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Aktivisten vor Gazas KüsteIsrael fängt Gazaflotilla vor Griechenland ab

Israels Militär entert Schiffe von Gaza-Hilfsflotte in internationalen Gewässern. Kontrollen im Gazastreifen werden auf zwei Drittel des Gebiets ausgedehnt.

Die Gaza-Hilfsflotte hätte den Gazastreifen am Wochenende erreichen sollen Foto: Joan Mateu Parra/AP/dpa
Felix Wellisch

Aus Tel Aviv

Felix Wellisch

Israelische Soldaten haben einen Teil einer internationalen Solidaritätsflotte auf dem Weg in den Gazastreifen aufgebracht. Die 58 Schiffe befanden sich nach Angaben von Aktivisten der „Global Sumud Flotilla“ in der Nacht auf Donnerstag westlich der griechischen Insel Kreta in internationalen Gewässern. Israels Außenministerium bestätigte, mehr als zwei Dutzend Boote abgefangen und rund 175 Aktivisten festgenommen zu haben. Gut 30 Boote setzten ihre Fahrt laut GPS-Daten zunächst fort.

Kurz vor dem Zugriff hatte am Mittwoch das israelische Sicherheitskabinett getagt. Hinter der Entscheidung, die Flotte frühzeitig rund 1.000 Kilometer von der Küste des Gazastreifens zu stoppen, dürfte die Erfahrung vom vergangenen September stehen. Damals war eine Flotte mit Hunderten Aktivisten und einer symbolischen Menge an Hilfsgütern bis auf 70 Seemeilen an den von Israel seit 2007 vom Meer abgeriegelten Gazastreifen herangekommen. Dem Boot „Mikeno“ war es gelungen, sich Gaza bis auf wenige Kilometer zu nähern.

Die Flotte hätte den Gazastreifen am Wochenende erreichen sollen. An Bord befanden sich laut den Organisatoren vor dem Zugriff mehrere Hundert Menschen, darunter eine Schwester des irischen Präsidenten. Die Aktivisten warfen Israel die „rechtswidrige Festsetzung von Menschen auf hoher See“ vor und sprachen von „Piraterie“.

„Humanitäre Hilfe zu blockieren und jene anzugreifen, die versuchen, sie zu liefern, sind Verstöße gegen humanitäres Völkerrecht“, sagte Pujarini Sen von Greenpeace an Bord der „Arctic Sunrise“, mit der die Umweltorganisation die Flotte begleitet. Die internationale Gemeinschaft müsse angesichts „des Genozids an den Menschen in Gaza handeln“.

Israel beruft sich auf seine Antiterrorgesetze

Israels Außenminister Israel Katz rechtfertigte das Vorgehen unter Berufung auf israelische Antiterrorgesetze. Demnach sei die Beschlagnahmung von „für ernste terroristische Straftaten vorgesehenes Eigentum“ gestattet, so Katz. Nach der Abfangaktion postete das Außenministerium allerdings zunächst statt etwaigen Waffenfunden Bilder von Kondomen und einem Plastiktütchen, das angeblich Drogen enthalten soll. In der Vergangenheit hatte Israels Regierung mutmaßliche Verbindungen einzelner Organisatoren der Flotilla zur Hamas und der Muslimbruderschaft angeführt, um die gesamte Aktion als „von der Hamas gesteuert“ zu diskreditieren.

Vor dem Zugriff hatte Israel die Aktivisten laut einer veröffentlichten Audioaufnahme per Funk aufgefordert, abzudrehen oder ihre Hilfsgüter im israelischen Hafen Ashdod abzuladen. Die Zustellung von Hilfsgütern sei „durch etablierte und anerkannte Kanäle möglich“, hieß es dort.

Tatsächlich bleibt Israel aber entgegen eigener Angaben der für die Verwaltung der besetzten Palästinensergebiete zuständigen Cogat-Behörde hinter seinen Verpflichtungen gemäß der Waffenruhe von vergangenen Oktober zurück. Seit Oktober wurden mehr als 800 Palästinenser in Gaza von Israels Militär getötet. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen berichten von nicht öffentlichen und sich immer wieder ändernden Listen sogenannter Dual-Use-Güter, die Israels Behörden unter Berufung auf Missbrauch durch die radikalislamische Hamas nicht in den Küstenstreifen lassen.

Zudem verweist Israel mit Blick auf ein vereinbartes Minimum von 600 Hilfslieferungen pro Tag nach Gaza häufig auf Transporte des privaten Sektors. Hilfsorganisationen kritisieren, die Lieferungen privater Händler entsprächen häufig nicht dem humanitären Bedarf. Von 60.000 temporären Wohneinheiten ist bisher keine einzige in Gaza angekommen, wo ein Großteil der rund zwei Millionen Bewohner in Zelten unter unmenschlichen Bedingungen lebt. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen wirft Israel in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht vor, die Wasserversorgung in Gaza systematisch als Druckmittel gegen die Bevölkerung zu verwenden.

Hamas und Israels Armee weiten jeweils Kontrolle aus

Die Hamas weigert sich ihrerseits, ihren Teil der Vereinbarung zu erfüllen und ihre Waffen abzugeben und hat in weiten Teilen des nicht von der israelischen Armee kontrollierten Gebietes wieder die Kontrolle übernommen.

Indes schafft Israels Armee weiter Fakten: An Hilfsorganisationen ausgegebene Karten zeigen eine Ausweitung der israelischen Kontrollzone um rund 11 Prozent. Die bestehende „gelbe Linie“, entlang der Israel bereits mehr als die Hälfte des Gebietes kontrolliert, wird darin um eine neue „orange Linie“ ergänzt, innerhalb der Hilfsorganisationen ihre Bewegungen mit der Armee koordinieren müssen.

Zivilisten sollen davon nicht betroffen sein, doch seit Mitte März wurden zwei Mitarbeiter von der UN-Kinderhilfsorganisation Unicef und einer der Weltgesundheitsorganisation in dieser Zone getötet. Bewohner berichten der Nachrichtenagentur Reuters gegenüber von einem Rückgang von Hilfslieferungen in der orangen Zone.

De facto weitet Israel seine Kontrolle damit auf knapp zwei Drittel des Küstenstreifens aus. Israels rechtsextremer Finanzminister Bezalel Smotrich hat sich wiederholt für eine Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung aus Gaza ausgesprochen.

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9 Kommentare

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  • „Humanitäre Hilfe zu blockieren und jene anzugreifen, die versuchen, sie zu liefern, sind Verstöße gegen humanitäres Völkerrecht“, sagte Pujarini Sen

    Was für eine "Humanitäre Hilfe"? Es steht selbst im Artikel, und auch die Flottenteilnehmer dürften es wissen.

    "...einer symbolischen Menge an Hilfsgütern"

    Es ist schlicht eine Zeit und Geldverschwendung. Lieber die Ressourcen an Rotkreuz spenden. Die leisten viel mehr Hilfe die bei den Bedürftigen ankommt.

    Aber dann kann man sich ja nicht selbst inszenieren um dann nachher Sandwiches von der israelischen Armee zu knuspern und quatsch von Folter zu posten. Allein, wie viele Handys jedes Mal die Meere verschmutzen wenn die Flotte diese wieder ins Meer schmeißt (aber man hat ja aber nichts zu verbergen). Was sagt Sen zu dieser Umweltverschmutzung? Und Greta erst. Tststs

  • Menschlich und Mutig!



    Gegen kein Volk gerichtet!



    Aber eine Militärdoktrin macht



    tausende Kilometer entfernt, die Leinen los!



    Wird untergehn!

  • Wenn der Iran Piraterie betreibt ist das Geschrei groß, wenn Israel Piraterie betreibt muß man froh sein, wenn man überhaupt etwas davon hört. Identischer Sachverhalt, unterschiedliche Reaktionen. Das ist ein typisches Zeichen für Moslemfeindlichkeit.

    • @Alberta Cuon:

      Wo ist denn das Geschrei beim Iran groß?

      Selbst wenn er zivile Schiffe versenkt, sehen die meisten ihn immer noch ausschließlich als Opfer eines völkerrechtswidrigen Krieges.

      Da kann er dann auch andere Länder bombardieren, das ist dann irgendwie ok.

  • Was sollte und soll diese lächerliche Flottillen-Aktion?

    • @ja wirklich?:

      Medienpräsenz.



      Aber ich verstehe nicht, weshalb man die an ihrer Aktion hindert. Einfach Schiffe nach Waffen durchsuchen, wenn keine dabei sind, dann nach Gaza fahren lassen und Hilfsgüter abgeben lassen.



      Wenn alles gut läuft, wiederholen lassen.



      Wenn den Aktivierenden dort was passiert, dann werden automatisch keine Folgeaktionen mehr starten.

      • @Desdur Nahe:

        Zitat aus einem Gutachten des Bundestags zu Seeblockaden: „Um rechtmäßig zu sein, muss eine Blockade ordnungsgemäß bekannt gemacht und effektiv durchgesetzt werden. Insbesondere dürfen keine Unterschiede zwischen Schiffen verschiedener Nationalität gemacht werden. Eine rechtmäßige Blockade bildet insofern eine Ausnahme zur grundsätzlichen Freiheit der Schifffahrt auf hoher See in Friedenszeiten.“

    • @ja wirklich?:

      Provokation würde ich mal sagen.