Rekordschäden an den Fahrbahnen: Hitzewelle ramponiert Autobahnen
Die deutschen Fahrbahnen kommen mit der Klimakrise nicht klar: 42 Abschnitte wurden im ersten Halbjahr durch Hitze beschädigt. Das sind 32 mehr als im Rekordjahr 2019.
Die Hitzewelle im Juni hat die deutschen Autobahnen an mehr Stellen beschädigt als je zuvor in einer ersten Jahreshälfte. In den ersten 6 Monaten des Jahres kam es zu Hitzeschäden an 42 Autobahnabschnitten. Das sind 32 mehr als im vorherigen Rekordjahr 2019. Von 2020 bis 2024 wurde in der ersten Jahreshälfte sogar kein einziger Hitzeschaden an Autobahnabschnitten erfasst. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Swantje Michaelsen hervor, die der taz vorliegt.
Hitze sorgt auf Autobahnen durch sogenannte Blow-ups für Aufwölbungen und Abbruchstellen im Beton. „Ausgerechnet der Verkehrssektor, der erheblich zur Klimakrise beiträgt, wird nun selbst von ihren Folgen eingeholt“, sagte Michaelsen der taz. Die Hitzewelle sei „kein Ausreißer, sondern ein unübersehbares Warnsignal einer eskalierenden Klimakrise“. Der Alltag werde unsicherer, die Lebensgrundlagen gerieten zunehmend in Gefahr.
„Die Klimakrise ist keine Zukunftsfrage mehr, sondern bittere Gegenwart“, sagte Michaelsen. Trotzdem halte die Bundesregierung „unbeirrt an einer Politik fest, die den Ausstoß von Treibhausgasen weiter befeuert“, kritisierte Michaelsen.
Der Verkehrssektor ist für etwa ein Fünftel des deutschen CO2-Ausstoßes verantwortlich. Im Gegensatz zu Energie und Industrie stiegen seine Emissionen zuletzt sogar – 2025 um 1,4 Prozent, weil der Autoverkehr zunahm.
CSU: Von Hitzeschäden „wissen wir seit Jahren“
Die Grünen forderten am Donnerstag im Bundestag deshalb, ein Tempolimit einzuführen, das EU-weite Verbot für neue Verbrenner ab 2035 beizubehalten, den Bahnverkehr besser zu finanzieren und den öffentlichen Nahverkehr zu stärken – ein Antrag, den die Regierungsfraktionen Union und SPD ablehnten. Sie üben seit Monaten Druck auf die EU-Kommission aus, das Verbrennerverbot abzuschaffen.
„Wenn wir das Tempolimit heute beschließen würden, würden die nächsten Hitzewellen nicht sofort aufhören“, sagte die SPD-Abgeordnete Isabel Cademartori während der Debatte im Bundestag. Sie halte eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen zwar für sinnvoll, im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD sei das aber nicht verankert und deswegen stimme die SPD gegen den Grünen-Antrag. Sie freue sich aber über die Debatte: „Warum reagieren wir auf die Hitze nicht mit der gleichen Entschlossenheit wie auf andere Krisen?“, fragte die Abgeordnete einer der beiden Regierungsfraktionen.
Der CSU-Abgeordnete Jonas Geissler sagte, Geschwindigkeitsbegrenzungen an Unfallschwerpunkten und aufgrund des Wetters seien sinnvoll, „aber wir müssen den Menschen zutrauen, dass sie in Eigenverantwortung handeln“. Das Klimaschutz-Argument für ein Tempolimit sei zudem hinfällig, wenn alle Autos mit E-Antrieben oder eFuels betrieben werden. „Für diese 10, 20 Jahre den Leuten die Freude am Fahren zu vermiesen, ist eine alte Kamelle und pure Ideologie.“
„Dass es Hitzeschäden auf Autobahnen gibt, wissen wir schon seit Jahren“, beschwichtigte Geissler zudem, trotz der diesjährigen Rekordschäden an Autobahnen. Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) gab aber gegenüber der Deutschen Presse-Agentur dpa zu, dass die Erderhitzung für die Infrastruktur Deutschlands zunehmend zum Problem wird. „Hitzephasen, ebenso Niederschläge, also alles, was mit Klima und Wetter zu tun hat, wird extremer werden“, sagte er. „Die Arbeiten dort sind im Gange, um resilienter zu werden.“
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