Atommüllfunde im Atlantik : Aus der Versenkung geholt
Forscher kartieren Atommüll im Atlantik. Damit bringen sie ein längst vergessenes Thema zurück auf die Tagesordnung.
Foto: Flotte Océanographique Française/dpa
D ie Bilder aus den 1980er Jahren sind in Vergessenheit geraten. Damals gingen sie um die Welt: Schlauchboote von Greenpeace näherten sich mutig den Frachtern, die auf hoher See strahlende Fässer über Bord werfen wollten. Verhindern konnten die als „Regenbogenkämpfer“ bezeichneten Aktivisten den Umweltfrevel selten. Aber durch die Aktionen entstand Druck, der – wenn auch spät – zum Erfolg führte. Mit den Jahren verschwanden die Altlasten vom Meeresgrund weitgehend aus dem kollektiven Gedächtnis.
Einem internationalen Forscherteam gilt nun der Dank, dass es mit seinem Tun ein Thema buchstäblich aus der Versenkung holt, das dringend auf die politische Tagesordnung gehört. Zwar ist es in erster Linie ein wissenschaftliches Projekt, kein politisches – und das soll auch so bleiben.
Gleichwohl dürfte die Mission auch politisch wirken. Denn wenn die Ergebnisse erst vorliegen, wird das vereinte Europa beraten müssen, welche Konsequenzen aus den Erkenntnissen zu ziehen sind. Vielleicht wird sich in manchen Fällen die Frage der Rückholung aufdrängen.
Es dürfte also eine Debatte entstehen, die weiter greifen sollte als die reine Aufarbeitung der vergangenen Missetaten. Wer sich heute – zu Recht – über die Schändlichkeit der Atommüllentsorgung von damals erregt, sollte einen Moment innehalten. Denn Umweltvergehen sind zeitlos. Sie finden immer noch statt, nun aber subtiler.
Umweltvergehen sind heute nicht weniger dramatisch
Wir vermüllen die Umwelt mit den Ewigkeitschemikalien PFAS, betrachten die Atmosphäre als Müllkippe für CO2-Abgase aus Verbrennungsprozessen. Nur weil heute die Umweltvergehen nicht mehr so „ehrlich“ und offensichtlich skandalös sind wie noch vor einigen Jahrzehnten, sind sie nicht minder dramatisch.
Wenn auf See künftig wieder Fässer geborgen werden müssen, wird man den Verantwortlichen vorhalten: Leichter wäre es gewesen, sie gar nicht zu versenken. Wohl wahr, aber das gilt für alle Umweltverschmutzungen von heute: Ob PFAS oder CO2 – es ist leichter, Emissionen zu unterbinden, als die Stoffe später zurückzuholen.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert