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Bayrischer RundfunkExtrawurst-Gesetz à la Bavaria

Steffen Grimberg
Kolumne
von Steffen Grimberg

Was Markus Söder unter Medienfreiheit versteht, riecht stark nach Eigenbraterei. Thüringen zeigt derweil: Es geht auch ohne Wurstigkeit.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nimmt im Februar als „Braveheart“ an einer Livesendung des Bayerischen Rundfunks teil Foto: Daniel Löb/dpa

D er Freistaat Bayern geht gern seine eigenen Wege, vor allem seit sein Ministerpräsident Markus Söder heißt. Dessen Lieblingstier ist bekanntermaßen die Wurst, auch Söders Politik hat eine ganz eigene populistische Wurstigkeit.

Die zeigt sich nun ebenfalls bei der geplanten Neufassung des Gesetztes über den Bayerischen Rundfunk (BR), bei der sich Bayern wieder eine Extrawurst brät. Der Entwurf bekam letzte Woche den Segen des Kabinetts aus CSU und Freie Wählern und soll den Auftrag des BR ein bisschen genauer fassen. Um nicht zu sagen, den BR bei der Erfüllung seines Auftrags politisch einhegen.

„Es wird präzisiert, dass der BR keine politischen oder gesellschaftlichen Gestaltungsziele verfolgen darf, um damit konkrete Verhaltensänderungen oder politische Entscheidungen herbeizuführen“, heißt es da.

Nun ist die Erhaltung der Demokratie ja auch so ein „gesellschaftliches Gestaltungsziel“. Und der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist eigentlich verpflichtet, diesem zu dienen, was beispielsweise auch der ARD-Vorsitzende Florian Hager immer wieder betont.

Gilt das demnächst in Bayern nicht mehr? Natürlich soll der ÖRR nicht einseitig für politische Richtungen oder Parteien trommeln. Wobei es lustig ist, dass das jetzt ausgerechnet beim BR nochmal überdeutlich ins Stammbuch geschrieben werden soll. Wenn es bislang eine gewisse Nähe zwischen einer ARD-Anstalt und einer Regierungspartei gab, dann doch in Bayern. Zumindest galt das, solange die CSU noch allein regierte.

Der Passus mit den „konkrete Verhaltensänderungen“ liest sich dabei wie eine Einladung an AfD & Co, demnächst bei jeder pointierten Aussage im Programm dem BR einen Verstoß gegen seine Grundsätze vorzuwerfen. Söder schießt sich mit diesem gesellschaftspolitischen Gestaltungsspiel obendrein selbst ins Knie. Für seine Pro-Würstel-Kampagnen ist dann nämlich auch kein Platz mehr im BR, ätsch!

Thüringen macht's besser

Und so gilt für Markus Söder mal wieder der gute alte Glückskeksspruch „Lerne zu schweigen, und du merkst, dass du viel zu viel geredet hast.“

Dass es auch unter Uni­ons­po­li­ti­ke­r*in­nen anders geht, zeigt gerade Thüringens Medienminister Stefan Gruhner (CDU). Anders als viele seiner Parteikollegen aus Sachsen und Sachsen-Anhalt gefällt sich Gruhner nicht in billigem ÖRR-Bashing oder Beitragspopulismus. Sondern sagte bei der Einführung des neuen Medienrats für ARD, ZDF und Deutschlandradio in Weimar Sätze wie: „Die Kritik am öffentlich-rechtlichen System ist an vielen Stellen völlig überzogen.“ Gerade die Politik müsse immer wieder unterstreichen, „dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine wichtige Säule unserer Demokratie ist“, und „wir alle aufgerufen sind, ihn zu verteidigen“.

„Genau, alle, egal ob Fleisch- oder Veggie-Wurst-Verfressene“, sagt die Mitbewohnerin. „Da gilt der zweite Glückskeksspruch: Alle Achtung, Sie zeigen Zivilcourage.“

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Steffen Grimberg
Medienjournalist
2000-2012 Medienredakteur der taz, dann Redakteur bei "ZAPP" (NDR), Leiter des Grimme-Preises, 2016/17 Sprecher der ARD-Vorsitzenden Karola Wille, ab 2018 freier Autor, u.a. beim MDR Medienportal MEDIEN360G. Seit Juni 2023 Leitung des KNA-Mediendienst. Schreibt jede Woche die Medienkolumne "Flimmern und rauschen"
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12 Kommentare

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  • Herr Söder verkleidet sich als William Wallace und führt ein Spartha - ein Schwert der Antike, vielleicht Spätantike. William Wallace, der im 13./14. Jahrhundert lebte und sowohl im Film Braveheart als auch in Wirklichkeit ein Langschwert führte, vermutlich ein Lowland Claymore. Ein Spartha würde eher zu Knöig Arthus passen. Ist das hier eine Arthur, Braveheart oder El Cid Hauptsache Britischer Held Situation oder sind ihm Details nicht so wichtig. Dann wäre ich doppelt froh, dass er nicht Kanzler ist, am Ende würde er das G-36 noch durch Musketen ersetzen.

  • In dubio sei ein Öffentlicher Rundfunk eher regierungskritisch und auf der Seite von Journalismus und so etwas wie Wahrheit. So viel sollte Schmalspurjournalist Söder doch damals mitbekommen haben.



    Absteigender Ast, und was ist auch von jemandem zu erwarten, der laut taz-Artikel bei seinem Populisieren nicht mal die Geschichte der Bremer Stadtmusikanten richtig parat hatte.

  • Herr Söder scheint nicht zu wissen, dass Braveheart (mutiges Herz) ein idealistischer Freiheitskämpfer war. Dieses Kostüm ist wieder nur eine Anmaßung.



    Sein Extrawurst-Gesetz wird nicht verhindern, dass ich kritische Sendungen gucke und ich damit zu konkreten Verhaltensänderungen oder politischen Entscheidungen gelange.



    Ätschi-bätschi (oder auf englisch: Na-na na-na boo-boo!)

    • @Il_Leopardo:

      Naja, die schottische Geschichte ist doch etwas komplexer.



      Wobei die Wittelsbacher und die Stuarts nicht nur wegen der Farben gut miteinander konnten.



      Gutes öffentliches Fernsehen statt Clips, Privatmüll & Lügenindustrie hat etwas Gutes. Verbessern geht immer noch, doch Danke an die Allierten damals!

      • @Janix:

        Ich gucke eigentlich nie Privatfernsehen. Gibt es wirklich mal einen Film, der mich interessiert, dauert der statt 1 1/2 Stunden mindestens 2 Stunden (Werbung, Werbung, Werbung). Diese Zeitverschwendung kann ich mir gerade in meinem Alter (77) nicht erlauben. Ich find's schon schrecklich genug, dass jetzt auch die Öffentlichen während einer Sendung immer wieder Hinweise auf andere Sendungen oben oder unten einblenden.

        • @Il_Leopardo:

          Und wir sollen streamen, streamen, streamen...



          Wer verdient daran? Bertelsmann?

    • @Il_Leopardo:

      „dass ich kritische Sendungen gucke "



      Auf welchem Sender wird das demnächst noch gehen? Die Tochter von Wolfgang Schäuble wurde von interessierten Kreisen schon auf den Posten der ARD-Programmchefin gehievt.

      • @Mondschaf26:

        Vielen Dank für den wichtigen Hinweis. Sie hat offensichtlich schon damit angefangen:



        " Strobl plante eine Verringerung der Kraft der Politmagazine und eine Verlegung des Weltspiegels auf einen reichweitenschwachen Sendeplatz um 22:50 Uhr." (Wikipedia)



        Mein Eindruck, dass kritische Sendungen seit Jahren zunehmend zu später Stunde geendet werden, bestätigt sich nun. Welcher Arbeitnehmer, der morgens um 8 Uhr am Arbeitsplatz sein muss, kann die gucken?



        By the way, ein Grundgehalt von 285.000 € jährlich ist nicht von schlechten Eltern. "Hinzu kommen Sachbezüge und zusätzliche Leistungen für Tätigkeiten bei Tochterunternehmen der Sender oder der ARD, die nicht offengelegt werden." Diese Gier der Etablierten kotzt mich an.

  • Der SöderMarkus ist ein Food-Blogger mit einem Nebenjob als Ministerpräsident. Motto: Am bayrischen Wesen soll die Nation genesen. Söder sieht sich als Gesandter, gekommen, um die Republik zu retten. Der Bayernkaiser und seine Bazis. Vollkommen überzogener Einfluss in der Bundespolitik dank der Union, die immer willens ist, den Steigbügel zu halten. Und durchaus bekannt als Berlin-Zulieferer von solch grandiosen Poltik-Künstlern wir dem ScheuerAndi, dem DobrindtAlex, der BärDoro und dem ReinerAlois. CSU: Wo mangelnde Kompetenz, verschwendete Regierungszeit und aus dem Fenster geworfene Bundesmittel mit mehr Gelegenheiten inkompetent zu sein und Geld zu verschwenden belohnt werden! Getreu dem Motto der CSU: Schlimmer geht Immer!



    PS: ja, ist Polemik. Genauso wie die CSU gerne über andere spricht aber nie selbst verträgt.

  • "Thüringen macht's besser"?



    Thüringen AfD Bundestagswahl 2025 32%. Bayern AfD Bundestagswahl 15%. Was macht Thüringen besser?

    • @Hans Dampf:

      Grundlagen wie sauberer öffentlicher Rundfunk nicht mit dumpfen Sprüchen anhauchen, sondern den verteidigen und besser machen.

      Der MDR ist aus Bayern mitaufgebaut worden, den muss man der CSU mit anlasten, wenn jetzt da etwas kommt.

    • @Hans Dampf:

      Macht sich trotz 32% AfD nicht in die Buchsen, ergeht sich nicht in populistischem Spiegelfechten und verteidigt den ÖRR gegen das Anlegen von Maulkörben und Daumenschrauben.