehr stören oder den Schuß verhindern. Ich denke, dass da eine gewisse Erschöpfung nach 70 min eine Rolle gespielt hat.



      Mir gefällt die derzeitige Startaufstellung, da sie mit Undav und Beier zwei Alternativen bietet, ein Spiel auch nach 45 min noch neu zu gestalten und auf unerwartete Situationen druckvoll zu reagieren. Denn als letzte Alternative Woltemade einzuwechseln gefällt mir wenig - er ist leider viel zu berechenbar und unkreativ.