wie geht es uns, herr küppersbusch?: Ein Bäcker namens Hase
Diese Woche: Feminismus im All, Merz im Anflug und die Welt im Rückwärtsgang.
t az: Herr Küppersbusch, was war schlecht seit vergangener Woche?
Friedrich Küppersbusch: Papst gestorben.
taz: Und was wird besser in dieser?
Küppersbusch: Als so ziemlich letzten Menschen J. D. Vance sehen möchte man nicht.
taz: In Tübingen verkauft ein Bäcker Zuckerhasen mit Motiven aus dem Zweiten Weltkrieg, etwa Osterhasen auf Panzern. Ist das eine Tradition, die man beibehalten sollte?
Küppersbusch: Bäckermeister Leimgrubers Name ist grundsätzlich Hase: wenn er in der Lokalzeitung das Bürgergeld verbellt, weil ihm schlecht bezahlte Spülkräfte fehlen; oder wenn er sich für die siebte neue Filiale bejubeln lässt; oder eben seinen Panzerhasen preist – so unschuldig, wie man nur sein kann, wenn man 90 Jahre alte Nazidevotionalien hervorholt. Besonders Hase war er im Wahlkampf, als er im „ARD-Morgenmagazin“ als kleiner Mundwerksmeister Kanzler Scholz des Mindestlohns zieh und böse Preissteigerungen überbrezelte. Der Mann ist ein PR-Könner, sieht aus wie ganz kleine Brötchen backen und ist dahinter ein AfD-Vollsortimenter. Er markiert einen Kipppunkt, jenseits dessen Rechtskram einfach gut sein soll fürs Geschäft. Dafür muss er sich nicht mal verstellen, das wird man ja wohl noch backen dürfen.
taz: Katy Perry hat mit fünf weiteren Frauen eine zehnminütige Reise in einer Raumfahrtkapsel gemacht. Sie ist stolz, dass das die erste weiblich besetzte Raumfahrt ist. Ist das noch Ihr Feminismus?
Küppersbusch: Die kann aber hoch singen! Ja, ich mag an dem PR-Stunt, dass Jeff Bezos dieses Genderwashing bei seinem Raketenprogramm schlechter eingebremst bekommt als etwa bei seiner (nun nicht mehr Gender-)Washington Post. Bezos folgt unter vorauseilendem Gehorsam den Vorgaben der Trumpisten. Gerade hat er die Kündigung von 10 Prozent der Belegschaft angekündigt, weil Kollege Elon Musk mit SpaceX erfolgreicher sei. Man möchte beim locker room talk der Jungsjunta über den fliegenden Mädelsabend nicht dabei sein. Nicht für 28 Millionen US-Dollar, die der Flug kostet.
taz: Am 6. Mai ist Kanzlerwahl. Was für ein Kanzler wird Merz werden?
Küppersbusch: In der Haltung ein Gegenentwurf zu Merkel und Scholz, also unbesonnen, tapsig, wenig vorausschauend, kein Schachspieler. Das sagt noch nix aus, Merkel war damit maximal erfolgreich, Scholz rekordverdächtig unterschätzt. Riskanter wird’s jedenfalls. Nach links wird er soziale Konzepte eher erleiden als – wie Merkel – enthemmt adoptieren. Nach rechts wirkt es bisher wie ein Abgrenzen durch Umarmen, eine irritierende Unklarheit. Mit Glück setzt er auf Themen wie Wirtschaft, Infrastruktur, Digitales und Europa – wo die anderen wenig zu bieten haben. Sonst kommen die.
taz: Joe Biden hat sich gemeldet und kritisiert, es sei „atemberaubend“, wie viel Trump in weniger als 100 Tagen zerstört habe. Was ist die bislang schwerwiegendste Fehlentscheidung von Trump?
Küppersbusch: Mit „It’s the economy, stupid!“ gewann Bill Clinton 1992 die Wahl. Trumps Zollzauber greift in die Altersvorsorge der US-Bürger, die handelspolitischen Wirkungen sind unabsehbar. Trumps Chance zu scheitern ist traurigerweise die, dass die Leute auch erst mal immer an ihr Geld denken.
taz: In Ungarn wurden LGBTQ+-Rechte noch weiter eingeschränkt, in Großbritannien ein Gerichtsurteil erlassen, das Trans*rechte angreift. Ist das der totale Backlash?
Küppersbusch: Im Guten wie im Schlechten: Was das Mensch einmal spitzgekriegt hat, geht nicht mehr verloren. Lesen wir es doch lieber als einen Pendelschlag. Vielen ging’s ein bisschen zu schnell und heftig mit dem Fortschritt, und im nächsten Durchgang wird es darum gehen, die mitzunehmen. Wenn der Durchschnittsmensch sein Rollengefängnis leid ist und seinen Vorteil in der Veränderung sieht, wird’s leichter.
taz: Jens Spahn (CDU) meint, man müsse anerkennen, dass Millionen Menschen die AfD gewählt haben. Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) ist der Meinung, die AfD könnte man nur politisch stellen. Was meinen Sie dazu?
Küppersbusch: Dieser Ansatz versteht die AfD als politische Kraft und versucht also, sie politisch zu bekämpfen. Tatsächlich ist sie vor allem ein kulturelles und psychologisches Phänomen. Es ist, also wollte ein Fußballteam auf den Schiri setzen gegen eine Mannschaft, die mehr so vom Handball kommt und auf die Regeln scheißt, aber schon etwas Einfluss gewinnt auf die Wahl des Schiedsrichters.
taz: Und was macht der RWE?
Küppersbusch: Zu Saisonbeginn war die Mannschaft fast komplett ausgetauscht, dann kam ein neuer Trainer. Ergebnis: Abstiegsplatz 18. Inzwischen haben Trainer und Team die beste Rückrunde hingelegt. Zur nächsten Saison gehen aber circa zehn Spieler wieder. Fragen: Leyla Roos
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