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Biologin über Klimaanpassung„Ein kleiner Leuchtturm der Hoffnung“

Dem schwimmenden Garten gehört die Zukunft, sagt die Biologin Mona Hegmann: als Nahrungslieferant, Lebensraum für Tiere und Weg zu einem neuen „Wir“.

Interview von

Berenike Oldenburg

taz: Sind wir in Deutschland einer Hungersnot näher, als wir denken, Frau Hegmann?

Mona Hegmann: Ja, es kann tatsächlich zu Versorgungsengpässen kommen. Wir nutzen noch viel künstlichen Phosphatdünger, der nun mal endlich ist. Unsere Böden werden immer mehr ausgelaugt und Extremwetterereignisse steigen.

taz: Welche Möglichkeiten gibt es, unsere Nahrungsversorgung in einer Zukunft, die von Klimakatastrophen geprägt sein wird, zu sichern?

Im Interview: Mona Hegmann

33 Jahre alt, studierte Biologin, Gründerin & Vorsitzende von Ackerperlen e.v., wohnt in Hamburg.

Hegmann: Man muss mitgehen mit dem, was die Natur einem vorgibt. Das heißt Anpassungen, beispielsweise an den steigenden Meeresspiegel. Eine Möglichkeit dafür sind eben sogenannte schwimmende Gärten. Eine andere Möglichkeit ist, dass wir versuchen, unsere Böden maximal zu schützen, indem wir im Kreislauf wirtschaften und nicht mehr Ressourcen entnehmen, als wir wieder zurückgeben können.

taz: Was genau sind schwimmende Gärten?

Hegmann: Das sind Plattformen auf dem Wasser, wobei traditionell Pflanzenteile in einem Gittermuster übereinander geschichtet werden. Diese bilden dann das Substrat, in denen Gemüsepflanzen angebaut werden. Diese schwimmenden Gärten kann man beliebig bepflanzen und dort ernten. Das zeigt, dass wir mehr Raum, nämlich auch auf dem Wasser, erschließen können, als wir denken, um Lebensmittel anzubauen.

taz: Unter anderem in Bangladesch setzen viele Bauern schon auf schwimmende Gärten. Sie sind auch Zuhause für Tiere und schützen vor Überschwemmungen. Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es in Deutschland?

Hegmann: Man kann auch hier gleichzeitig Wohnraum für Tiere und Pflanzen sowie Nahrungsanbau für Menschen bieten. Konkret gibt es beispielsweise schon schwimmende Plattformen an der Elbe, die als Nistmöglichkeiten für Vögel dienen. Das könnte man dann natürlich auch ausweiten. Auch Wohnraum für Menschen, der ja immer knapper wird, könnte man irgendwann schwimmend kreieren. Natürlich dann nicht in Form von Wasserpflanzen, sondern von Flößen. Wenn nicht jeder einen eigenen schwimmenden Garten besitzt, sondern man gemeinsame Gärten anlegt, können sie außerdem zu einer richtigen Community beitragen.

Workshop „Schwimmender Garten der Zukunft“ beim „Klimaströme“ Festival, 13. bis 17.7., täglich von 10 bis 15 Uhr, für 8–14-Jährige, Honigfabrik (Industriestraße 125-131, 21107 Hamburg).

taz: Im Zuge des Klimaströme-Festivals bieten Sie den Workshop „Der schwimmende Garten der Zukunft“ an. Worum geht es da genau?

Hegmann: Die Themen sind die Extremwetterereignisse und der Klimawandel, welche uns durch den Workshop begleiten. Grundsätzlich bieten wir die Möglichkeit, sich miteinander zu verbinden und gestärkt in die Zukunft zu gehen. Gemeinsam an irgendetwas arbeiten, gemeinsam kochen, gemeinsam Ideen finden. Daneben wollen wir Handlungsmöglichkeiten bieten und zeigen, wie man gärtnert und Lebensmittel herstellt. Wir zeigen Lebewesen, die dafür zuständig sind, dass wir Lebensmittel haltbar machen können. Die Kinder gucken sich vielleicht ein bisschen was von ihnen ab und lernen Respekt und Demut für das, was uns noch an nichtmenschlichem Leben umgibt. Wir wollen Neugier wecken, Kinder motivieren und inspirieren.

taz: Sehen Sie Projekte wie „Der schwimmende Garten der Zukunft“ auch als Lichtblicke für all diejenigen, die bei dem Gedanken an den Klimawandel am liebsten nur noch den Kopf in den Sand stecken würden?

Hegmann: Ja, das ganze Festival Klimaströme ist wie ein kleiner Leuchtturm der Hoffnung. Gerade für Kinder ist es so wichtig, ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen. Vielleicht ist unter ihnen die nächste Person mit der zündenden Idee für den Klimaschutz. Mit den Ent­de­cke­r:in­nen von morgen zusammenzuarbeiten, ist auch ein großer Antrieb für uns.

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7 Kommentare

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  • Irgendwie, mit Verlaub, ein blauäugiges Nischenprodukt.

    Auch in einem schwimmenden Garten wird Phosphor benötigt (mal abgesehen davon, dass es kaum ein Weizenfeld ersetzen kann). Der Bodensee auf dem Bild ist deshalb so klar, weil er (wieder) sehr arm an Phosphor ist.

    Und die Idee, jetzt auch noch die Wasseroberflächen durch Behausungen für den Menschen abzudecken, ist a) nicht gut für die Gewässer und b) dürfte in D schnell an ihre Grenzen stossen. In den Niederlanden gibt es längst Hausbootsiedlungen, was aber auch dort eher ein Nischenprodukt ist.

  • "Unsere Böden werden immer mehr ausgelaugt und Extremwetterereignisse steigen."



    Vielleicht könnte die Verlagerung auf das Wasser auch helfen, den Holzeinschlag und die Vernichtung von Waldflächen zu verhindern, insbesondere auch in Deutschland.



    "Der Baumbestand in Deutschland schrumpft. In der Zeit zwischen Herbst 2017 und Herbst 2024 gingen mehr als 900.000 Hektar Wald verloren - das hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) anhand von Satellitendaten ausgewertet. Das sind rund 8,5 Prozent der deutschen Waldfläche. Nach Angaben des DLR haben sich die Verluste seit 2021 fast verdoppelt."



    Bei tagesschau.de



    Wal und Wald machen Klima, aber nur bei ausreichend Wasser und Schonung.



    Entwaldete Flächen generieren Hochdruckgebiete, die Tiefdruckgebiete als Regenspender abhalten.



    Letztere entstehen über Wäldern.

  • Ja, auch Menschen hier bei uns im Norden brauchen Inseln der Hoffnung, aber keine Ablenkung von den wirklichen Problemen. Treffen wir uns diesen Sommer wieder alle im Urlaubsflieger oder verabschieden wir uns endlich von dem Glauben, Weltrettung und Karriere wären gleichzeitig möglich?

  • Ich möchte hier unten im Süd-Westen Deutschland auch einen schwimmenden Garten als Pilotprojekt starten und bin bezüglich eines Gewässers mit der Gemeinde im Gespräch. Die Rheinebene beherbergt das größte Grundwasserreservoir Europas. Beste Bedingungen also.



    Zur Zeit vertrocknen hier Maisfelder, Gärten, einzelne Bäume… Der Schotteruntergrund der Rheinebene und der Eiszeit ist für derartige Bedingungen ungünstig. Bereiche mit tiefgründigen Böden, die es hier auch gibt, trotzen der Trockenheit - noch!



    Weiter südlich bewässern immer noch Landwirte ihre Maisfelder mit diesem Grundwasser, auch in der prallen Mittagssonne. Soetwas gehört verboten.

  • Das sind ja grundsätzlich gute Ideen, allerdings angesichts allgemeiner zunehmender Wasserknappheit und damit sinkender Wasserspiegel in Flüssen und Seen in Europa für uns kaum zielführend. Es gibt mit Sicherheit auch Ideen, die in unserem Breitengraden unter Berücksichtigung des Klimawandels helfen, was ist z.b. mit Microfarming?

    • @Axel Schäfer:

      Dies ist eine gute Idee für die Norddeutsche Tiefebene, wo die tief liegenden Gebuete in den nächsten Jahrzehnten überschwemmt werden. Es gibt auch andere Konzepte wie Baumfelder, Tröpfchenbewässerung (wird schon viel gemacht), Anbau trockenresistenter Arten etc.

      • @elblette:

        Wenn das eintritt dann wohl eher wenn Salzwasser ins Binnenland fliesst, aus Rhein, Weser und Elbe ist ja wenig zu erwarten.



        Auf der östlichen Seite Richtung Berlin Brandenburg dürfte ja auch eine Rolle spielen, was da künftig aus den stillgelegten Tagebauen noch in die Flüsse gepumpt wird.