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Itamar Ben-Gvir und die Gaza-FlotteAlle Siedler auf die EU-Sanktionsliste – auch die Minister!

Susanne Knaul

Kommentar von

Susanne Knaul

Das grausige Video des israelischen Polizeiministers stößt auf breite Verurteilung. Die Gelegenheit ist günstig für einen internationalen Boykott.

Der israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir in einem Standbild aus einem Video vom 20. Mai 2026 Foto: Büro von Ittamar Ben-Gvir/reuters

D ie Bilder, die Itamar Ben-Gvir in den sozialen Netzwerken veröffentlichte, sind zum Gruseln. Israels rassistischer Polizeiminister übertrifft sich selbst an Niedertracht, wie er so spottend durch die Reihen der gefesselten und auf dem Boden knienden AktivistInnen stolziert und ihnen verkündet, wer hier der Hausherr sei.

Wenn man sieht, wie Menschen, denen nichts anderes vorzuwerfen ist, als dass sie gegen die Politik Jerusalems im Gazastreifen protestieren, wie Schwerstverbrecher behandelt werden, dann gewinnen selbst die absurdesten Berichte über Zustände in israelischen Gefängnissen und den Umgang mit PalästinenserInnen, die wegen Hetze oder gar politischen Gewaltaktionen inhaftiert sind, ein Stück weit an Glaubwürdigkeit.

Ben-Gvir zielte mit seinem unsäglichen Video vermutlich darauf ab, Stimmen bei den bevorstehenden Wahlen für sich zu gewinnen. Er dürfte genau das Gegenteil erreicht haben. Selbst Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu bewies genug Anstand, um sich von seinem Polizeiminister zu distanzieren. Es kann nicht im Sinne Israel sein, international noch weiter ins Abseits zu geraten. Wer das anders sieht, hätte bei den Wahlen ohnehin für Ben-Gvir gestimmt.

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Dass Israels Polizeiminister diesmal zu weit gegangen ist, zeigen nicht zuletzt die Reaktionen in Europa. Völlig zu Recht schließt sich Bundesaußenminister Johann Wadephul umgehend der Kritik an, die im Unisono aus Paris, Rom, Madrid und vielen anderen Hauptstädten ertönt. Die Gelegenheit ist günstig, dem Unmut Maßnahmen folgen zu lassen. Vor noch nicht zwei Wochen einigten sich die EU-Staaten auf Sanktionen gegen gewalttätige Siedler. Kein Bankkonto, keine Durchreise – nur Minister sind bedauerlicherweise weiter davon ausgenommen.

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So absurd es ist, israelische KünstlerInnen oder AkademikerInnen zu boykottieren, so sinnvoll wären Sanktionen gegen die, die den Siedlungsbau und die Menschenrechtsverletzungen verantworten. Und das sind nicht nur die gewalttätigen, sondern alle SiedlerInnen schlechthin.

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Susanne Knaul
Redakteurin Meinung
1961 in Berlin geboren und seit 2020 Redakteurin der Meinungsredaktion. Von 1999 bis 2019 taz-Nahostkorrespondentin in Israel und Palästina.
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8 Kommentare

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  • Wieso ist eigentlich nach dem von der (mittlerweile inhaftierten) Militärstaatsanwältin öffentlich gemachten Foltervideo israelischer Gefängniswärter kein Botschafter einbestellt worden?

  • ja sicher. es wäre noch gut gewesen zu erwähnen, dass die aktivistInnen in internationalen gewässern von der israelischen marine gekidnapped worden sind. einfach mal der journalistischen sorgfalt wegen. danke taz!

  • Netanyahu müsste ihn raussetzen, selbst zurücktreten, dann den da und sich selbst in Den Haag einliefern.



    Und das Ende der Besatzung ist ein Schlüssel des Friedens.

    Derart Hass säen hingegen ist eine Pforte des verewigten Zanks.

  • Ich habe mir den Film angeschaut: Folgende Sätze sprach der mehrfach vorbestrafte Minister:



    "Welcome to Israel. We're the landlords. The people of Israel live. They came as big heroes. Look at them now. Not heroes, not anything."



    "We're the landlords kam mir irgendwie bekannt vor:



    "Im Mai 2021 unterstützte Ben-Gvir die jüdischen Siedler im Stadtviertel Scheich Dscharrah im von Israel besetzten und annektierten Ostjerusalem. Er bedrohte palästinensische Einwohner mit einer Pistole, forderte die Polizei auf, auf palästinensische Demonstranten zu schießen, und schrie: „Wir sind hier die Herren im Haus, denkt daran, ich bin euer Hausherr!“ (Wikipedia)

    • @Il_Leopardo:

      Das Drama des Nationalismus mittel-/osteuropäischer Varianz (also "ethnisch", frei nach Herder), hier noch nach einer kolonialen Zeit und mit neuer kolonialer Note: Mehrheit und Dominanz ist dann alles, alles ist erlaubt, und danach alle "anderen" raus. Geschaffen wird so davor und danach eine Hölle auf Erden. Auch in Israel sind inzwischen Terroristen im Kabinett.

      • @Janix:

        Wenn wir es zulassen, dass die AfD hier die Herrschaft antritt, dann werden wir auch in diesem Land bald die Hölle auf Erden erleben.

  • Nicht nur Sanktionen gegen Siedler und Minister sind notwendig, sondern das EU-Assoziierungsabkommen muss sofort gestoppt werden. Ansonsten führt der wegen Kriegsverbrechen gesuchte Netanjahu Europa weiter am Nasenrung durch die Manege.

  • Vielen Dank, Frau Knaul. Natürlich wären solche Sanktionen sinnvoll. Und nicht nur das, sondern sie wären auch ein geeignetes, erforderliches und angemessenes Instrument jeder Regierung, die es ernst meint mit universellen Menschenrechten. Aber die Siedlerbewegung steht ja nicht für sich allein, sondern wird eben aktiv durch die israelische Regierung und offenbar auch die IDF unterstützt. Insofern greifen Sanktionen nur gegen die Siedlerbewegung mE zu kurz, sondern sie müssen sich - solange sich an der og Unterstützung nicht ändert - eben auch gegen die entsprechenden Personen in der Regierung und der israelischen Streitkräfte richten.