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Abschiebungen nach Syrien Syrien ist nicht sicher

Frederik Eikmanns

Kommentar von

Frederik Eikmanns

Ein blutiger Terroranschlag in Damaskus zeigt, wie prekär die Sicherheitslage ist. Die Bundesregierung sollte ihre Abschiebepläne zurückziehen.

M indestens 25 Tote, über 60 Verletzte. Der Terroranschlag des „Islamischen Staates“ (IS) auf eine griechisch-orthodoxe Kirche in Damaskus zeigt, wie prekär die Sicherheitslage in Syrien auch nach dem Ende des Assad-Regimes ist. Die schreckliche Gewalttat wirft aber auch einen langen Schatten nach Deutschland. Genauer: auf die deutsche Bundesregierung und ihren Plan, bald wieder nach Syrien abzuschieben.

Praktisch sofort mit dem Fall von Langzeitdiktator Assad im vergangenen Winter begannen Uni­ons­po­li­ti­ke­r*in­nen laut darüber nachzudenken, ob viele syrische Geflüchtete jetzt nicht in ihr Herkunftsland zurückkehren könnten. Würdeloser und kaltherziger hätte die Reaktion auf eine der wenigen guten Nachrichten des vorigen Jahres kaum ausfallen können.

Auch mögliche Abschiebungen wurden damals schnell Thema; wenige Monate später schafften sie es in den Koalitionsvertrag von Union und SPD: „Nach Afghanistan und Syrien werden wir abschieben – beginnend mit Straftätern und Gefährdern.“

Um zu erkennen, dass es sich dabei um einen unmenschlichen Plan handelt, braucht es den jüngsten Anschlag eigentlich nicht. Schon in den vergangenen Monaten war klar, dass die neue syrische Regierung oft nicht in der Lage ist, massive Gewalt zu verhindern. Es gab Gewalttaten mit Hunderten getöteten Zivilisten in Regionen der Alawiten und Drusen. Der IS, eigentlich auf einige Wüstengebiete zurückgedrängt, hat vermehrt Aktivitäten gezeigt.

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Und es ist ja nicht so, als ob die Bundesregierung all das nicht wüsste. Vergangene Woche zitierte der Spiegel aus einem geheimen Lagebericht des Auswärtigen Amts zur Lage in Syrien. „Extrem volatil“ und „sehr angespannt“ sei die Sicherheitssituation, heißt es laut Spiegel in dem Dokument. Der Zentralstaat habe nicht flächendeckend das Gewaltmonopol.

Wie prekär die Lage überall ist, unterstreicht der Anschlag in Damaskus. Die Bundesregierung sollte daraus nun schleunigst Konsequenzen ziehen und die Abschiebepläne offiziell zurückziehen. Denn Syrien ist nicht sicher. Für niemanden.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Frederik Eikmanns

Frederik Eikmanns

Fachredakteur für Innere Sicherheit und Migration
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6 Kommentare

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  • rero

    Anschläge des Daesh gegen Christen als Argument zu nehmen, um beispielsweise islamistische Gefährder nicht abzuschieben, kann man auch als Instrumentalisierung der Opfer interpretieren.

  • Turban

    Wenn irgendetwas, dann sollte uns dieser Anschlag zeigen, dass Syrien für nicht-muslimische Minderheiten (Christen, Alawiten, Yeziden, Drusen etc.) nicht sicher ist und diese Stand jetzt keine Zukunft haben in einem Land, das von von einer ehemaligen islamistischen Terrororganisation beherrscht wird. Auch wenn nicht staatlich, richtet sich die Gewalt bisher vor allem gegen diese religiösen Minderheiten. Der absolutistische Geltungsanspruch des Islam führt für religiöse Minderheiten leider sehr oft zu Gängelung, Vertreibung und Tod. Religiöse Minderheiten aus Syrien sollten unter keinen Umständen abgeschoben werden.

  • Winnetaz

    Sicher für wen? Die Regierung will ja nicht orthodoxe Christen abschieben, sondern eher IS-affine Gefährder. Bitte differenzieren, nicht pauschalisieren!

    • Leningrad

      @Winnetaz:

      Es war auch nie die Rede davon, syrische Christen egal welcher Konfession, Drusen und Alawiten abzuschieben. Hier wird (wieder einmal) ein Beispiel einer verfolgten (!) Minderheit genommen, um die Aussetzung von Abschiebungen von "Hardcore-Kriminellen" zu begründen. Was soll das? Ich frage mich da wirklich, auf welcher Seite steht denn der Autor?

  • DiMa

    Macht man die Sicherheitslage von Terroranschlägen und rechtsextremistischen Taten abhängig (siehe www.verfassungssch...-fakten_node.html) dann könnte man Syrien für Syrer sicherer halten als Deutschland.

    Ein einziger Abschlag macht den Kohl nicht fett, egal ob in Damaskus oder in Solingen.

  • Aurego

    Ein einziger größerer Terroranschlag sagt, ehrlich gesagt, noch nicht viel über die Sicherheitslage irgendwo aus. So etwas kann fast überall passieren - außer vielleicht in Nordkorea. Wichtiger ist, die Sicherheitslage anhand dessen zu beurteilen, was die dortige Regierung und die Behörden tun.