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Warnung vor Hamas-Angriff Kam Sinwars Drohung nicht an?

Daniel Bax

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Daniel Bax

Israels Ministerpräsident Netanjahu soll vor dem Terrorangriff des 7. Oktober gewarnt worden sein – das aber für sich behalten haben. Stimmt das, ist er als Regierungschef untragbar.

G erüchte gab es schon lange, aber sie wurden stets als Verschwörungstheorien abgetan. Wusste Israels Premierminister Benjamin Netanjahu, dass die Hamas einen Angriff auf Israel plante? Das besagt eine Recherche der linksliberalen Zeitung Ha’aretz, die in Israel große Wellen schlägt. Bis heute hat dort kein offizieller Untersuchungsausschuss geklärt, warum Israels Geheimdienste und die Armee das Massaker vom 7. Oktober 2023 nicht verhindern konnten. Netanjahu hat eine unabhängige Untersuchung stets sabotiert.

Bekannt ist, dass er die Hamas über Jahre hinweg mit Millionenzahlungen aus Katar stärken ließ, wohl um eine Zweistaatenlösung zu verhindern. Neu ist, dass seine Regierung und die Hamas vor dem 7. Oktober über Monate miteinander verhandelt haben sollen. Und dass Scheich Mohamed bin Zayed, Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, ihn kurz vor dem Angriff gewarnt haben soll: Hamas-Chef Jahia Sinwar drohe Israel mit einem „Erdbeben“, weil die Verhandlungen stockten. Netanjahu soll seine Geheimdienste und die Armee aber nicht über diese Warnung informiert haben.

Hat Netanjahu die Gefahr unterschätzt? Oder hat er einen Angriff der Hamas bewusst in Kauf genommen in der Hoffnung, mit einer überschaubaren Eskalation von seiner Korruptionsaffäre ablenken und die monatelangen Proteste gegen seine „Justizreform“ abwürgen zu können, wie manche spekulieren? So oder so wäre er als Regierungschef untragbar. Wie die Ha’aretz zudem berichtet, sei er unmittelbar nach dem 7. Oktober auf das Angebot der Hamas, alle zivilen Geiseln ohne Gegenleistung freizulassen, nicht eingegangen. Mit anderen Worten: Er habe die Geiseln geopfert, um die Flucht nach vorn anzutreten und sich in endlose Kriege zu stürzen.

In Israel trauen viele Netanjahu inzwischen alles zu, auch wenn er alles dementiert. Aber es gibt immer noch westliche Staatschefs, die Netanjahus Zynismus unterschätzen. Bundeskanzler Friedrich Merz gehört dazu. Seine Naivität ist bestürzend. Am Donnerstag ist Scheich Mohamed bin Zayed in Berlin zu Gast. Der kann Merz dann aus erster Hand berichten.

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Daniel Bax

Daniel Bax Redakteur

Daniel Bax ist Journalist und Autor und schreibt über Politik, Kultur und Gesellschaft in Deutschland. Er arbeitet als Themenchef im Regieressort der taz und hat mehrere Bücher veröffentlicht: “Angst ums Abendland” (2015) über antimuslimischen Rassismus und “Die Volksverführer“ (2018) über den grassierenden Rechtspopulismus. Sein aktuelles Buch "Die neue Lust auf Links" über das Comeback der Linkspartei ist Ende 2025 im Goldmann Verlag erschienen. Impressum: Daniel Bax c/o taz, die tageszeitung. taz Verlags- und Vertriebs GmbH, Friedrichstr. 21, 10969 Berlin
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