Antizyklisch unterwegs: Der nächste Winter kommt bestimmt
In Berlin-Schöneberg ist ein kleiner Superman im Einsatz und geht einer seltsamen Begebenheit auf den Grund.
E s ist ein heißer Sonntag mitten in den Schulferien. In Schöneberg ist es ruhiger als sonst und ich sitze in meinem neuen Lieblingscafé im Schatten, trinke kalten Kaffee, behalte die Wespen im Auge und wollte eigentlich arbeiten. Ab und an schiele ich auf meine Tasche, in der mein Laptop steckt, aber irgendwie bin ich zu faul.
Leute in bunten Klamotten schlendern vorbei, haben Hunde, Kinderwagen oder Fahrräder dabei. Gegen die Sonne sehe ich von weitem etwas Seltsames. Eine Frau mit Skiern kommt die Straße herunter. Ich blinzele, weil ich annehme, es ist eine optische Täuschung, aber nein, als sie näher kommt, hat sie ein paar Abfahrtsskier unter dem Arm und hinten zwei Stöcke im Rucksack.
„Mama, guck mal, die Frau“, sagt ein kleiner Junge mit einem Superman-T-Shirt und einem Eis kurz vor meinem Tisch.
Seine Mutter sieht zu der Frau und lacht. „Na, wo die wohl hinwill?“
Superman bleibt stehen und vergisst, an seinem Eis zu lecken. „Sucht die Schnee?“
„Tja“, macht seine Mutter. „Frag doch mal.“
Au ja, denke ich. Bitte.
Als die Frau näher kommt, fragt der Junge tatsächlich: „Willst du Ski fahren?“
Die Frau mit den Skiern lacht: „Irgendwann schon. Jetzt wird es wohl schwierig.“
Superman sagt: „Ich fahre Schlitten. Aber im Winter. Warum hast du die denn dabei?“
„Ich habe die da hinten auf dem Flohmarkt gekauft. War ein unschlagbarer Preis. Da musste ich sie mitnehmen.“ Die Skier-Frau grinst und sieht die Mutter an. „Sonst trag ich eher selten Skier im Hochsommer rum.“
„Na irgendwann kommt der Winter ja bestimmt“, sagt die Mutter.
„Dauert aber hoffentlich noch ein bisschen.“
Ein älteres Paar kommt vorbei, sieht die Frau mit den Skiern, senkt den Blick, und er murmelt: „Versteh noch einer die Welt. Da kannste bloß abdrehen.“
Als sie weg sind, hole ich meinen Laptop hervor und beginne zu schreiben.
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