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Bericht des Paritätischen VerbandsAlarm: Armut!

Laut Bericht des Paritätischen sind 13,3 Millionen Menschen einkommensarm. Betroffen sind Alleinerziehende, Alleinlebende, junge und alte Personen.

Es sei „kein Drama, wenn Studierende neben dem Studium jobben“, sagte Dorothee Bär, als sie die versprochene Bafög-Reform mit Verweis auf den allgemeinen Sparzwang abblies. Die Situation für Studierende hierzulande befand die Bundesforschungsministerin für sehr privilegiert. Wie falsch sie damit liegt, zeigt unter anderem der neue Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, der an diesem Dienstag veröffentlicht wird. Der Bericht stützt sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamts und ordnet sie wissenschaftlich ein.

Demnach waren 13,3 Millionen Menschen im Jahr 2025 von Armut betroffen, das entspricht 16,1 Prozent der Bevölkerung. Als arm gilt eine Person, wenn ihr Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Armutsquote in Deutschland um 0,6 Prozentpunkte. Da für die Berechnung von Armutsquoten nur private Haushalte berücksichtigt werden, tauchen wohnungslose Menschen oder solche, die in Pflegeeinrichtungen, Gefängnissen oder Gemeinschaftsunterkünften leben, nicht in der Statistik auf.

Betroffene Gruppen

„Mit einer Armutsquote von 30,3 Prozent bei Alleinlebenden und 28,9 Prozent bei Alleinerziehenden ist jeweils rund jede dritte Person in diesen Lebenslagen betroffen“, heißt es in dem Bericht. Anders als es die Forschungsministerin suggeriert, gehören junge Erwachsene zwischen 18 und unter 25 Jahren auch zu den Altersgruppen, die überdurchschnittlich oft von Armut betroffen sind.

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Mit einem Anteil von 24,8 Prozent gilt nahezu jede vierte Person in dieser Lebensphase als arm. In der Wissenschaft ist das schon länger bekannt. Denn junge Menschen, die eine Ausbildung oder ein Studium beginnen, sind oft mit hohen Wohnkosten konfrontiert, vor allem, wenn sie in eine neue Stadt ziehen und das Elternhaus verlassen müssen. Schwierig ist es auch für ältere Menschen ab 65 Jahren, dort liegt die Armutsquote bei 19,5 Prozent, betroffen ist also etwa jede fünfte Person. „Der Lebensabend droht zur Armutsfalle zu werden“, heißt es im Bericht.

Insgesamt habe sich das soziodemografische Profil aber „gegenüber den Vorjahren kaum verändert.“ Erwerbsstatus und Armut hängen eng miteinander zusammen. Menschen, die arbeitslos sind oder als nicht erwerbstätig gelten, etwa weil sie im Ruhestand sind, Angehörige pflegen, sich um kleine Kinder kümmern oder noch in Ausbildung sind, haben ein besonders hohes Armutsrisiko. Langfristig betrachtet, senkt ein höherer Bildungsabschluss das Armutsrisiko. Menschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen sowie Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft sind stärker armutsgefährdet.

Insgesamt lassen sich auch geschlechtsspezifische Unterschiede feststellen. Frauen sind mit 16,7 Prozent etwas häufiger von Armut betroffen als Männer mit 15,6. Das lässt sich vor allem auf unterschiedliche Erwerbsbiografien zurückführen.

In europäischen Statistiken werden neben dem Einkommen auch weitere Aspekte berücksichtigt, zum Beispiel „materielle und soziale Entbehrung“ – das ist der Fall, wenn sich Personen bestimmte Güter oder Aktivitäten nicht leisten können, „die als minimaler Lebensstandard gelten“. Dazu gehört zum Beispiel ein einwöchiger Urlaub im Jahr, aber auch, ob die Möglichkeit besteht, kaputte Möbel oder Kleidung zu ersetzen. Laut Bericht leben demnach 4,6 Millionen Menschen in Deutschland in erheblicher materieller Entbehrung. Davon sind etwa 1 Million minderjährige Kinder und Jugendliche, sowie 650.000 Altersrentner*innen.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband kritisiert, dass derzeit viele Kürzungen debattiert werden, die die Situation verschärfen würden. Dazu gehört zum Beispiel die Idee, das Wohngeld zu kürzen, das viele Rent­ne­r*in­nen in Anspruch nehmen, oder den Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende einzuschränken. Der Verband schlägt stattdessen vor, in einen höheren Mindestlohn, mehr Tariftreue, in die gesetzliche Rente und eine solidarische Pflegevollversicherung zu investieren. Zudem ließe sich Armut durch bezahlbares Wohnen vermeiden.

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16 Kommentare

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  • Kein einziges Wort über das Nord-Süd und das West-Ost Gefälle ist ein Armutszeugnis. Grüße aus dem ärmsten Landkreis des Landes.

  • Zu den wunderbaren Vorschlägen des Paritätischen schrieb der US-Bürgerrechtler Dr. Martin Luther King bereits 1967:

    "Zusätzlich zu dem Mangel an Koordination und hinreichender Wirkung haben die Programme der Vergangenheit alle einen gemeinsamen Mangel - sie sind indirekt. Ein jedes will Armut beheben, indem zuerst etwas anderes behoben werden soll.

    Ich bin heute davon überzeugt, dass der einfachste Ansatz sich als der effektivste erweisen wird - die Behebung der Armut durch ihre direkte Beseitigung mittels einer heute breit diskutierten Maßnahme: Dem bedingungslosen Grundeinkommen."

  • "2024 besaß 1,6 Prozent der Weltbevölkerung rund 48,1 Prozent des weltweiten Vermögens. Rund 40,7 Prozent der Weltbevölkerung besaßen hingegen lediglich 0,6 Prozent des weltweiten Vermögens."

    Hinsichtlich dieser Zahlen und hinsichtlich der aktuellen Politischen Lage, muss davon ausgegangen werden, das sich die Situation nicht nur in Deutschland für die ärmsten Personen verschlechtern wird.



    Das sind die Früchte des hochgelobten Kapitalsystems. Daran wird sich nichts mehr ändern, im Gegenteil, das kapitalistische System (Neoliberalismus) hat sich jetzt noch den Faschismus mit ins Boot geholt. Die aufgebrachten Bürger müssen kontrolliert werden. (Trump)



    In Deutschland, wenn die Bürger weiterhin die AfD wählen, wird ihnen das gleiche Schicksal blühen.



    So oder so, mit oder ohne dieser miserablen AfD, wird die Armut steigen, unaufhaltsam. Jetzt noch intensiver, da wir die Sozialdemokraten endgültig verloren haben. Die Linke wird nicht gewählt, weil sie von den Medien (nicht nur Nius oder Compact)



    "verteufelt" wurden. Ein weiteres Problem, der Medien Manipulation.

    • @Andreas Flaig:

      "So oder so, .., wird die Armut steigen, unaufhaltsam." Klingt ja richtig depressiv.

      Wie wäre es mit Fakten:

      Sagt der Paritätische selbst im Artikel, dass sich das soziodemografische Profil „gegenüber den Vorjahren kaum verändert.“

      Und gehungert haben in den 50ern, 60ern, usw deutlich größere Anteile der Weltbevölkerung als heute. Auch das sind "Früchte des hochgelobten Kapitalsystems"

  • "Der Verband schlägt stattdessen vor, in einen höheren Mindestlohn, mehr Tariftreue, in die gesetzliche Rente und eine solidarische Pflegevollversicherung zu investieren. Zudem ließe sich Armut durch bezahlbares Wohnen vermeiden."

    Das sind ja nun Vorschläge, deren Umsetzung insb. die Partei"christen", scheuen wie der Teufel das Weihwasser.

    Also geht alles weiter wie gewohnt, die Daumenschrauben für die nicht Vermögenden werden fester angezogen, die besonders obszön Reichen weiter entlastet, damit Gesellschaft und Wirtschaft weiter geschwächt und Deutschland in eine ungewisse, wohl wenig aussichtsreiche Zukunft geschubst.

    Das wird ein Spaß!

    • @Lahmarsch:

      Das sind halt leider auch wieder mal völlig ungeeignete Vorschläge... :-(

  • Ich finde, in jedem solchen Artikel gehört auch ein Hinweis der Art, dass die Superreichen (also Personen mit mehr 100 Mio. $ Finanzvermögen) in Deutschland alleine 2025 um 300-500 Mrd. $ reicher geworden sind.

    Denn das zeigt, wie man diese Probleme sehr einfach lösen kann. Denn ansonsten führen solche Artikel nur dazu, dass Menschen denken, dass eben noch mehr bei Rentnern, Bürgergeld-Empfängern und Migranten gespart werden müsse.

    • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Das Problem ist ja, dass seit Jahrzehnten mehrheitlich Parteien gewählt werden, die noch nicht mal ein Interesse daran haben zu ergründen wie groß diese Vermögen wirklich sind, geschweige denn das daraus erzielte leistungslose Einkommen zu besteuern.

  • Der Artikel ist doch wenig aussagekräftig. Wenn ich als Bemessungsgrenze für die Armut x Prozent von y heranziehe, dann gibt es immer Armut. In einer arbeitsheterogenen Welt mit einem breiten Einkommensspektrum dürfte das Ergebnis dann eher höher ausfallen. Andererseits gilt auch, dass wenn alle Personen das Gleiche verdienen und einer einen Euro mehr, sind im Ergebnis alle arm.

    • @DiMa:

      Stimmt, nach der Definition in D(60%) wären z.B. in Monaco alle Menschen arm, die unter 75000€ verdienen. Und aufgrund dieser Grundlage, hat DiMa mit seiner Aussage vollkommen Recht.

    • @DiMa:

      Unsinn.

      • @Lahmarsch:

        Bitte vor dem Posten nochmal ins Mathebuch schauen. Das ist keine Frage der Weltanschauung, sondern der Mathematik. Die Aussage ist korrekt.

      • @Lahmarsch:

        Ja, das Konzept "relative Armut" ist Unsinn.

      • @Lahmarsch:

        Bedauerlicherweise fällt Ihre Aussage recht kurz aus und es fehlt an einer Begründung. Eine ganz ausführliche Kritik an der aktuellen Bemessung der Armut finden Sie hier: www.wsi.de/data/ws...2017_02_becker.pdf.

        • @DiMa:

          @DiMa



          "Andererseits gilt auch, dass wenn alle Personen das Gleiche verdienen und einer einen Euro mehr, sind im Ergebnis alle arm."



          Allerdings nur, wenn "alle" weniger als 1,50 € erhalten und der "einzelne" einen € mehr bekommt - Ihre Aussage ergibt nach der Armutsdefinition also nur in diesem Falle Sinn. Mit steigendem Einkommen nähert sich der Durchschnittswert dann den Bezügen (als Grenzwert) des "Bestverdieners" aus Ihrem "Modell" an - und damit liegt dann ein jeder über den 60 Prozent und ist nicht mehr arm... :-)

        • @DiMa:

          Ihr Link ist leider schon abgelaufen (2015)



          Da hat sich mittlerweile, 11Jahre später einiges getan.

          Wie auch aus dem TAZ Artikel hervorgeht, den Sie als wenig aussagekräftig beschreiben:

          "Besonders stark gefährdet sind:



          Arbeitslose: Hier liegt die Quote bei fast 65 Prozent.



          Alleinerziehende: Rund 29 Prozent sind armutsgefährdet.



          Alleinlebende: Über 30 Prozent unterschreiten diese Grenze.



          Ruheständler: Etwa 19 Prozent sind von Altersarmut betroffen.



          Rechnet man neben dem reinen Einkommen auch Faktoren wie materielle Entbehrung oder fehlende gesellschaftliche Teilhabe ein, sind sogar rund 21,2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht."