Deutsch-amerikanische Beziehungen: Trump droht wieder mit Abzug der US-Truppen aus Deutschland
Der US-Präsident spricht davon, die Armee der USA in Deutschland zu reduzieren: ein Tritt gegen Merz. Davon wären Tausende Arbeitsplätze betroffen.
rtr/dpa | US-Präsident Donald Trump bringt erneut die Möglichkeit eines Teilabzugs amerikanischer Streitkräfte aus Deutschland ins Spiel. Die USA prüften und bewerteten eine mögliche Reduzierung der Truppen, es werde in Kürze eine Entscheidung getroffen, schrieb Trump am Mittwoch auf der Plattform Truth Social.
Trump hatte Deutschland und andere Nato-Verbündete dafür kritisiert, dass sie keine Marineschiffe zur Sicherung der Straße von Hormus entsandt hätten. Die Deutsche Botschaft in Washington kommentierte die Aussagen zunächst nicht. Das US-Verteidigungsministerium verwies auf das Präsidialamt, das ebenfalls keine Stellungnahme abgab. Bereits Anfang des Monats hatte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, Trump habe intern über einen teilweisen Truppenabzug aus Europa diskutiert.
Die Ankündigung fällt in eine Zeit diplomatischer Spannungen zwischen Washington und Berlin. Bundeskanzler Merz hatte Trump im Umgang mit dem Iran Planlosigkeit vorgeworfen und gesagt, die USA würden von den Machthabern in Teheran gedemütigt. Er sei „desillusioniert“, so der Kanzler. „Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!“, schrieb Trump daraufhin am Dienstag auf Truth Social mit Blick auf den CDU-Vorsitzenden. Er warf dem Kanzler vor, damit einverstanden zu sein, dass der Iran über Atomwaffen verfüge.
Militärs aus den USA und Deutschland treffen sich
Die USA und Israel hatten ihren völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Iran Ende Februar begonnen, ohne vorher ihre Nato-Partner einzubeziehen. Die Verbündeten hatten Trump daraufhin die geforderte Unterstützung verweigert. Das führte zum offenen Bruch.
Ungeachtet der politischen Differenzen treffen sich hochrangige Militärs beider Länder. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, kam am Mittwoch in Washington mit dem Staatssekretär im US-Verteidigungsministerium, Elbridge Colby, zusammen. Thema war die neue deutsche Militärstrategie, die erste außerhalb des Nato-Rahmens seit dem Zweiten Weltkrieg.
Colby lobte das Dokument, das den Aufbau der größten konventionellen Streitmacht Europas zum Ziel hat, auf der Plattform X und erklärte, es zeige einen „klaren Weg nach vorn“. Trump habe zu Recht gefordert, dass Europa mehr tun müsse. Breuer sagte vor Journalisten, Colby habe große Wertschätzung für die deutsche Strategie, den Führungsanspruch in der Nato und die damit verbundenen finanziellen Zusagen gezeigt. Hinweise auf einen möglichen US-Truppenabzug habe es in den Gesprächen nicht gegeben.
Tausende Arbeitsplätze hängen an US-Stützpunkten
Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs von Mitte April rund 86.000 Soldaten in Europa stationiert – davon rund 39.000 in Deutschland. In Deutschland gibt es neben dem Flugplatz Ramstein in Rheinland-Pfalz etwa das US-Oberkommando für Europa (EUCOM) in Stuttgart. Die Zahl verändert sich regelmäßig, auch wegen Rotationen und Übungen.
Die US-Truppen galten in der Zeit des Kalten Krieges als Sicherheitsgarant für die Bundesrepublik und sind zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Regionen rund um die Stützpunkte geworden. Tausende Ortskräfte werden vom US-Militär beschäftigt, daneben hängen vor allem in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern Tausende weitere Arbeitsplätze von den US-Truppen ab.
Allein der riesige Luftwaffenstützpunkt Ramstein bei Kaiserslautern mit der größten US-Militärgemeinde außerhalb der Vereinigten Staaten generiert Schätzungen zufolge jedes Jahr Hunderte Millionen Euro an Löhnen, Gehältern, Mieten und Aufträgen in der regionalen Wirtschaft. Nahe dem Stützpunkt entsteht zurzeit das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der USA.
Dutzende große US-Militärstützpunkte in Europa
In Europa gibt es seit Jahrzehnten Dutzende große US-Militärstützpunkte, die bei den weltumspannenden Einsätzen der Amerikaner – etwa im Nahen Osten – von enormer Bedeutung sind. Sie dienen der Stationierung von Truppen, Waffen, Schiffen und Flugzeugen, Drohnen werden von dort aus gesteuert und auch Verletzte versorgt.
Merz ist nicht der erste Spitzenpolitiker in Europa, den Trump massiv attackiert. So sind auch der britische Premierminister Keir Starmer und der französische Präsident Emmanuel Macron bei dem Republikaner in Ungnade gefallen. Zuletzt krachte es nach der Kritik des US-Präsidenten am Papst sogar zwischen ihm und der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.
Nimmt man Trumps jüngste Äußerungen zum Maßstab, scheint das persönliche Verhältnis zu Merz an einem Tiefpunkt angelangt zu sein. Merz trat diesem Eindruck am Mittwoch entgegen. „Das persönliche Verhältnis zwischen dem amerikanischen Präsidenten und mir ist – jedenfalls aus meiner Sicht – unverändert gut“, sagte er. „Wir sind nach wie vor in guten Gesprächen miteinander.“
Die Drohung gab es schon einmal
Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit (2017 bis 2021) mit einer Reduzierung des Truppenkontingents in Deutschland gedroht. Damals hatte er einige Monate vor seinem Abschied aus dem Weißen Haus angekündigt, er wolle 12.000 der damals rund 35.000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Mehrere Tausend davon sollten innerhalb von Europa verlegt werden, andere in die USA zurückkehren. Trump beschrieb das Vorhaben damals als Strafe für die aus seiner Sicht zu geringen deutschen Militärausgaben. Sein Nachfolger Joe Biden stoppte die Pläne dann nach seinem Amtsantritt.
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