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34 Seiten über Charakter der AfDCDU-Broschüre sorgt für Aufregung – bei der AfD

Erstaunlich klar bezeichnet die CDU die AfD als demokratieschädlich und völkisch. AfD-Mann Bernd Baumann taucht deshalb wütend in der CDU-Zentrale auf.

Sein Reel bekam deutlich weniger Likes als das der CDU: AfD-Politiker Bernd Baumann hier im Deutschen Bundestag Foto: Filip Singer/epa

Am Mittwoch hat der AfD-Politiker Bernd Baumann die CDU-Zentrale besucht. Weiter als bis zu den Sicherheitskräften am Eingang ging er aber nicht. Die CDU hat daraus ein hübsches Video gemacht, das sich im Netz großer Beliebtheit erfreut. „Die AfD bekommt Panik!“, lautet die Überschrift, was angesichts der aktuellen Umfragewerte allerdings vielleicht doch eher Wunsch als Wahrheit ist.

Wutschnaubend habe Baumann vor der Tür gestanden, erzählt ein Mitarbeiter des CDU-Social-Teams in dem Video. Und das nur, weil man in der CDU-Zentrale vor ein paar Monaten mal das aufgeschrieben habe, was jeder auch online recherchieren könne. Dann hält er eine Broschüre in die Kamera: „Abstieg für Deutschland. Keine Alternative.“ steht da weiß auf schwarz. Und: „Demokratieschädlich. Antisemitisch. Völkisch.“

Auf 34 Seiten listet die Broschüre auf, warum die AfD genau das ist. Neues findet sich nicht dabei, aber für die CDU sind manche Formulierungen bemerkenswert klar. Als Belege führt sie über viele Seiten Zitate verschiedener AfD-Politiker*innen an. „Diese Schweine sind nichts anderes als Marionetten der Siegermächte des 2. WK …“, wird etwa aus einer alten Mail von Alice Weidel zitiert, illustriert mit einem Portrait der Parteichefin. Mit Schweinen war in dem Zitat die damalige Merkel-Regierung gemeint.

Der einflussreiche Bundestagsabgeordnete Sebastian Münzenmaier wird wie folgt zitiert: „Die Losung der Stunde lautet Remigration. Und zwar millionenfache Remigration.“ Der außenpolitische Sprecher Markus Frohnmaier wird wiedergegeben mit: „Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesen Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet!“

Interessant ist auch, was die CDU nicht problematisiert: Antifeminismus, Queer- und Transfeindlichkeit zum Beispiel, wie zuerst die Feministin und Journalistin Teresa Bücker treffend anmerkte: „Dass diese Aspekte fehlen, hat eine eigene ideologische Botschaft“, so Bücker auf Bluesky.

Man kann die Broschüre auf der CDU-Website herunterladen oder gedruckt im Onlineshop der Partei bestellen, ein Karton mit 25 Exemplaren kostet 7 Euro. Aktuell ist sie allerdings vergriffen. „Wieder lieferbar am 11. 06. 2026“, steht da. Die Broschüre gibt es seit Februar, auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart wurde sie erstmals verteilt. Aufgefallen war sie bislang aber kaum jemandem.

NZZ bringt den Stein ins Rollen

Bis die Neue Züricher Zeitung Anfang der Woche einen Text dazu schrieb. Über dem Artikel stand: „‚Die AfD bekennt sich ganz offen dazu, Millionen Staatsbürger deportieren zu wollen‘, behauptet die CDU. Belege dafür bleibt sie schuldig.“ Was Baumann offenbar dazu brachte, in die CDU-Zentrale zu ziehen.

Der Bundesschatzmeister der AfD, Carsten Hütter, hatte danach gegenüber dem Portal T-Online eine Klage in den Raum gestellt – man prüfe juristische Schritte. Andere waren auf taz-Anfrage deutlich defensiver: Aus dem Umfeld des Fraktions- und Bundesvorstandes war zu hören, dass Hütter etwas vorgeprescht sei, mit einer Klage sei eher nicht zu rechnen.

Wenn überhaupt, würde man aber gegen eine Formulierung auf Seite 19 der Broschüre vorgehen, wonach die AfD „auch deutsche Staatsbürger“ deportieren wolle. Juristisch dürfte das ähnlich spitzfindig werden wie die Auseinandersetzungen mit der Recherche-Plattform Correctiv.

Gewohnte Masche

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AfD-Politiker fordern immer wieder „millionenfache Remigration“, geben sich dann aber betont harmlos und erklären, dass sie damit „normale“ Abschiebungen meinen und auch keine deutschen Staatsbürger mit Migrationshintergrund. Nachvollziehbar ausreisepflichtig waren Ende Dezember 2025 aber keine Millionen, sondern nur 232.067 Menschen.

Auch AfD-Mann Baumann hat unterdessen auf Instagram ein Reel gepostet, in dem er im Eingang der CDU-Zentrale die Broschüre aus einem Ständer zieht und die Partei der Lüge bezichtigt. In Sachen Likes blieb es bis Donnerstagnachmittag deutlich hinter dem der CDU zurück.

Hinweis, 26.5.: Auf die Leerstellen im CDU-Papier hat zuerst die Autorin Teresa Bücker auf Bluesky hingewiesen. In einer ersten Version haben wir es versäumt, dies ausreichend zu kennzeichnen. Das haben wir korrigiert, d. Red.

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11 Kommentare

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  • Ein großes Problem ist doch die Akzeptanz anderer Meinungen. Das gilt für Extreme wie rechts und wie links. Das die CDU versucht die Unterschiede herauszuarbeiten ist ein wichtiger Versuch, der schnell viele Unterschiede erkennbar macht. Die AFD steht doch auch für eine oportunistisch auf wirtschaftliche Interessen ausgerichtete Außenpolitik. Menschenrechte werden auf Deutsche verengt, die Ihrer Vorstellung entsprechen. Demokratie bildet ein Meinungsspektrum, da ist schwarz-weiß auch wenn Brandmauer genannt wird ein untauglicher Maßstab der zur Disziplinierung anderer Meinungen eingesetzt wird, wenn die Argumente fehlen. Bei ernsthafter Auseinandersetzung mit Politik kann eigentlich keiner die Meinungen der AFD vertreten.

  • Wer, wenn nicht die AfD soll sich den über diese Handreichung aufregen? Käme ähnliches zur Linkspartei, wäre die Aufregung doch auch dort verortet.

    Problem scheint doch eher, dass die inhaltlichen Argumente bei den CDU-Leuten kaum verfangen dürften, da sie doch auf eher linken Narrativen beruhen, die man in den anzusprechenden Teilen der Bevölkerung (und der CDU) nicht wirklich teilt. Nicht CDU-Mensch und Wähler ist ein Daniel Günther.

  • Es ist mittlerweile nervig, dass mein Vorstellungsvermögen Bilder von AfDlern immer durch Schaftstiefel und Schulterriemen ergänzt.



    Bei dem Hass in den Gesichtern, dem Tonfall und der Wortwahl ist es allerdings kein Wunder.

  • In der Union rennt man doch selbst mit völkischem Gedankengut rum. Nur nicht so offensichtlich wie das bei den Faschisten der Fall ist.



    Merzens Stadtbildgefasel, die "kleinen Paschas", die pösen Ausländer, die den Deutschen die Zahnarzttermine wegnehmen würden. Beispiele gibt's dafür noch mehr.

    Dass Antifeminismus und Queerfeindlichkeit nicht auch auftauchen, spricht Bände. Da sind nämlich die großen Schnittmengen zwischen der Union und der AfD.

  • taz: *Erstaunlich klar bezeichnet die CDU die AfD als demokratieschädlich und völkisch.*

    Und trotzdem schafft die CDU es nicht, endlich mal Druck zu machen, damit ein AfD-Verbotsverfahren zum Bundesverfassungsgericht gelangt. Das ist doch sehr merkwürdig, oder?

    Ein Parteiverbot kann nach Artikel 21 des Grundgesetzes nur vom Bundestag, dem Bundesrat oder der Bundesregierung beantragt werden. Bislang hat keines dieser Verfassungsorgane einen solchen Antrag eingereicht.

    • @Ricky-13:

      Die Gründe dafür liegen doch auf der Hand: die Hürden für ein Parteiverbot sind hoch und bei der AfD zu hoch.

      Wer diese Hürden absenken möchte, nimmt ein späteres Verbot anderer Parteien in Kauf.



      Denn jedes Werkzeug gegen die AfD kann ggf. auch von ihr genutzt werden, sobald einmal Mehrheiten erreicht werden.

  • Was gegen die AfD wirken würde, wäre eine Politik, die die Ungleichheit in Deutschland verringert, die dafür sorgt, dass die Einkommens- und Vermögensunterschiede sich massiv verringern. Die den Menschen Einkommen verschafft mit dem ein Auskommen möglich ist.



    Eine Politik, die auch den Niedriglöhnern eine Teilhabe am Leben ermöglicht, die die Vermögenden entsprechend deren Vermögen an den Gemeinkosten einer Gesellschaft beteiligt. Einer Gesellschaft, die ihnen ihr Vermögen erst ermöglicht hat.



    Eine Politik, die berücksichtigt, dass die kommenden Belastungen auch für die weniger Begüterten zu tragen sind.



    Eine Politik, die Chancengleichheit im Bildungssystem, im Gesundheitswesen, in der Altersversorgung etc. als oberstes Zeil anstrebt.



    Möglichkeiten gäbe es genügend, die da wären z.B. Bedingungsloses Grundeinkommen, Krankenversicherung und Altersversorgung an der sich alle entsprechend ihrer finanziellen Potenz beteiligen, nur als Beispiele genannt. Und sage keiner, es sei nicht genügend Geld vorhanden. Es müsste nur anders verteilt werden.



    Es fehlt zumindest der politische Wille, oder schlimmer noch, das Bewusstsein dafür.

    • @Karl Theurer:

      Ich stimme ihnen im Grunde zu.

      Aber ich denke nicht, dass das der Grund für viele ist die AfD zu wählen.



      Oder es wäre schon erschreckend. Denn die AfD steht eher für das Gegenteil. Die Umverteilung von unten nach oben würde unter der AfD noch extrem zunehmen.

    • @Karl Theurer:

      Lieber Karl Theurer,



      danke für deine Argumente, die ich voll und ganz teilen möchte! Es wäre so einfach! Alles Gute! Helmut

  • In dieser Broschüre wird altes Gras zum zigsten Male wiedergekäut.



    Es wirkte nicht, wirkt nicht und wird nicht wirken.



    Wen interessiert das noch. Was der CDU fehlt, ist ein glaubhaftes, realitätsbezogenes und zukunftsweisendes "Wofür". Wogegen haben wir ermüdend oft und immer ideenloser seit Zeiten gehört.

    • @Trabantus:

      Vor allem fehlt der CDU das Personal, das bereit wäre, die von Ihnen genannten Anforderungen anzugehen.