Atommüll aus Großbritannien: Castoren angelandet
Ein Atommüllschiff legt in der Nacht in Brunsbüttel an. Deutschland muss hochradioaktiven Schrott zurücknehmen und Jahrzehnte in Brokdorf zwischenlagern.
Es ist wohl der letzte Castortransport aus Großbritannien nach Deutschland: Nach sechstägiger Fahrt ist am Dienstagmorgen das Schiff „Pacific Grebe“ mit Atommüll im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel angekommen. Ziel der Fuhre ist das Zwischenlager im 15 Kilometer entfernten Brokdorf.
In Brunsbüttel werden die jeweils mehr als 100 Tonnen schweren Castoren auf Speziallastwagen umgeladen. Nach einem Probelauf mit einem leeren Behälter war bis zum Mittag ein Castor auf einen Tieflader gehievt worden. Der Beginn des Straßentransports blieb zunächst offen.
Wiederaufarbeitung in Sellafield
In den Behältern befinden sich in Glas eingeschmolzene Atomabfälle, die bei der Wiederaufarbeitung verbrauchter AKW-Brennelemente aus Deutschland im britischen Sellafield entstanden sind. Der Atommüll kommt aufgrund geltender Verträge mit Großbritannien zurück nach Deutschland.
Lange Zeit war Gorleben als Ort für die Zwischenlagerung dieser Abfälle vorgesehen. Nach dem Atomausstieg und dem Neustart der Endlagersuche hatten sich Bund und Länder darauf verständigt, die Abfälle aus den Plutoniumfabriken in Frankreich und Großbritannien auf Zwischenlager an den deutschen AKW-Standorten zu verteilen.
Helge Bauer, „ausgestrahlt“
Die sieben Castoren sollen so lange in Brokdorf bleiben, bis es – wohl erst im nächsten Jahrhundert – ein Endlager für hochradioaktive Abfälle gibt. Die 16 oberirdischen Zwischenlager in Deutschland sind allerdings zunächst nur für eine Betriebsdauer von 40 Jahren konzipiert und genehmigt.
Differenzierte Kritik
Atomkraftgegner:innen halten es für richtig, dass Deutschland den Atommüll zurücknimmt. Sie kritisieren aber die Zwischenlagerung. Schon heute sei klar, dass der Atommüll dort nicht bleiben könne, sagt etwa Helge Bauer von der Antiatomorganisation „ausgestrahlt“. „Jeder Castortransport birgt enorme Risiken“, so Bauer. Atommüll sollte deshalb nur ein einziges Mal transportiert werden – in ein Endlager. Kerstin Rudek von dem Bündnis Castor stoppen! wertet auch die strikte Geheimhaltung der Atommüllfuhre als „ein Eingeständnis, dass die Transporte gefährlich und ein potenzielles terroristisches Ziel sind“.
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