Wohnraummangel in Hamburg: Kein Platz für Obdachlose
Hamburg kann derzeit 2.200 wohnungslosen Menschen keine Unterkunft anbieten. Und die Notübernachtungsstellen sind praktisch ausgelastet.
Der rot-grüne Hamburger Senat tut sich schwer, wohnungslose Menschen unterzubringen. Wie eine parlamentarische Anfrage der Linken ergab, standen Ende Mai fast 2.200 Menschen auf der Warteliste für eine öffentlich-rechtliche Unterbringung. Darüber hinaus warten gut 1.100 Geflüchtete in Erstaufnahmeeinrichtungen auf eine Wohnung.
„Dass Tausende Menschen in Hamburg trotz Obdach- oder Wohnungslosigkeit keinen Platz in einer Unterkunft bekommen, ist ein unhaltbarer Zustand“, kritisiert Olga Fritzsche, Bürgerschaftsabgeordnete der Linken.
Anlass für die Fragen der Linken waren Hinweise aus der Wohnungslosenhilfe und von Beratungsstellen, dass die Fachstellen für Wohnungsnotfälle in den Bezirken, Obdachlose nicht mehr vermitteln könnten. Die Fachstellen versuchen zuallererst zu verhindern, dass Menschen ihre Wohnung überhaupt verlieren. Wenn das nicht gelingt, versuchen sie die Leute öffentlich-rechtlich, das heißt in von der Stadt bereitgestellten Räumen unterzubringen oder ihnen reguläre Wohnungen zu vermitteln.
Defizit auf dem Wohnungsmarkt produziert Obdachlose
Weil der Hamburger Wohnungsmarkt so eng ist, spielen die öffentlich-rechtlichen Unterkünfte eine große Rolle. Knapp 39.000 Menschen wohnten Stand Juni in öffentlich-rechtlicher Unterbringung – bei einer rechnerischen Kapazität von 38.000. Vor einem Jahr waren es noch gut 40.000. Dazu kamen diesen Juni rund 1.400 Geflüchtete in Erstaufnahmen.
Von den 39.000 öffentlich-rechtlich untergebrachten Menschen suchten 26.800 Asyl, weitere 8.400 kamen aus der Ukraine, 3.600 waren hiesige Wohnungslose.
Weil der Bedarf schwankt, nutzt der Senat auch temporäre Lösungen. Insgesamt rund 4.600 Plätze hat die Stadt in Hotels gemietet. Bei 864 davon laufen die Verträge bis Ende des Jahres aus. 360 davon sollen im Anschluss für das Winternotprogramm der Stadt bereitstehen. Bei weiteren Standorten, für die die Verträge auslaufen, bemüht sich der Senat um eine Verlängerung.
Den rund 500 wegfallenden Plätzen stehen 286 Plätze gegenüber, die neu geschaffen werden sollen. Darüber hinaus wies der Senat darauf hin, dass er im Rahmen der Projekte „In Zukunft Wohnen“ und „Housing First“ seit Anfang vergangenen Jahres an die 400 Plätze zusätzlich geschaffen habe.
Der Behörde zufolge ist das Teil einer langfristigen Strategie: „Ziel ist es, den Anteil dauerhaft nutzbarer Unterkünfte zu erhöhen und kostenintensive Interimsstandorte schrittweise zurückzuführen.“ Das Projekt „In Zukunft Wohnen“ sei ein Beispiel hierfür. Dort entstehen Unterkünfte, die zunächst für die öffentlich-rechtliche Unterbringung genutzt und anschließend als geförderter Wohnraum vermietet werden. Das verbinde die kurzfristige Unterbringung mit der langfristigen Schaffung bezahlbaren Wohnraums, so die Behörde.
Olga Fritzsche, Bürgerschafsabgeordnete der Linken
Nichtsdestotrotz gibt es zurzeit ein Defizit und das bedeutet zwangsläufig, dass einige der Wohnungssuchenden auf der Straße landen. Die Linke kritisiert, dass diese Menschen dann auch noch Schwierigkeiten haben, Notübernachtungsplätze zu finden. Wie aus der Antwort des Senats an die Fraktion hervorgeht, sind die wichtigsten Notunterkünfte fast zu 100 Prozent ausgebucht.
Dabei sei eine Unterkunft weit mehr als nur ein Dach über dem Kopf, findet die Die Linke: „Sie ist die Voraussetzung dafür, Stabilität zu gewinnen und den Weg zurück in ein eigenständiges Wohnen zu ermöglichen.“ Schon jetzt hätten wohnungslose Menschen auf dem angespannten Wohnungsmarkt kaum eine Chance. Wenn sie nun nicht einmal mehr einen Platz in einer Unterkunft bekämen, verschärfe sich ihre Notlage weiter.
„Der Senat muss endlich ausreichend Unterbringungsplätze schaffen und die Vermittlung in dauerhaften Wohnraum massiv ausbauen“, fordert die Bürgerschaftsabgeordnete Fritzsche. Nicht gerade einfacher wird das dadurch, dass Flüchtlinge nicht zu lange in den Erstaufnahmeeinrichtungen bleiben sollen, wo ihre Privatsphäre und Freiheit beschnitten ist. Die überfälligen sogenannten Überresidenten wohnten Stand Juni dieses Jahres im Durchschnitt schon 428 Tage in den Erstaufnahmeeinrichtungen.
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