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Bedrohte Gemeinnützigkeit des VVN-BdA Einfach nur absurd

Timm Kühn

Kommentar von

Timm Kühn

Dass die Gemeinnützigkeit der Er­b:in­nen der Naziverfolgten auf der Kippe steht, ist ein Skandal. Und ein Erfolg einer rechten Kampagne.

M an hätte es auch für eine rechte Fake News halten können. Kurz nach den Antifa-Blockaden des AfD-Parteitags in Erfurt veröffentlichte Springers Welt einen Artikel mit einer brisanten Nachricht: Das Berliner Finanzamt würde die Gemeinnützigkeit des VVN-BdA prüfen, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist:innen. Doch der Artikel bezog sich auf eine anonyme Quelle, auf Nachfragen mauerte die Behörde. Auch der VVN-BdA tappte im Dunkeln, was es mit dem Artikel auf sich haben könnte.

Nun hat es die älteste antifaschistische Organisation der Bundesrepublik schwarz auf weiß: Die Gemeinnützigkeit des Vereins steht tatsächlich wieder auf der Kippe – und damit die Zukunft des VVN-BdA selbst, der vielerorts Bildungsarbeit betreibt und Stolpersteine verlegt. Es ist ein Skandal mit vielen Facetten:

Da ist der Fakt, dass die ganze Causa von rechten Szenemedien losgetreten wurde, die offensichtlich dem VVN-BdA schaden wollen. Da ist, dass diese Kampagne offenbar von der Berliner Finanzverwaltung unter der Führung eines CDU-Politikers aufgegriffen wurde, der nächster Regierender Bürgermeister in der Hauptstadt werden will: Stefan Evers. Und dann ist da die Begründung des Finanzamts, bei der sich einem die Haare sträuben.

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Denn das Finanzamt wirft dem VVN-BdA eine „unzulässige politische Betätigung“ vor, weil der Verein zum Beispiel für ein AfD-Verbot eintritt. Man muss das zweimal lesen, um die Tragweite dieses Satzes zu verstehen: Dem Verein, der das Erbe der Naziverfolgten verwaltet, wird vorgeworfen, sich gegen eine rechtsextremistische Partei zu engagieren, die von faschistischen Fantasien durchsetzt ist.

Das ist an Absurdität nicht zu überbieten: Nein, es ist keine Voraussetzung für die Gemeinnützigkeit, dem Faschismus neutral gegenüberzustehen. Im Gegenteil: Gemeinnützigkeit bedeutet, die Demokratie zu verteidigen – und das geht nur antifaschistisch.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Timm Kühn

Timm Kühn Redakteur

Timm Kühn ist Redakteur für soziale Bewegungen im Inland und in Berlin. Für die taz schreibt er seit 2021 über Klima, Kapitalismus und kleine Risse im großen Ganzen. Hat auch mal Politische Theorie studiert.
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8 Kommentare

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  • Frauke Z

    Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr Menschen nicht verstehen wollen, was ihnen nicht passt. Auch wenn die Sache ganz einfach ist.



    Unterstützung oder Gegnerschaft zu einer Partei - im Gegensatz zu einzelnen politischen Maßnahmen - ist Politik, und die ist nicht gemeinnützig.



    Wäre es anders, könnte auch ein AfD-Unterstützerverein, der unabhängig von der Partei Werbung für sie macht, steuerlich gefördert werden.



    Eigentlich nicht schwer, sich solche Gedanken zu machen. Nur unangenehm.

  • JMarius

    Auch wenn vielen (mir eingeschlossen) die AfD nicht gefällt, ist es nach deutschem Steuerrecht gemeinnützigen Organisationen untersagt, politische Zwecke zu verfolgen bzw. sich am Parteienwettbewerb zu beteiligen. Dass dies aufgrund der Betätigung des VVN-BdA getan wird, ist auf Grundlage des deutschen Gesetzes mehr als nachvollziehbar.

  • Janix

    Es gab mal eine Zeit, wo kommunistische Überlebende mit Unterstützung aus Berlin-Ost die Rolle des kommunistischen Widerstands wohl überbetonten und sich auch mal einspannen ließen. Das ist schon eine Weile her - und mensch muss zugestehen, dass die Kommunisten als Widerständler mit als erste in den Kellern und Kls landeten. Wie, dass Altnazis allzu rasch wieder ins gemachte Nest krabbeln konnten.

    Dass die Ideologie der krassen Ungleichheit der AfD benannt wird, ihre Verharmlosung der 12 Jahre: Wenn's der Vereinigung erschwert wird, dann benennen wir es halt.

  • Offebacher

    Es kommt wohl auf die Art der Mittel an, mit der die AfD bekämpft wird.

  • Desdur Nahe

    "Nein, es ist keine Voraussetzung für die Gemeinnützigkeit, dem Faschismus neutral gegenüberzustehen."



    Aber es ist eine Voraussetzung, den Parteien neutral gegenüberzustehen. Ja, auch der (noch?) nicht verbotenen AfD.



    Der Kampf gegen den Faschismus ist nicht identisch mit einem Kampf gegen die AfD.



    Gemeinnützigkeit bedeutet, der Allgemeinheit zu nützen. Beim Kampf gegen den Faschismus dürfte es kaum Gegenstimmen geben. Ein AfD-Verbot hingegen unterstützen nur 27% (Allensbach ) bis 48% (Ipsos ). Da stehen die also sogar "gegen" die Allgemeinheit.



    Dennoch kann man natürlich gegen die AfD arbeiten, aber dann halt ohne das Siegel der Gemeinnützigkeit.



    Und bevor man die Legitimierung des Verfassungsschutzes anführt:



    Vor ein paar Jahren sollte der VVN-BdA schon mal die Gemeinnützigkeit entzogen werden. Grundlage: Der bayerische Verfassungsschutz hat die VVN-BdA als „linksextremistisch beeinflusste Organisation“ eingestuft. Riesiger Aufschrei damals mit ähnlichen Argumenten, die heute von AfDlern zum Thema Verfassungschutz vorgebracht werden.

  • Flix

    Es folgt dem bekannten Muster. Erst Skandalisierung durch rechte Hetzer, die Union springt drauf an und dann werden Mittel gekürzt oder die Gemeinnützigkeit in Frage gestellt.



    Dass der Kampf gegen den Faschismus Staatsräson und damit besonders förderungswürdig sein sollte wird dabei gerne unter den Teppich gekehrt.



    Auf der anderen Seite, irgendwo muss das Geld, mit dem die Faschos der AfD alimentiert werden, ja eingespart werden…

  • uwe

    Wenn alles konform ist beim Verein, dann sollte eine Prüfung nicht stören. Also bitte keine künstliche Aufregung.

    • fourorty

      @uwe:

      Es geht darum, dass wieder einmal rechte Kampagnen zu ernst genommen werden.