Versorgungsprobleme im Aggressorstaat: Russland geht das Benzin aus
Ukrainische Drohnenangriffe zielen auf Russlands Ölinfrastruktur und die Kriegskasse des Kremls. Der Petrostaat importiert jetzt Öl aus Belarus.
Zwei dichte schwarze Rauchsäulen stiegen am frühen Sonntagmorgen in den Himmel über der Wolgastadt Rybinsk. Ukrainische Drohnen hatten das Öllager der staatlichen Ölreserve Rosreserw getroffen. Auf Telegram-Kanälen gepostete und anhand von Geo- und anderer Daten überprüfte Videos zeigen enorme Schäden.
Russlands Angriffskrieg in der Ukraine und die erbitterten militärischen Reaktionen des Nachbarlandes durch Zerstörung russischer Öl- und Gasinfrastruktur haben den Krieg tief in den Petrostaat gebracht. Wer in den begonnenen Urlaubsmonaten gen Süden fährt, klagt inzwischen über Benzinmangel. Vor allem auf der von Russland 2014 okkupierten ukrainischen Halbinsel Krim gibt es wegen der Kontrolle wichtiger Zugangsrouten durch ukrainische Drohnen und Treffer gegen Tanklaster inzwischen ein großes Versorgungsproblem mit Lebensmitteln und Treibstoff.
„Wir sind liegengeblieben. Wir haben kein Benzin, wir haben ein kleines Kind dabei“, sagte Alexander Bubnow, der als Tourist aus der russischen Industriestadt Tula auf der Krim gestrandet ist, dem örtlichen TV-Kanal in Sewastopol „Sagen Sie mir, was wir tun sollen? Ich möchte einfach nur von hier weg.“
Verkaufsbeschränkungen auf der Krim
Auf der Krim wurden bereits Ende Mai Verkaufsbeschränkungen für Benzin, zunächst auf 20 Liter pro Fahrzeug, eingeführt. Jetzt können nur noch per App auf dem staatlich kontrollierten Messengerdienst Max überhaupt ein paar Liter getankt werden. Auf Telegram-Kanälen werden Tipps gegeben, an welchen Tankstellen es noch Sprit gibt. Dort bilden sich sehr lange Schlangen.Auf die Krim werden inzwischen in Kofferräumen von Pkw oder auf mit Planen abgedeckten Bau-Lkw große Benzinkanister auf die Halbinsel gebracht. Die Ukraine kontrolliert mit Drohnen die Zufahrten zur Krim, hat mehrfach Tanklaster abgeschossen. Es entstand ein Schwarzmarkt, auf dem ein Liter Benzin für umgerechnet etwa drei Euro zum Dreifachen des üblichen Preises verkauft wird.Die Intensität der Attacken auf Öl- und Gasanlagen hat sich in den vergangenen Monaten deutlich erhöht. Allein im Mai registrierte Bloomberg 16 Angriffe auf Raffinerien, sieben auf Pipelines und sechs auf Hafenanlagen. In der Folge fiel die russische Raffinerieverarbeitung auf den niedrigsten Stand seit 2009.
Inzwischen wurden in mehr als 20 Regionen Treibstoffengpässe gemeldet – mittlerweile sogar auch in Moskau und St. Petersburg, wo der Kreml bisher viel getan hat, um den Krieg unsichtbar zu machen. Aber aus Angst vor Drohnenangriffen wurde am Freitag sogar das Festkonzert zum Nationalfeiertag vom offenen Roten Platz in eine Halle weit im Osten der Hauptstadt verlegt.
Exportverbot für Benzin, Diesel und Kerosin
Um die Versorgung des Binnenmarktes zu sichern, verhängte die russische Regierung ein Exportverbot für Benzin, Diesel und Kerosin. Die Benzinimporte aus dem benachbarten Belarus schnellen in die Höhe.
Die Ukraine zielt mit ihren Drohnenattacken immer erfolgreicher auf die Kriegskasse des Kremls: Nach Berechnungen internationaler Energieanalysefirmen sind Russlands Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft gegenüber der Vorkriegszeit um rund 27 Prozent eingebrochen. Die Energiebranche, traditionell das Rückgrat der russischen Staatsfinanzen, steht unter erheblichem Druck.
Die stark gestiegenen Ölpreise auf dem Weltmarkt und die daraus resultierenden höheren Dollar-Einnahmen bei Rohölexporten ließen die Landeswährung Rubel massiv aufwerten. In der Folge sinken die Staatseinnahmen, die in Rubel reinkommen, und das Haushaltsdefizit ist auf Rekordhoch: Für die ersten fünf Monate 2026 berichtete das russische Finanzministerium ein Defizit von rund 6,6 Billionen Rubel. Dieses lag damit bereits um 74 Prozent über dem ursprünglich für das gesamte Jahr vorgesehenen Wert.
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