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Geschmack wie in El SalvadorUnser Platz

Nicht mehr nur trockenes Buschwerk: Wie verwandelt wirkt der Zickenplatz in Berlin-Kreuzberg, als Laura dort ihren Geburtstag feiert.

S alsa. Merengue, Cumbia queer: Man weiß nicht, wer den Bluetoothspeaker ins Gestänge des Verkehrsschilds gehängt hat. Aber darunter hat sich an zwei selbst mitgebrachten Biertischen eine Gesellschaft niedergelassen und so am späten Nachmittag eine Ecke vom westlichen Ende des Zickenplatz abgezwackt, um einen Geburtstag in den Vierzigern zu feiern.

Laura, ursprünglich aus El Salvador, die im anbrechenden Abendrot eine symbolische Zahl Kerzchen auf einer geschichteten Torte ausbläst, sagt kurz darauf, ich habe schon mal gesehen, dass man das hier so macht, und ich habe mir gedacht, warum nicht auch wir?

Auf den Holzbänken sitzt ein Sample von Lauras Berliner Community: Eltern von Kita-Freund:innen ihres Sohns, ehemalige Mitdoktorandinnen, Nachbar:innen, Freunde von Freunden und deren Kinder.

„Komm zum Zickenplatz, 17 Uhr“, schrieb mir morgens eine gemeinsame Freundin. Mit dem länglichen Platz assoziierte ich bis dahin nur trockenes Buschwerk, platt getretenen Rasen, Müll. Wo dienstags und samstags ein Ökomarkt aufploppt, schöpft Laura kurz nach fünf nun großzügig Bohnensuppe in die Schalen der Gäste. Auf dem Tisch stehen Reis und Toppings wie Sour Creme, Avocado, Schafskäse und Chipotle-Chilli, und sie ruft: Ihr müsst alles nehmen, sonst schmeckte es nicht wie in El Salvador!

Einige hadern mit den Suppenknochen, der Schärfe, doch bald legt sich ein Lächeln auf die Münder. Im Nachgang wird die Torte verteilt. In der Süße verschmelzen Münder, die sich bei der Begrüßung noch Luftküsse gegeben haben oder laues Schulterklopfen.

Rasch verzieht sich der Nachwuchs auf den Spielplatz mit tortenverschmierten Mündern, Bällen und Kreiden. Das alkoholfreie Bier weicht dem Prosecco. Aus den Körben der Lastenräder tauchen Rotweinflaschen auf, die Laternen springen an und die Party tanzt. Im Dunkeln kehren Kinder zurück, sie haben Geld gefunden, ein paar Scheine und Münzen und strahlen uns an. Mein Bild vom Zickenplatz hat sich an dem Abend vollkommen verändert.

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Timo Berger

Timo Berger

Jahrgang 1974, arbeitet nach Auslandsaufenthalten in Buenos Aires als Journalist und Kulturmanager in Berlin, schreibt seit 2007 für die taz. Hauptsächlich Berliner Szenen, aber auch Rezensionen.
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