Kritik an Reiches Heizungsplänen: Grüngasquote macht Heizen teurer, warnen Verbände
Öl- und Gasheizungen sollen zunehmend mit Biobrennstoffen betrieben werden. Das sei zu teuer und ein Irrweg, sagen Umwelt- und Verbraucherverbände.
Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa
Umwelt- und Verbraucherverbände fordern, dass die Bundesregierung die ab 2028 vorgesehene Biobrennstoffquote für Heizungen zurücknimmt und stattdessen den Ausstieg aus der fossilen Wärmeversorgung voranbringt. Die sogenannte Grüngasquote sei eine „Scheinlösung“ und kein wirksames Instrument gegen die Klimakrise, heißt es in einer Erklärung von zehn Verbänden, darunter Greenpeace, der Bund für Umwelt und Naturschutz, der Deutsche Mieterbund und der Verbraucherzentrale Bundesverband. Nach Auffassung der Verbände bringt die Regierung den Austausch fossiler Heizungen so nicht voran. Vielmehr drohe, dass deren Betrieb verlängert und Verbraucher:innen durch hohe Heizkosten belastet werden.
Hintergrund: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will, dass fossile Heizungen ab 2028 mit einer schrittweise zunehmenden Quote von grünen Gasen wie Biomethan oder mit Bioöl betrieben werden. So sollen die Klimaziele erreichbar bleiben, obwohl es kein Datum mehr für das Aus von Gas- und Ölheizungen gibt. Das ist Teil des Gebäudemodernisierungsgesetzes, mit dem die schwarz-rote Bundesregierung die Heizungsreform der Ampel entkernt hat. Händler sollen verpflichtet werden, nur Brennstoffe mit der geforderten Beimischung zu verkaufen. Die Quote soll 2028 zunächst 1 Prozent betragen und bis 2045 auf 100 Prozent steigen. Kritiker:innen bemängeln, dass nicht genug Biobrennstoffe verfügbar und diese sehr teuer sind.
„Die Grüngasquote droht zu erheblichen zusätzlichen Heizkosten für private Haushalte zu führen“, warnen die Verbände. Tarife mit einem Anteil von mindestens 10 Prozent Biomethan seien schon heute im Schnitt 25 Prozent teurer als herkömmliche.
Nach Reiches Plänen soll die Grüngasquote nur für Privathaushalte gelten, nicht für die Industrie oder den Verkehr. Die Bundesregierung plane, dass Händler „ihre Verpflichtungen aus der Grüngasquote auch durch die Lieferung von erneuerbarem und kohlenstoffarmem Wasserstoff an Industrieunternehmen erfüllen können“, so die Verbände. Das lehnen sie als „Quersubventionierung von Wasserstoff in der Industrie durch Privathaushalte“ entschieden ab. Der Hochlauf von Wasserstoff sei nötig, aber dafür müsse es eigene Finanzierungsinstrumente geben.
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
meistkommentiert