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Siedlergewalt im WestjordanlandDie Belagerung geht weiter

Die Odyssee dreier palästinensischer Familien im Dorf Qusra geht weiter. Am Donnerstag evakuierte das israelische Militär mehrere Familien – statt der Siedler.

Serena Bilanceri

Aus Jerusalem und Qusra

Serena Bilanceri

Seit sechs Tagen belagern radikale Siedler den Wohnkomplex mehrerer palästinensischer Familien außerhalb des Dorfes Qusra im Westjordanland. Als die taz am Mittwoch vor Ort war, hockte gut ein Dutzend junger israelischer Männer noch vor den Häusern. Sie trieben sogar ihre Schafe vor die Hausmauern der palästinensischen Familie.

Israelische Streitkräfte, die einen Räumungsbefehl erteilt hatten und wenige Stunden zuvor mit den Siedlern aneinandergeraten waren, kamen in Militärfahrzeugen an, sprachen mit den Männern in Hoodies und Kippot – und zogen dann ab. Wir Jour­na­lis­t:in­nen wurden von den Streitkräften abgewiesen, während sich wenige hundert Meter weiter Siedler frei bewegten.

Am Donnerstag meldeten dann mehrere Ein­woh­ne­r:in­nen des 5.500-Seelen-Dorfes, das israelische Militär habe ihre Häuser beschlagnahmt und sie vertrieben. Laut dem Militär diente das dazu, militärische Operationen für die Evakuierung der Siedler in der Gegend vorzubereiten. In der Nacht zogen die Militärs aber wieder ab, um sich offenbar in unbewohnten Gebäuden einzuquartieren.

Angst vor Besetzung der Häuser durch israelische Siedler

Auch die drei belagerten Familien wurden gemeinsam in ein Haus gebracht. Sie weigern sich aber, den Komplex zu verlassen. Die Angst vor einer Besetzung ihrer Häuser durch die Israelis ist zu groß. Als die An­woh­ne­r:in­nen schließlich in eines der Häuser zurückkehren konnten, beklagten sie, das Militär habe die Aufzeichnungen einer Sicherheitskamera unerlaubt gelöscht. Andere Familien im Dorf berichteten, Möbel seien beschädigt worden, in einem Fall Geld entwendet und Seiten aus einem Koran herausgerissen.

Das Militär beantwortete eine aktuelle Anfrage der taz zu den Vorfällen nicht, schrieb aber auf X, zwei illegale Außenposten in Qusra und Jalud geräumt sowie einen Israeli festgenommen zu haben. Allerdings waren die Siedler am Freitag wieder da. Die Sol­da­t:in­nen bauten deren Zelt wieder ab, doch die religiös-radikalen Männer hielten sich laut jüngsten Berichten noch immer in der Gegend um die Häuser auf.

Nahost-Konflikt

Nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 startete das israelische Militär eine Offensive in Gaza, 2024 folgte der Vorstoß gegen die Hisbollah im Libanon. Der Konflikt um die Region Palästina begann Anfang des 20. Jahrhunderts.

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Frankreichs Regierung interveniert

Die französische Regierung hat sich derweil eingeschaltet und die Festnahme aller Involvierten gefordert. Israels Verteidigungsminister Israel Katz möchte hingegen dem Militär die Befugnisse über Israelis im Westjordanland entziehen und sie der israelischen Polizei übertragen.

Katz war kürzlich in eine Kontroverse geraten, als er vor laufender Kamera ankündigte, den Militärchef im Westjordanland Avi Bluth ablösen zu wollen. Hintergrund war ein Streit zwischen dem Minister und dem Generalmajor um den Haftbefehl von einem Siedler, der besonders brutaler Gewalt gegenüber einem Palästinenser beschuldigt wird. Katz wollte den Haftbefehl aufheben.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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9 Kommentare

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  • Hartmut Wolff

    Da ist nichts beizutragen. Der Bericht spricht für sich.

  • Janix

    Das Militär ist kein neutraler Rechtswahrer im besatzten Land, es ist häufig der slightly nicer guy, der bei der brutalen Vertreibung zuschaut oder gar bei ihr mitwirkt. Gerade der Landraub läuft häufig über die IDF, die angeblich die Fläche braucht und kurz danach steht da eine israelische Siedlung.



    Wie in Marokko, Ukraine, etc: Besatzung muss aufhören - das ist eine wichtige Etappe auf dem Weg zum Frieden.

  • Kay Brockmann

    Ich verstehe ja, was gemeint ist. Empörend, dass statt der Siedler die Einwohner vertrieben werden.



    Nur evakuiert (entleert) werden sie hoffentlich nicht. Evakuiert werden nur Orte niemals Menschen!

    • Systemknecht

      @Kay Brockmann:

      Das sieht der Duden anders. Es ist nicht elegant, aber korrekt.

  • Josef 123

    Diese Siedler machen doch nichts anderes als Putin in der Ukraine: Land in Besitz nehmen wollen, in dem sie absolut nichts verloren haben. Warum wird der eine bekämpft und die anderen lässt man gewähren? Und warum Frankreich alleine? Wo ist Merz? Wo ist von der Leyen? Wo bleiben die Sanktionen?

    • Pawelko

      @Josef 123:

      Es ist was anderes.

      Für 2025 dokumentiert die UN beispielsweise, dass 17 Israelis im Westjordanland durch Palästinenser getötet wurden und zusätzlich wurden 3 Israelis innerhalb Israels durch Angriffe von Palästinensern aus dem Westjordanland getötet.



      Im September 2025 wurde beispielsweise eine improvisierte Rakete aus dem Raum Ramallah/Na'ama abgefeuert. Gleichzeitig wurden mehrere weitere selbstgebaute Raketen und Produktionsstätten entdeckt.

      Es gab zahlreiche vereitelte und tatsächlich ausgeführte Anschläge. Im November 2025 wurde beispielsweise ein Anschlag bei Bethlehem mit einem Fahrzeug und anschließendem Messerangriff verübt ein Israeli wurde getötet, drei weitere verletzt.

      Und jetzt ukrainische Angriffe auf Russland vor der russischen Invasion?!

      Ich will die Siedlergewalt nicht kleinreden, aber Ihr Kommentar hinkt.

      Das Problem ist, dass Deutsche Medien nicht über diese Anschläge berichten. So entsteht der Eindruck einer einseitigen Aggression.

      • Residente

        @Pawelko:

        III. "Und jetzt ukrainische Angriffe auf Russland vor der russischen Invasion?!"



        Wieso vor der Invasion? Alles was Sie in der Westbank beschreiben passierte lange nach der Invasion '67 und nach jahrzehntelanger krimineller Besatzung.

      • Josef 123

        @Pawelko:

        Wollen Sie die aktuellen Aussagen von Ben Gvir auch relativieren? Sind da auch wieder die Medien schuld?

      • EffeJoSiebenZwo

        @Pawelko:

        ‚ Das Problem ist, dass Deutsche Medien nicht über diese Anschläge berichten. So entsteht der Eindruck einer einseitigen Aggression.‘

        Okay. Was sind dann Ihre Quellen, bitte?