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Anpassung an den KlimawandelEs wird teuer für Schleswig-Holstein

Das Bundesland am Meer hat eine neue Strategie zur Anpassung an den Klimawandel vorgestellt. Der Umweltminister fordert mehr Hilfe vom Bund.

Trockenheit, Hitze und Starkregen nehmen zu. Wie müssen Städte, Wälder und Gewässer gestaltet sein, um rasche Wetterwechsel und steigende Temperaturen auszuhalten? Das Land Schleswig-Holstein hat dazu eine „Klimaanpassungsstrategie“ vorgestellt. Das 200 Seiten starke Papier zeigt vor allem eines: Der Schutz vor den Folgen der Überhitzung wird aufwendig und teuer.

Die Erderwärmung zu stoppen, bleibe „Priorität Nummer eins“, sagte Umwelt- und Küstenschutzminister Tobias Goldschmidt (Grüne) bei der Vorstellung der Klimaanpassungsstrategie in Kiel. Aber er forderte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa eine doppelte Kraftanstrengung: „Einerseits Emissionen weiter konsequent reduzieren. Und uns andererseits anzupassen, an die Veränderungen, die schon da sind.“

Dazu hatte das Land bereits 2011 und dann erneut 2017 Fahrpläne vorgelegt, um das Leben in Zeiten des Klimawandels zu gestalten. Darin geht es um Themen wie Gesundheit, Küstenschutz und Landwirtschaft. Im aktuellen Plan sind es ganze 16 Aufgabenfelder, von Bildung über Energieinfrastruktur und Raumplanung bis zu biologischer Vielfalt. Ein Kernelement betrifft den Küstenschutz, er habe „gesamtgesellschaftliche Bedeutung“, heißt es im Strategiepapier. Immerhin sind ein Viertel der Landesfläche durch Überflutung gefährdet.

Was wir gerade erleben, ist kein Wetter, und das ist auch kein Jahrhundertsommer, sondern das ist Klimakrise.

Umwelt- und Küstenschutzminister Tobias Goldschmidt (Grüne)

Seit 1900 ist der Meeresspiegel global um rund 20 Zentimeter gestiegen, was sich an Kaimauern und Hafenanlagen zeigt. Bei Sturmfluten, die an Häufigkeit und Stärke zunehmen werden, sind Deiche, Wehre und Fluttore besonders belastet. Schleswig-Holstein steckt bereits Millionenbeträge in den Küstenschutz. Die Schutzdeiche sollen nach dem Ausbau einen Wasseranstieg von rund einem Meter aushalten können.

Lokale Unterschiede bei Anpassung ans Klima

In vielen Bereichen gibt es schon Vorgaben und Pläne, sagte Goldschmidt: „Die gute Nachricht ist: Wir starten nicht bei null, und vieles nützt uns gleich doppelt.“ Das betrifft etwa die Stadtplanung, wo die Strategie mehr Grün und Entsiegelung vorschlägt. Denn Bäume und Parks können das Mikroklima abkühlen, Tieren Lebensraum bieten und Treffpunkt für die Menschen darstellen.

Beim Pressetermin nannte Kiels Oberbürgermeister Samet Yilmaz (Grüne) den Schützenpark als Beispiel, der vom Ende der Autobahn bis an den Rand der Innenstadt reicht. Nun wird das Areal vergrößert und eine Wiese tiefer gelegt, damit sie bei Starkregen mehr Wasser aufnehmen kann. In Kiel werde künftig bei jeder Quartiersentwicklung hingesehen, wie die Klimaanpassung vorangebracht werden könne, sagte Yilmaz. „Mehr Grün, weniger Beton“, nannte er als Grundsatz. „Auch in der Innenstadt können wir genauer hinschauen.“

Nicht nur Kiel, sondern auch viele andere Städte im Land haben bereits lokale Klimaanpassungspläne. Aber ob sie wirklich greifen, hängt von der örtlichen Politik ab. In Flensburg etwa beraten die städtischen Gremien zurzeit, ein neues Wohnquartier in eine Windschneise zu bauen, obwohl das Klimagutachten davor warnt.

Nicht nur in den Rathäusern kommt es auf örtliche Ak­teu­r:in­nen an. Auch in der Landwirtschaft mit ihrem Einsatz von Dünger und Pestiziden. Da liegen Ideen und Projekte zur Reduktion der klimaschädlichen Stoffe vor, doch ihre Umsetzung bleibt freiwillig.

Klimaanpassung wird oft privat getragen

Ähnlich ist es in der Forstwirtschaft, wo neben kommunalen zahlreiche private Wald­be­sit­ze­r:in­nen dafür sorgen müssen, die Bäume und ihr Ökosystem zu erhalten. Zudem setzt sich die Regierung dafür ein, den Baumbestand im waldarmen Schleswig-Holstein um rund 15.000 Hektar zu erhöhen. Allerdings ist das ein Versprechen, das bereits mehrere Regierungen gegeben und nie umgesetzt haben.

Aus Sicht des Umwelt- und Küstenschutzministers Goldschmidt ist die Klimaanpassung keine Aufgabe für ein Bundesland oder eine Kommune allein. Er warnt davor, die Lage zu unterschätzen: „Was wir gerade erleben, ist kein Wetter, und das ist auch kein Jahrhundertsommer, sondern das ist Klimakrise.“ Angesichts der Dramatik reagiere die Bundesregierung viel zu passiv, sagte er laut dpa. „Der Bundeskanzler hat gesagt, er äußere sich irgendwann dazu. Ich glaube, so kann es nicht weitergehen. Wir müssen das Thema Klimaanpassung und Klimaschutz mit viel stärkerer Dringlichkeit bearbeiten.“

Er schlug eine „Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung“ vor, um alle Kräfte für die Zukunft zu bündeln. Nötig sei eine Änderung des Grundgesetzes. Dann könne sich der Bund an der Finanzierung von Projekten beteiligen.

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