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Aushöhlung des Lieferkettengesetzes Reiche in Habecks Fußstapfen

Kommentar von

Leila van Rinsum

Im Interesse großer Konzerne wird die Lieferkettenrichtlinie Schritt für Schritt zurückgeschraubt. Was unter den Grünen anfing, geht mit der Union weiter.

W ieder einmal und wenig überraschend richtet Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ihre Politik nach den Wünschen der fossilen Lobby aus. Wie Recherchen von der Frankfurter Rundschau und FragDenStaat zeigen, nahm sie an mehreren Treffen mit einer Lobbygruppe teil, die die europäische Lieferkettenrichtlinie aushöhlen wollte.

Zur Erinnerung: Das Gesetz verpflichtet Unternehmen dazu, entlang ihrer Lieferketten für die Einhaltung von Menschenrechten zu sorgen. In einem Schreiben fordern die Erdölkonzerne ExxonMobil, Chevron und Koch Industries die Ministerin dazu auf, die Richtlinie so zu ändern, dass sie nur Unternehmen mit einem Jahresumsatz ab 1,5 Milliarden Euro betrifft – wenn Reiche die Regeln schon nicht ganz absägen kann.

Dieser Wunsch schaffte es dann auch in die Neuauflage der Richtlinie der Europäischen Union, die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) veranlasste – und die der deutsche CSU-Politiker Manfred Weber mit den Rechtsextremen Ende 2025 durchs Parlament brachte.

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Das Lieferkettengesetz ist ein Paradebeispiel dafür, wie Deutschland immer wieder die Interessen der besonders mächtigen Wirtschaftslobby durchsetzt, der fossilen oder auch der großen Verbände der Industrie (BDI und DIHK), der Arbeitgeber (BDA), der Autos (VDA). Die waren von Anfang an gegen das deutsche Lieferkettengesetz und die europäischen Regeln.

Überall offene Türen

Die Lobby der Großkonzerne rennt aber bei Weitem nicht nur bei FDP- und CDU-Spitzenpolitiker*innen offene Türen ein. Auch ein Robert Habeck (Grüne), der sich eigentlich lieber an Küchentischen in deutschen Wohnzimmern inszeniert, stand Ende 2024 – noch als Vizekanzler und Wirtschaftsminister – auf großer Bühne vor CEOs und Managern und sagte, das Lieferkettengesetz könne nicht verbessert werden, da helfe nur noch, „die Kettensäge anzuwerfen und das ganze Ding wegzubolzen“. Unterstützung hatte er auch von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).

Bereits unter Habeck blockierte das Wirtschaftsministerium die Kontrollbehörde Bafa und zog Personal ab, das zur Umsetzung des Lieferkettengesetzes arbeiten sollte. Habeck verschob die Berichtspflichten der Unternehmen per Weisung. Noch krasser geht es unter Merz und Reiche weiter, heute arbeitet nur noch die Hälfte der Mitarbeitenden bei der Bafa, das Wirtschaftsministerium hat angewiesen, Gesetzesverstöße nur noch in Ausnahmefällen zu sanktionieren und Berichtspflichten zu streichen.

Die EU-Richtlinie ist auch dank des deutschen Einsatzes so weit abgesägt, dass nur noch ein Kettenglied übrig ist, und es ist so klein, dass es in Friedrich Merz’ Hosentasche passt. Es gilt nur noch für die allergrößten Konzerne, die ihre direkten Zulieferer überprüfen sollen – in Deutschland sind es dann 150 Unternehmen. Wie so häufig im Kapitalismus hat sich auch hier wieder das Prinzip durchgesetzt: Profit vor Menschenrechten.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Leila van Rinsum Redakteurin

ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft & Umwelt. Dort schreibt sie über Internationalen Handel und Entwicklungspolitik. Sie war zuvor freie Journalistin in Nairobi und Berlin und schrieb über Nord-Süd Beziehungen, Kapitalismus und Queeres.
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7 Kommentare

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  • Perkele

    In Habecks Fußstapfenb würde sich die Dame verlaufen. . .

    • Sole Mio

      @Perkele:

      Habeck ist glaube ich froh wenn er seine Fusstapfen in Sachen Graichen, Intel, Cicero, Philipp etwas in Vergessenheit geraten.

      Ich bin schon etwas enttäuscht, wie er als von seinen Anhängern gefeierte Lichtgestalt, sich verabschiedet hat

  • Willi Müller alias Jupp Schmitz

    Um im Merz-Sprech zu bleiben:



    Passt auf einen Bierdeckel.



    "Profit vor Menschenrechten."

    • Perkele

      @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

      Das lässt sich präzisieren:



      Profit vor sozialer Verantwortung



      Profit vor Klimaschutz



      Profit vor Naturschutz



      Profit vor verantwortungsbewusster Bildungspolitik



      Profit vor Einbußen persönlicher Natur der Politiker*innen

  • David Lejdar

    Dafür, dass man die Unternehmen nicht mit Bürokratie zudröhnen möchte, kann man Verständnis haben. Aber deswegen zu sagen, dass es nicht interessiert, wenn wieder Fall wie z.B. mit den Blut-Diamanten, und heiter irgendwelche Milizen finanziert, um sich dann über Geflüchtete aus dem Gebiet aufzuregen, und dann Miliz noch mehr Geld bekommt, direkt von EU, um da mal Zäune um die Zwangsarbeitslager zu machen (damit sich paar Typen in EU Jacht leisten können), dafür habe ich kein Verständnis.

    Und da bin ich dafür, paar Dinge im Blick zu haben. Als Beispiel, Kaffee-Importe aus Uganda, die etwas Umfang haben. Und eben statt jeder Kaffeehändler das selbe dokumentierend, kann man ja mal Blick im Allgemeinen haben, wie die Arbeitsbedingungen dort so sind, u.ä. - und als Staat kann man diplomatisch eher Dinge klären, wenn was anliegt (hier abgesehen von Themen wie, dass dort Gerichtsverfahren gegen Oppositionellen mit angeblichen Aufnahmen die widerrechtlich in Schweiz usw. gemacht).

  • Herbarius Zunichten

    Wer gegen die Globalisierung ist zerstört Lieferketten und vernichtet Existenzen und Aufstiegsmöglichkeiten in den Zielländern .



    Überleben werden nur die Skrupellosen die Geld genug haben um Zertifikate und Belege zu fälschen.

  • Lowandorder

    Es halt und nicht nur seit Black Rocker Merz! Wollnichwoll:



    Eine Binse - daß als mindestes -



    Die Lobbyisten mit offener Hose 🙀



    Kanzleramt und Wirtschaftsministerium - ff



    Geentert haben •