Werbung für Gillette-Rasierer: Ein Appell an Männer
Gillette startet eine Kampagne für Vielfalt und gegen toxische Männlichkeit. Im Netz gibt es Lob, aber auch Hass und Boykottaufrufe.
Für Gillette ist der Rasierer kein schnöder Klingenhalter, mit dem man Bartstoppeln abschneidet. Die Firma stilisierte ihn in Werbefilmen jahrzehntelang zum Produkt, das Menschen erst zu Männern macht. „Wir geben dir alles, was du brauchst, um deinen Mann zu stehen“, heißt es im deutschen Gillette-Werbespot von 1989. Man sieht einen Fußballer, der einen Pokal in die Höhe reckt, einen jubelnden Boxer und einen Astronauten vor dem Raketenstart. In diesen Filmen war der Mann der Siegertyp, die Frau nur Beiwerk.
Heute nennt man diese Dominanz toxische Männlichkeit. Der Gillette-Slogan „Für das Beste im Mann“ wirkt wie aus der Zeit gefallen.
„Ist das das Beste im Mann?“, fragt Gillette nun selbstkritisch in einem US-Werbefilm: Wegen des seit Jahrzehnten bestehenden Männlichkeitsbildes mobbten Kinder einander, belästigten Männer Frauen sexuell und ließen die Kollegen ihre Kolleginnen nicht zu Wort kommen. Man sieht Männer, die am Grill stehen und ihre Söhne beobachten, wie sie sich verprügeln. „Jungen sind nun mal so“ – diese Ausrede gelte heute nicht mehr. Die MeToo-Debatte habe alles verändert.
Der Film appelliert an Männer, bessere Vorbilder zu sein, „weil die Jungs, die heute zugucken, die Männer von morgen sind“. In den sozialen Netzwerken gibt es viel Lob für das Video, aber auch Hass von Nutzern, die Gillette künftig boykottieren wollen.
Empfohlener externer Inhalt
In der deutschen Version heißt es: „Das Beste im Mann hat heute viele Gesichter.“ Die drei Werbevideos, die seit November online sind, preisen ein neues Männlichkeitsbild. Es zeigt Männer, die sich für Gleichberechtigung und Vielfalt einsetzen. Tolle Kampagne.
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Koalitionsverhandlungen
Der SPD scheint zu dämmern: Sie ist auf Merz reingefallen
Parkinson durch Pestizide
Bauernverband gegen mehr Hilfe für erkrankte Bauern
Iranische Aktivistin über Asyl
„Das Bamf interessiert wirklich nur, ob du stirbst“
Von Frankreich lernen
Wie man Rechtsextreme stoppt
Anlegen nach dem Crash
Ruhe bewahren oder umschichten
Verkehrsminister wollen Kostensenkung
Luxusgut Führerschein