+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: G7 und Trump zeigen sich einig gegenüber Russland
Der G7-Gipfel und Selenskyj wollen Druck auf Putin erhöhen. Trump: „Russland sollte ein Abkommen schließen“. Die Ukraine attakiert Russlands Öilindustrie.
Türkischer Außenminister in Moskau besorgt über „Eskalation im Ukraine-Krieg“
Der türkische Außenminister Hakan Fidan hat sich bei einem Besuch in Moskau besorgt gezeigt über „die jüngste Eskalation im Ukraine-Krieg“. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow sprach Fidan am Dienstag zudem von einer Gefahr der „geografischen Ausweitung“ des Konflikts. Dies gebe Anlass zu „ernster Sorge“, fügte er hinzu. Insbesondere die zunehmende Zahl von Angriffen auf Ziele hinter der Front und Angriffe, die die Sicherheit der Schifffahrt im Schwarzen Meer bedrohen, hätten „Auswirkungen, die die Interessen Dritter beeinträchtigen“, sagte Fidan. Die Türkei grenzt wie Russland und die Ukraine an das Schwarze Meer. Fidan fügte hinzu, „bestimmte deeskalierende Maßnahmen“ seien notwendig. Ankara unterhält gute Beziehungen sowohl zu Moskau als auch zu Kiew. (afp)
Trump will Ölsanktionen gegen Russland „bald“ wieder in Kraft setzen
Sie nutzen Google? Sie wollen beim Googeln taz-Texte besser finden? Dann können Sie mit einem Google-Konto die neue Funktion „bevorzugte Quellen“ nutzen. Um die taz als „bevorzugte Quelle“ einzustellen, müssen Sie nur diesen Link anklicken und einen Haken setzen. Fertig.
Sie wollen Google meiden? Kein Problem, es gibt zahlreiche Alternativen. Stellvertretend erwähnt seien Ecosia, DuckDuckGo oder Startpage.
Mehr Details zur Funktion „bevorzugte Quelle“ bei Google finden Sie hier.
US-Präsident Donald Trump will ausgesetzte Sanktionen gegen russische Öl-Exporte wieder in Kraft setzen. Die USA würden „bald in der Lage sein“, dies zu tun, sagte Trump am Dienstag beim G7-Gipfel im französischen Evian. Die G7-Staats- und Regierungschefs hatten zuvor beschlossen, den Druck auf Russland im Ukraine-Krieg zu verstärken und hatten zusätzliche Sanktionen im Energiebereich angekündigt. (afp)
Russischer Ölkonzern Tatneft führt Obergrenzen beim Kraftstoffverkauf ein
Der russische Mineralölkonzern Tatneft hat an seinen Tankstellen Obergrenzen beim Verkauf von Kraftstoffen eingeführt. Autofahrerinnen und -fahrer dürfen aktuell nur „30 Liter Benzin und 60 Liter Diesel pro Person“ tanken, wie der Kundendienst von Tatneft der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag telefonisch bestätigte. Das gelte an allen rund 800 Tatneft-Tankstellen. Die Ukraine hatte zuletzt ihre Drohnenangriffe auf Raffinerien in Russland verstärkt, die Rohöl zu Treibstoffen verarbeiten.
Es sei unklar, wie lange die Einkaufsbeschränkungen gelten werden, sagte ein Mitarbeiter des Tatneft-Kundenservices. Einen Grund für die Regelung wollte er nicht nennen. Das Unternehmen riet Kundinnen und Kunden außerdem, wegen Problemen mit elektronischen Zahlungsmitteln mit Bargeld zu zahlen.
In der vergangenen Woche hatte das russische Energieministerium eingeräumt, dass Energiekonzerne „vorübergehend Schwierigkeiten mit der Treibstoffversorgung“ in südlichen Regionen wegen eines Anstiegs der „feindlichen Luftangriffe“ hätten. Schon im April führte das Land einen Exportverbot für Benzin ein, das zunächst bis Ende Juli gelten soll. (afp)
Von der Leyen bei G7: Blatt wendet sich für Ukraine
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat sich nach G7-Beratungen mit US-Präsident Donald Trump optimistisch gezeigt, dass in die Bemühungen um ein Ende des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine neuer Schwung kommt. „Das Blatt wendet sich für die Ukraine“, erklärte sie nach einer Arbeitssitzung bei dem G7-Gipfel führender westlicher Demokratien in Frankreich. Die Lage im Jahr 2026 unterscheide sich stark von der im Jahr 2025. Während die Ukraine mutig die Front halte, zeige sich Russlands Erschöpfung offen. Es sei nun der Moment, die Unterstützung für die Ukraine noch einmal deutlich zu verstärken, schrieb von der Leyen in sozialen Medien. Die G7 stehe solidarisch hinter einer starken und souveränen Ukraine. (dpa)
G7 will Druck auf Russland erhöhen
Die USA und führende europäische Staaten haben sich beim G7-Gipfel nach Angaben aus der deutschen Delegation darauf verständigt, den Druck auf Russland weiter zu erhöhen, um zu neuen Verhandlungen über ein Ende des Angriffskriegs gegen die Ukraine zu kommen. Alle G7-Teilnehmer inklusive US-Präsident Donald Trump seien sich einig gewesen, dass sich die Lage der Ukraine auf dem Schlachtfeld deutlich verbessert habe, hieß es nach den Beratungen im französischen Évian aus deutschen Regierungskreisen. „Sie waren sich einig, dass die Unterstützung der Ukraine erhöht werden muss und dass der Druck auf Russland erhöht werden muss.“
Neben Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nahmen an den Beratungen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sowie die Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Japan teil. Die Europäer seien dabei sehr geschlossen aufgetreten, hieß es aus den Regierungskreisen. „Die Dynamik hat sich geändert, die Ukraine ist in einer Situation der Stärke. Russland kann den Krieg nicht gewinnen und Russland steht unter Druck. Insofern haben wir eine Änderung in der Tonalität festgestellt.“
Die USA waren bisher alleiniger Vermittler zwischen der Ukraine und Russland. Die Bemühungen Trumps und seiner Regierung um ein Ende des Krieges waren allerdings während des Krieges gegen den Iran zum Erliegen gekommen. Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollen sie nun wieder in Gang bringen. Im Fall neuer Verhandlungen wollen die Europäer mit am Tisch sitzen. (dpa)
Trump: Russland sollte mit Ukraine „ein Abkommen schließen“
US-Präsident Donald Trump hat Russland zu einer Vereinbarung mit Kiew zur Beendigung des Ukraine-Kriegs aufgefordert. „Russland sollte ein Abkommen schließen“, sagte Trump am Rande des G7-Gipfels am Dienstag im französischen Evian. Er bestätigte, dass er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Evian bereits getroffen habe, ein weiteres Gespräch bei dem Gipfel mit ihm sei geplant. Trump verwies bei seiner Verhandlungsaufforderung an Putin auf die hohen Opferzahlen in dem mehr als vierjährigen Krieg. „Russland hat enorme Verluste an Menschenleben zu verzeichnen, ebenso wie die Ukraine“, sagte der US-Präsident. Trump hatte am Sonntag vor dem G7-Gipfel sowohl mit Selenskyj als auch mit Putin telefoniert. „Vielleicht können wir was machen“, sagte Trump darauf am Montag in Evian, ohne Details zu nennen. „Sie sind beide offen dafür.“ (afp)
Kreml weist Selenskyjs Darstellung zu potenziellem Treffen bei G7 zurück
Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach Angaben des Kremls keine offizielle Einladung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu einem Treffen beim G7-Gipfel erhalten. „Es gibt derzeit keine offiziellen Kanäle zwischen Kiew und Moskau“, sagt Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Er bekräftigt zudem Äußerungen Putins, wonach Selenskyj jederzeit zu Gesprächen nach Moskau kommen könne. Selenskyj hatte nach eigenen Angaben ein Treffen mit Putin während des G7-Gipfels im französischen Evian vorgeschlagen. Putin sei dazu jedoch nicht bereit, hatte Selenskyj am Montag gesagt. Einem Insider zufolge legte Selenskyj seinen Vorschlag den USA und Frankreich sowie Russland vor, erhielt aus Moskau aber keine klare Antwort. (rtr)
Moskauer Ölraffinerie brennt
Eine Ölraffinerie am Stadtrand von Moskau ist nach Angaben der örtlichen Behörden bei einem ukrainischen Drohnenangriff beschädigt worden und in Brand geraten. Bei dem Vorfall sei niemand verletzt worden, schrieb der Bürgermeister der russischen Hauptstadt, Sergej Sobjanin, am Dienstag im Onlinedienst Max. Die vom Staatskonzern Gazprom betriebene Raffinerie liegt im Verwaltungsbezirk Kapotnja im Südosten Moskaus. Sobjanin zufolge fing die Luftabwehr über Moskau in der Nacht zum Dienstag 60 ukrainische Drohnen ab. Die Nachrichtenagentur Tass sprach von einem der größten Angriffe auf die russische Hauptstadt in diesem Jahr.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte, dass Kyjiw für den Angriff verantwortlich sei. Die Region Moskau habe die Reichweite der ukrainischen Langstreckenwaffen zu spüren bekommen, schrieb er in Onlinediensten: „Eine Ölraffinerie wurde aus einer Entfernung von 500 Kilometern getroffen.“ Er bezeichnete die Attacke als „angemessene Antwort auf die russischen Angriffe“ auf die Ukraine. Bei einer russischen Angriffswelle waren am Montag in der Ukraine elf Menschen getötet worden. Auf dem Gelände des zum Weltkulturerbe gehörenden Höhlenklosters in Kyjiw geriet die Mariä-Entschlafens-Kathedrale in Brand. Russland überzieht die Ukraine seit mehr als vier Jahren fast täglich mit Raketen- und Drohnenangriffen. Die Ukraine reagiert mit Gegenangriffen auf russisches Staatsgebiet, insbesondere auf Ziele der Öl- und Energieinfrastruktur. (afp)
Großbritannien: Neue Sanktionen gegen russische Schattenflotte
Großbritannien weitet seine Sanktionen gegen die russische Schattenflotte aus. Dutzende Schiffe werden der Regierung in London zufolge auf die Sanktionsliste gesetzt. Sie stünden im Verdacht, russisches Öl und Gas in Drittländer zu transportieren. Die Maßnahmen richteten sich auch gegen Finanzinstitute und einen Versicherer sowie die Yandex Bank, ein mit dem russischen Militärgeheimdienst verbundenes Netzwerk. Insgesamt umfasse das Paket 70 neue Maßnahmen. „Diese Sanktionen zielen auf die Schiffe, das Geld und die Akteure ab, die die russische Kriegswirtschaft stützen und damit die europäische Sicherheit bedrohen“, erklärt Premierminister Keir Starmer. Er nimmt derzeit am G7-Gipfel in Frankreich teil. (rtr)
Macron begrüßt Selenskyj bei G7-Gipfel in Frankreich
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist auf dem G7-Gipfel in Frankreich eingetroffen. Der französische Präsident Emmanuel Macron empfing Selenskyj am Dienstag in Évian-les-Bains am Genfersee. Außerdem sprachen Bundeskanzler Friedrich Merz und die Regierungschefs von Großbritannien, Kanada, Italien und Japan mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Anschließend sollte am Vormittag eine Arbeitssitzung mit den G7-Staats- und Regierungschefs zur Erörterung des Ukrainekrieges stattfinden. Der Irankrieg hat in den vergangenen Wochen den russischen Invasionskrieg gegen die Ukraine in den Hintergrund gedrängt. Macron erklärte, er werde versuchen, Trump davon zu überzeugen, die Ukraine weiterhin zu unterstützen und den Druck auf Russland zu erhöhen, um ein Friedensabkommen zu erreichen. (ap)
China dementiert Vorwürfe zu Ausbildung russischer Ukraine-Kämpfer
China hat Aussagen der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas dementiert, wonach die Volksrepublik russische Soldaten für den Ukrainekrieg ausgebildet haben soll. „Diese Behauptungen entbehren jeder faktischen Grundlage“, sagte Außenamtssprecher Lin Jian in Peking. Die Aussagen seien reine Verleumdung und Anschwärzung, erklärte er weiter. Kallas hatte am Montag bei einem EU-Außenministertreffen in Luxemburg gesagt, die EU habe Berichte verifiziert, wonach das chinesische Militär russische Militärangehörige für den Kampf in der Ukraine ausgebildet habe. Man prüfe nun sorgfältig die möglichen Auswirkungen.
Ein EU-Beamter erklärte, es habe diese Trainingsaktivitäten an mehreren Orten in China gegeben und es seien mehrere Hundert russische Soldaten ausgebildet worden. Einige von ihnen seien später im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt worden. China verurteilte Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine bislang nicht und gibt Moskau durch seine Haltung Rückendeckung. Der Volksrepublik wurde außerdem immer wieder vorgeworfen, die russische Militärindustrie durch die Lieferung wichtiger Güter, die für zivile, aber auch militärische Zwecke einsetzbar sind, zu unterstützen. (dpa)
Russland: Drohnentrümmer lösen in Region Krasnodar Brand in Öllager aus
Herabstürzende Trümmerteile einer Drohne haben Behördenangaben zufolge einen Brand in einem Öllager in der südrussischen Region Krasnodar verursacht. Es gebe keine Opfer, teilen die örtlichen Behörden auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Die Anlage befindet sich in der Gegend von Poltawskaja unweit der von Russland annektierten Halbinsel Krim. (rtr)
Lukaschenko: Russland und Ukraine müssen Kompromisse schließen
Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko ruft Russland und die Ukraine zur Kompromissbereitschaft auf, um den seit mehr als vier Jahren andauernden Krieg zu beenden. Ein militärischer Sieg sei für beide Seiten unrealistisch, sagt der enge Verbündete des russischen Präsidenten Wladimir Putin in einem am Montag veröffentlichten Interview des Fernsehsenders Al Arabija. Zwar rückten die russischen Truppen weiter vor, jedoch litten beide Kriegsparteien unter einem Mangel an Soldaten. Lukaschenko erklärt weiter, dass die Ukraine von seinem Land nichts zu befürchten habe. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte angedeutet, dass neue russische Angriffe von belarussischem Gebiet aus erfolgen könnten. Belarus hatte Russland im Jahr 2022 den Einmarsch in die Ukraine über sein Territorium gestattet und die Stationierung russischer Atomwaffen geduldet. (rtr)
Ukraine kündigt Reform ihrer Wehrpflicht an
Im Bemühen um neue Rekruten im russischen Angriffskrieg hat die Ukraine eine umfassende Reform ihres Wehrpflichtsystems angekündigt. Die neuen Verträge böten „klar definierte Dienstbedingungen“, erklärte der ukrainische Verteidigungsminister Mychailo Fedorow am Montag in Onlinediensten. Ihnen liegt demnach „ein neues System der finanziellen Unterstützung sowie mehr Vorhersehbarkeit und Kontrolle über den eigenen Dienst“ zugrunde. Die neuen Verträge bieten dem Minister zufolge zudem lukrative Gehälter für Frontsoldaten. Sie reichen demnach von durchschnittlich 300.000 Hrywnja pro Monat (umgerechnet etwa 5.770 Euro) bis zu maximal 460.000 Hrywnja für besonders riskante Einsätze.
Fedorow zufolge können sowohl aktive Soldaten als auch Zivilisten ab Montag neue Verträge mit einer Laufzeit von sechs bis 24 Monaten unterzeichnen. Nach Beendigung des Dienstes werde „eine garantierte Zurückstellung gewährt, welche die bisherige Dienstzeit und Kampferfahrung berücksichtigt“. Es war zunächst unklar, wie das System in der Praxis funktionieren sollte. Die Änderungen erfolgen angesichts der seit Jahren anhaltenden Schwierigkeiten, neue Rekruten für die ukrainische Armee zu gewinnen. Sie ersetzen das alte System der unbefristeten Wehrpflicht. Dabei wurde von den Eingezogenen erwartet, bis zum Ende der russischen Invasion zu kämpfen.
Als Russland 2022 die Ukraine überfiel, waren die Rekrutierungsbüros der Armee überfüllt mit Freiwilligen, die das Land verteidigen wollten. Im Laufe des Krieges kam die Rekrutierung neuer Soldaten aber nur schleppend voran. Nunmehr sind fast alle neuen Rekruten Wehrpflichtige, die sich nicht aus freien Stücken gemeldet haben. Ukrainischen Medienberichten zufolge hat die Armee zudem mit massenhaften Desertionen zu kämpfen. (afp)
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 180 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert