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Börsengang von SpaceXDer reichste Mann der Welt greift nach den Sternen

Musk will mit SpaceX den größten Börsengang aller Zeiten hinlegen. Dabei geht es um Monddörfer, Marsreisen und viel Geld.

Büste von Elon Musk am Straßenrand in Brownsville, Texas, USA Foto: Cheney Orr/reuters

Elon Musk hat The Space Exploration Technologies, wie SpaceX offiziell heißt, 2002 gegründet. Der reichste Mensch der Welt treibt es als Chef auch voran. Ohne SpaceX wäre der derzeitige Boom bei Satelliten und Raumfahrtmissionen kaum möglich. Das Unternehmen dominiert mit seinen günstigen Raketen den Transport ins All. SpaceX ist Partner der US-Weltraumbehörde Nasa, um wieder Menschen auf den Mond zu bringen, und arbeitet für das US-Verteidigungsministerium. Das eigene Netz von Starlink-Satelliten liefert rund um die Erde schnelles Internet. Zudem entwickelt SpaceX bei xAI künstliche Intelligenz. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wie laufen die Geschäfte?

Geschäftszahlen waren bisher streng geheim. Nach Unterlagen, die SpaceX bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat, setzte der Konzern vergangenes Jahr rund 18,7 Milliarden Dollar um, der Verlust betrug 4,94 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor gab es 791 Millionen Dollar Gewinn bei 14 Milliarden Dollar Umsatz. Im ersten Quartal 2026 schrieb das Raumfahrtgeschäft hohe Verluste, Starlink verdiente Geld bei steigenden Nutzerzahlen, das KI-Geschäft steckt tief im Minus. Größter Anteilseigner ist Elon Musk, der rund 85,1 Prozent der Stimmrechte besitzt. Die Kontrolle wird er auch nach dem Börsengang behalten.

Was ist genau geplant?

Der Konzern strebt unter dem Kürzel SPCX an die US-Technologiebörse Nasdaq. Es soll nur ein Teil der Aktien abgegeben werden. Spekuliert wird, dass es am 12. Juni so weit ist. Mit Einzelheiten, etwa was die Aktie kosten soll, rechnen Experten um den 4. Juni herum.

Wie teuer ist das Unternehmen?

Der Wert eines Unternehmens bemisst sich danach, wie viel Geld Investoren für einen Anteil bezahlen wollen. An der Börse, an der die Aktien eines Unternehmens gehandelt werden, ist der Wert sofort ersichtlich. Ist das Unternehmen nicht an der Börse, können die Eigentümer Anteile privat verkaufen. Experten schätzten den Wert von SpaceX Anfang des Jahres auf um die 800 Milliarden Dollar. SpaceX strebt mit dem Börsengang einen Wert von mehr als 2 Billionen Dollar an, was für einen Platz in der Liste der zehn wertvollsten börsennotierten US-Unternehmen reicht. Allerdings sollen nicht alle Aktien verkauft werden. Laut dem Wirtschaftsnachrichtendienstes Bloomberg strebt Musk einen Erlös von 75 Milliarden Dollar an. Es wäre der größte Börsengang aller Zeiten. Bisher hielt den Rekord der staatliche saudische Ölkonzern Saudi-Aramco, der 2019 insgesamt 29,4 Milliarden Dollar erlöste.

Ist SpaceX den Betrag wert?

Das ist unklar. Einige Experten halten den Wert für zu hoch. SpaceX wäre den jetzt vorgelegten Zahlen nach mit dem 107-Fachen seines Umsatzes bewertet. Das ist viel. Deutschlands größtes börsennotiertes Unternehmen Siemens (Wert rund 182 Milliarden Euro) kommt auf das 2,5-fache. Die Börse ist eine Wette auf die Zukunft, der Wert könnte gerechtfertigt sein. Und Musk hat schon gezeigt, wie sehr er eine vermeintlich stabile Branche wandeln kann. Mit Tesla verhalf er dem E-Auto zum Durchbruch, mit SpaceX trieb er die Raketenentwicklung voran und bereitete der neuen privatwirtschaftlich orientierten Raumfahrt den Weg, New Space genannt.

Wie wird sich der Kurs entwickeln?

Das ist schwer zu sagen. Experten schätzen, dass viele große Anleger fürchten, eine Chance zu verpassen, wenn sie nicht kaufen. Das könnte den Kurs zunächst treiben. Allerdings ist die Bewertung sehr hoch, der Kurs könnte deshalb fallen. Chef Musk und seine unkonventionelle und konsequente Herangehensweise ist langfristig eine große Chance, aber auch das größte Risiko. So hat der Ausflug in die Politik und seine radikalen Ansichten Kurs und Renommee von Tesla beschädigt – zum Leidwesen der Aktionäre. Zudem kann gerade im Space-Geschäft immer etwas schiefgehen oder explodieren.

Wie steht es mit der Raumfahrtbranche?

Die Raumfahrt hat sich von der staatlich getriebenen Branche zu einer privatfinanzierten entwickelt. Dies hat einen Boom ausgelöst. Kostengünstige Massenfertigung ist einer der Treiber. Die Berater von Roland Berger schätzten zuletzt, dass der Markt für Weltrauminfrastruktur wie Raketen und Satelliten von 63 Milliarden Euro 2024 auf 264 Milliarden Euro 2040 zunimmt. Für Dienstleistungen aus dem All soll er sogar von 408 auf 1.700 Milliarden Euro steigen. Satellitensysteme beobachten Tiere, optimieren Wettervorhersagen, steuern autonomes Fahren, verbessern die Landwirtschaft, erkennen Waldbrände. Geplant sind Fabriken im All, die für Pharma- oder Chip-Produktion in Schwerelosigkeit und Vakuum ausgestattet sind, Datencenter, ein Monddorf als Zwischenstopp für Reisen zum Mars.

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9 Kommentare

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  • Nicht einmal die Investoren glauben daran, dass die Versprechen irgendwann Wirklichkeit werden. Sie sind mit dem Ponzi-Schema immer größerer Versprechen einverstanden, weil sie sich kurzfristige Spekulationsgewinne erhoffen.

    Irgendwann kracht das Kartenhaus aber doch ein.

  • Ich hatte übrigens die KI mal gefragt, ob es nicht besser wäre, auf unserer Erde endlich mal mit Natur- und Klimaschutz anzufangen, anstatt jetzt auch noch den Mond auszubeuten.

    Die KI sagte: "Das Argument, dass wir zuerst unsere eigenen Probleme auf der Erde lösen sollten, bevor wir Milliarden in die Erforschung anderer Himmelskörper stecken, ist absolut berechtigt und wird auch von vielen Wissenschaftlern und Ethikern geteilt. Die Hoffnung auf eine „Zweite Erde“ oder unendliche Ressourcen im All könnte dazu führen, dass wir die Rettung unseres eigenen Planeten vernachlässigen. Um Tonnen von Material und Menschen zum Mond zu befördern, sind tausende Raketenstarts notwendig. Die Verbrennung von Treibstoffen in der oberen Atmosphäre setzt Partikel und Gase frei, die das Erdklima zusätzlich belasten. Uns läuft beim Klimaschutz auf der Erde die Zeit davon."

    Man beachte besonders den letzten Satz. Vielleicht sollten wir mehr auf die KI hören, als auf geldgierige und skrupellose Multimilliardäre.

    • @Ricky-13:

      Satelliten zur Beobachtung der Erde und von mir aus auch noch die Produktion von Chips und Medikamenten im All sind okay. Aber, was in Herrgotts Namen wollen wir auf dem Mars. Es gibt dort keine Atmosphäre, die ein Überleben ermöglicht. Und herstellen lässt sich diese auch nicht, da es dazu ein Magnetfeld braucht, das es auf dem Mars nicht gibt.

      • @Il_Leopardo:

        Ich wäre nicht unzufrieden, wenn Musk, idealerweise gemeinsam mit Trump und einigen anderen Kumpels, auf dem Mars umzieht. 9 Monate auf Reise, und dann bitte dort bleiben.

  • Ich bin begeistert. Ein Monddorf ist geplant. Na, dann schicken wir als erste Siedler Musk, Trump und Vance auf den Mond.

  • Äh, ein Artikel über den "reichsten Mann der Welt" ohne traditionelles Musk-Bashing? Was ist passiert?

  • "Der Mensch, das sonderbare Wesen: Mit den Füßen im Schlamm, mit dem Kopf in den Sternen."



    Else Lasker-Schüler



    Von den Memory-Schaum-Matrazen über kratzfeste Brillengläser, die Mikrowelle bis hin zum GPS - die Raumfahrt 🧑‍🚀 ist mit der größte Motor menschlichen Fortschrittstrebens und auch Motor der Völkerverständigung - siehe von der ehemaligen MIR bis zur heutigen ISS, wo Russen und Amerikaner trotz aller zwischenstaatlichen Widrigkeiten Seit an Seit zusammen arbeiten.



    Schade das ausgerechnet ein Ekel wie Musk federführend für die Raumfahrt im 21. Jahrhundert sein wird, für die Menschheit ist es dennoch ein Mehrwert unschätzbaren Ausmaßes.

    • @Astrid Sehnefeld:

      Von diesen Großtaten der Weltraumindustrie ist das meiste nicht nachweisbar. Und mit den vielen Mrd für die Raumfahrtforschung hätte man das vermutlich auch ohne Raumfahrt geschafft.



      Nur mal die Zahlen aus diesem Jahr für Deutschland:



      Raumfahrtforschung wird mit 2,4 Mrd direkt von der Regierung gefördert, für EU Projekte (ESA) gibt die deutsche Regierung nochmal 5,4 Mrd aus. Allein diese beiden Töpfe aus den Ministerien mache also 7,8 Mrd.



      Für medizinische und gesundheitliche Forschung (angeblich brennt ja unser Gesundheitssystem) gibt die Regierung vergleichsweise lächerliche 700 Mio Euro aus, also weniger als ein Zehntel.

    • @Astrid Sehnefeld:

      Kurzer Blick auf das Leben von Valentina Vladimirovna Tereškova:

      Was will sie heute :

      de.wikipedia.org/w...n_gegen_den_Westen

      de.wikipedia.org/w...eschkowa#Junarmija

      "Once the rockets are up



      who cares where they come down ,



      that´s not my department



      says Wernher von Braun"

      ist von Tom Lehrer.

      Die MIR ist verglüht, die Trümmer liegen im Südpazifik bei Neuseeland. Eine unbeschreibliche Demütigung der und für die Raumfahrtnation Sowjetunion (Ziolkowski war Russe) und ihre Nachfolgestaaten.

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