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Angriffe von rechts Sexismus als Alltag

Simone Schmollack

Kommentar von

Simone Schmollack

Bärbel Bas ist vom SPD-Vorsitz und als Arbeitsministerin zurückgetreten. Die verachtenden Angriffe gegen sie als Frau wurden am Ende zu heftig.

S ozialstaats-Stalinistin. Politische Schizophrenie auf Regierungsniveau. Bärbel Bas muss mal jemand aus dem Bällebad rausholen. Solche und ähnliche Anfeindungen musste sich die SPD-Vorsitzende in den vergangenen Jahren recht häufig anhören. Selbst jetzt, nachdem Bärbel Bas als SPD-Co-Chefin und Arbeitsministerin zurückgetreten ist, hören die Angriffe gegen sie nicht auf. Was ist hier eigentlich los? Sind wir mittlerweile eine Gesellschaft, in der nicht einmal ein derart persönlicher Einschnitt im Leben wie der Tod Anlass bietet, innezuhalten? Um wenigstens für ein paar Tage auf verächtlich machende, verletzende, misogyne Angriffe zu verzichten?

Ohnehin ist es erstaunlich, wie lange Bas stoisch ertragen hat, wie sie als nicht mehr ganz junge Frau infantilisiert und pathologisiert wurde. Das ist eine alte Masche, um Frauen das Leben nicht nur in Spitzenämtern schwer zu machen und sie so lange mit Dreck zu bewerfen, bis sie freiwillig das Feld räumen. Dabei waren wir schon weiter. Doch mit der Rückkehr einer Bro-Culture insbesondere durch die AfD nehmen Frauenverachtung, Frauenhass und die Benachteiligungen von Frauen wieder zu. Die Angriffe gegen Bas kommen daher nicht unerwartet vor allem von rechts außen und der Loser-Partei FDP, aber auch vom Koalitionspartner.

Sachliche Kritik an der Regierungsarbeit ist richtig und nötig, solange sie sich eben auf sachliche Kritik beschränkt. Sobald sie unterkomplex und misogyn wird, scheint die Antriebskraft dahinter nicht Korrektur zu sein, sondern Zerstörungswille. Was gewinnt die Union dabei? Nichts außer dem Bild einer zerrütteten Regierung, von dem die AfD genüsslich profitiert.

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Bärbel Bas hat bei Weitem nicht alles richtig gemacht, Kritik erntete sie vor allem bei der Bürgergeld- und Rentenreform. Nun war sie als Akteurin des viel kleineren Koalitionspartners ohnehin in der schwächeren Verhandlungsposition. Bei ihr kam der Alltagssexismus der Union erschwerend hinzu.

Simone Schmollack

Simone Schmollack Ressortleiterin Meinung

Ressortleiterin Meinung. Zuvor Ressortleiterin taz.de / Regie, Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Amtierende Vize-DDR-Meisterin im Rennrodeln der Sportjournalistinnen. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es wieder tun" über Partnerschaftsgewalt.
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2 Kommentare

  • Fred Feuerstein

    Die von Ihnen anfangs zitierten Beleidigungen gegenüber Frau Bas habe ich zumindest von CDU/CSU /-Regierungs-oder Fraktionsseite nie gehört oder gelesen. Deshalb sollte man m. E. darauf verzichten diese Causa politisch auszuschlachten, das hilft nur der AfD. SPD und CDU/CSU sollten möglichst bald zur Sacharbeit zurückfinden . Deutschland braucht Reformen.

  • Elite123

    Sorry, damit darf sich jeder Politiker herumschlagen, ich sehe da keinen Sexismus.

    Ein Merz wird Lügenfritze genannt, das ist ähnlich infantil. Von dem was sich Amthor über sein Aussehen gefallen lassen darf, ganz zu schweigen. Oder Linnemann.



    Derartige Kaliber an Kommentaren habe ich bei Bas noch nicht erlebt. Da ging es stets um ihre politische Linie, die hart und teils unfair angegangen wurde, aber immer einen inhaltlichen Kern hatte.

    Ich denke wen man als Frau eher anführen könnte, wäre Heidi Reichinnek. Die darf sich diesbezüglich einiges anhören.