Agrarhandelskonzern Baywa: Rekordverlust trotz Aufsichtsräten von Bauernverband und CSU
Der Agrarhandelskonzern hat prominente und gut dotierte Aufsichtsräte von Bauernverband und CSU. Dennoch manövrierte er sich in eine schwere Krise.
Der von gut bezahlten Aufsichtsräten wie Bauernverbandschef Joachim Rukwied oder CSU-Politikerin Monika Hohlmeier überwachte Agrarhandelskonzern Baywa hat 2024 rund 1,6 Milliarden Euro Verlust eingefahren. Grund seien Abschreibungen auf Beteiligungen wie die an der Ökoenergie-Tochter Baywa r.e., teilte die für Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung vor allem im Süden und Osten Deutschlands wichtige Holding am Donnerstag mit.
Nicht gefährdet sei aber das Ziel, nach dem Verkauf fast aller Auslandsbeteiligungen bis 2028 wieder ein positives Eigenkapital zu erreichen. Ein auf Pump finanzierter Expansionskurs im Ausland führte die Baywa vor einem Jahr an den Rand der Pleite, nachdem 2022 die Nullzinsphase geendet hatte.
„Bei den astronomischen Summen ist es kaum vorstellbar, dass diese Krise nicht absehbar gewesen sein soll“, sagte Lucia Heigl der taz, stellvertretende Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die kleine und mittlere Höfe vertritt. „Der Aufsichtsrat, in dem auch der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, sitzt, hätte die Zahlen kennen müssen und er hat geschwiegen und schweigt nach wie vor dazu. Wo bleibt die Verantwortung der Aufsichtsratsmitglieder?“
Kritik von Bauern
Die einst als Genossenschaft gegründete BayWa sei ein abschreckendes Beispiel für ein Unternehmen, das zu einem Konzern wächst und dessen Tochterfirmen sich „verzocken“. „Das muss ein Warnsignal sein, für die anstehende Fusion der genossenschaftlichen Molkereien Arla und DMK zur größten europäischen Genossenschaftsmolkerei“, so Heigl. Falls diese Fusion nicht verhindert werde, müsse sichergestellt werden, dass nicht die Bauern das Risiko schlechter Geschäfte tragen.
Rukwied und Hohlmeier erhielten für ihre Mitgliedschaft im Aufsichtsrat laut Vergütungsbericht des Unternehmens 2023 jeweils rund 75.000 Euro. Hohlmeier fiel zuletzt auf durch Kritik an Fördermitteln der EU-Kommission für „Lobbyarbeit“ von Umweltorganisationen. Beide Aufsichtsratsmitglieder ließen Bitten der taz um Stellungnahme bis Redaktionsschluss unbeantwortet.(mit dpa, rtr)
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