Kollateralschaden des Komforts: Neue Sitzordnung
Die strengen Regeln am Flughafen und beim Billigflieger sind keine Schikanen, sondern nur ein ungünstiger Nebeneffekt. Das behauptet zumindest die KI.
V erzweifelt zwänge ich meine 1,5-Liter-Flasche in die zehn Zentimeter zwischen Wasserhahn und Becken. Das warme Rinnsal bricht alle 3,5 Sekunden ab. Hygiene, Wasserersparnis und Komfort erklärt mir Chat-GPT, auf die Frage, wieso alle Flughäfen diese Bewegungsmelder haben. Dass es fast unmöglich ist, eine Flasche aufzufüllen, ist also nur ein ungünstiger Nebeneffekt. Kollateralschaden des Komforts.
Meine halbvolle Pulle baumelt lässig in meiner Linken, als ich beim Boarding entdeckt werde. Eine Ryanair-Mitarbeiterin zeigt auf das Eisengestell: „Passt Ihr Rucksack da rein?“ Ich versuchs. „Längs, nicht quer.“ Ich zerre meinen Pulli heraus. „Er muss richtig drin sein.“ Gewalttätig drücke ich ihn noch drei Zentimeter tiefer. Nicken. Chatty erklärt: „Gepäck kostet – nur so bleiben die Tickets für die anderen Passagiere besonders billig.“
Im Flugzeug quetsche ich mich auf den Mittelsitz, weil ich nicht draufgezahlt habe. Ich weiß längst: alles zu meinem Besten. Einem Paar mit Säugling geht es ähnlich. Sie wollen sich gerade trennen als eine junge Frau aufsteht: „Wenn Sie nebeneinandersitzen wollen, können wir gerne tauschen“. Der Mann nickt glücklich. Dann fragt er den Fensterplatz: „Wir reisen noch mit einer Freundin … meinen Sie …?“ „Klar! Wo soll ich hin?“
Jetzt gibt es kein Halten mehr. „Ist es für Sie nicht angenehmer am Gang zu sitzen?“, fragt auch mein Sitznachbar. „Angenehmer schon“, gebe ich zu. „Na dann tauschen wir natürlich“, sagt er und steht auf. „Ich bin ja 40 Zentimeter kürzer als Sie.“ Unter dem strengen Blick der Stewardess bringen wir etwas schuldbewusst die ganze spontane Ordnung durcheinander, die der freie Markt für uns geschaffen hatte. Den Flug verbringe ich damit, Chatty zu erklären, was spontane Selbstorganisation ist. Aber das versteht er noch nicht.
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