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Horrorstadt für Markus SöderAmsterdam verbietet Werbung für Fleisch

Vorreiter Amsterdam: Der Gemeinderat der niederländischen Hauptstadt erlässt ein Werbeverbot für Wurstwaren und andere Klimaschädlichkeiten.

Noch lacht die Wurst – aber nicht mehr lange Foto: Imago/Dreamstime

dpa | Amsterdam verbietet Reklame für Fleisch und fossile Energie. Ab diesem Sommer darf an Straßen, Plätzen und Haltestellen keine Werbung mehr gemacht werden für Hamburger oder Kreuzfahrten oder Dieselautos oder Flugreisen. Eine Mehrheit des Gemeinderats stimmte dem Verbot zu. Nach Angaben der Stadt ist Amsterdam die erste Hauptstadt der Welt, die Fleisch-Reklame verbietet.

Die Grüne Partei GroenLinks, eine der Initiatoren des Verbots, sprach von einem „wichtigen Sieg für das Klima und die öffentliche Gesundheit“. „Für Werbung großer Unternehmen, die die Klimakrise vorantreiben, ist in Amsterdam kein Platz mehr“, sagte die grüne Stadtabgeordnete Jenneke van Pijpen.

Schon 2020 wollte Amsterdam sogenannte fossile Reklame verbieten. Doch bisher kam es nicht dazu. Reklame-Verbote für Dienste oder Produkte, die fossile Energie nutzen und dem Klima schaden, gibt es bereits in anderen niederländischen Städten. Reklame für Fleisch wurde bisher nicht verboten. Im vergangenen Jahr hatte ein Gericht in Den Haag auch eine Klage von Reiseveranstaltern gegen das Reklame-Verbot abgewiesen.

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34 Kommentare

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  • Am IJ-Nordufer hat (Royal Dutch) Shell noch Gebäude, so weit zum Klimawandel. Schiphol nebenan könnte auch rascher seine Flugzahl senken. Kroketten & Co. haben auch wohl mehr Zeugs als Fleisch.

    Gleichwohl wie bei Auto vs. Rad ein gutes Vorbild von dort auch handelnder Politik, denn Rindfleisch & Co. gehören leider zu den Klimaschädlingen, von den körperlichen Folgen eines häufigen Konsums noch zu schweigen. Und McD-Reklamen sind auch keine Zierde, das wird niemand stören, wenn die dann den Veggieburger bewerben. Unser teils staatlich bezahltes deutsches Werbegetrommel für Fleisch war/ist auch ein Tiefpunkt.



    Noch besser: Verpackungssteuer, CO2-Steuer usw.

    Die Niederlande haben übrigens auch bei NOx ein massives Tierhaltungsproblem. Eigentlich dürfte kaum noch gebaut oder Auto gefahren werden.



    Hallo, Güllegürtel DE, den Umstieg bitte heute und selbstbezahlt einleiten.

  • Eigentlich keine Nachricht - ich bin ja dafür jede Werbung zu verbieten. Man wird ja wohl noch träumen dürfen... Ansonsten:



    "Die Grüne Partei GroenLinks..." - Die Holländer verschei..ern uns doch!! ;)

  • Heißt das, dass auch Fotos von Söder in der Stadt verboten sind?

    • @Heat:

      Wieder mal ein voraussichtlich unwirksames Verbot, der Fleischkonsum wird sich um keine einzige Wurst verringern.

      Die gemäßigte und extreme Rechte amüsiert sich köstlich und wird das zu instrumentalisieren wissen.

      • @Josef 123:

        Hallo Heat, ich wollte gar nicht Ihren Kommentar kommentieren, sondern einen eigenen Kommentar abgeben und habe mich vertan. Seien Sie nicht verwirrt und entschuldigen Sie bitte.

  • Habe in jungen Jahren mal ein Jahr lang kein Fleisch gegessen, nachdem ich "Meat is Murder" von den Smiths gehört hatte. Aber mittlerweile sehe ich die Fleischfresserei schon als eine Konstante der Menschheitsgeschichte und beteilige mich an derselben.







    Ernährungsphysiologisch finde ich vor allem die Zuckerzusätze in vielen Lebensmitteln unnötig und schlecht, sie trainieren die



    Konsumenten vom Kindesalter darauf, "süß" als wohlschmeckend zu empfinden. Aber dagegen lässt sich wohl nicht so (anti)-plakativ vorgehen ...

  • Das ist sicher ein großartiger Schritt.

    Sehr gern auch überall in Deutschland.

    Und an allen Fleischtheken großformatige Bilder der unerträglichen Lebensbedingungen der meisten "Nutztiere" und ihr schrecklicher Tod.

    • @shantivanille:

      Viel Glück mit den Bildern. Auf Zigarettenschachteln prangern die seit langem. Und? Kennen Sie auch nur einen einzigen Menschen der explizit wegen der Bilder aufgehört hat?



      Ich nicht.

      • @Antje1971:

        Werbeverbot und Schockbilder tragen aber dazu bei, dass Leute gar nicht anfangen zu rauchen und kosten überdies niemanden etwas.

  • Entgegen der allgemeinen Ansicht, ist die heute übliche Psychoaktive Werbung weit wirksamer als sich 98% der Menschen das zu gestehen.

    Insofern ist dies einer der wirksamsten Hebel um das Konsumverhalten ganzer Gesellschaften zu beeinflussen.



    Die angelaufene Klimakatastrophe, deren existenzielle Bedrohung so gerne verdrängt wird, ist somit ein Paradebeispiel für einen Themenkomplex dessen Bedeutung auch durch Werbung zugänglich und verständlich gemacht werden muss.

    Wobei das Werbe-Verbot für Klimaschädliche Produkte auch nur ein erster Schritt sein kann. Die weiteren Schritte sollten darin bestehen, Werbung auch gezielt für *Klimapositive* Bestrebungen aller art zu nutzen.



    Natürlich widerstrebt das der kapitalistischen Verwertungslogik. Aber die Klimakatastrophe ist nun mal da und früher oder später wird allen klar werden, daß wir wirklich alle Hebel einsetzen müssen um zu retten was zu retten ist.

    Holland ist da mal wieder weiter als der dt Michel.. Aber irgendwann wird den Menschen auch hier zu Lande ein Licht aufgehen..

    • @Wunderwelt:

      "Insofern ist dies einer der wirksamsten Hebel um das Konsumverhalten ganzer Gesellschaften zu beeinflussen."

      Schlicht und ergreifend: Nein. Ich kenne niemanden, der wegen des Werbeverbots für Tabak das Rauchen aufgehört hat.

      • @Josef 123:

        Ja klar, ist ja auch Suchtverhalten. Ich zitiere außerdem nochmal den Originalpost: „Natürlich widerstrebt das der kapitalistischen Verwertungslogik.“

        • @derzwerg:

          Ich habe mich zu EINEM Satz des Kommentars von Wunderwelt geäußert. Nicht mehr und nicht weniger.

  • Man kann nur hoffen, daß die hiesigen Kommentare nicht repräsentativ sind.!

    Denn wohlgemerkt: es geht nicht um das Verbot von Fleisch, etc. sondern darum die gezielte Werbung für (verzichtbare) Produkte mit denen sich die Menschheit selber sehr schadet zu vereiteln.







    Vlt haben hier einige einfach nicht nach gedacht. Andernfalls muß man ihnen unterstellen, daß ihnen die Zukunft der Menschheit ganz einfach Sch&%ßegal ist oder sie einen solchen Untergang vlt (unbewußt) sogar wollen..

  • Frage: Würde man z.B. Söder jetzt gegen das Werbeverbot verstoßen wenn er sich in Amsterdam beim Wurstessen im Netz zeigt?

    Na ja, so lange Fleisch essen nicht verboten ist, esse ich meinem Essen kein Essen weg!

  • Das finde ich nicht richtig.



    Egal wie man zu Fleisch steht und aus welchen Gründen man seine Meinung hat, ist Fleisch ein sehr Nährstoffreiches Lebensmittel was einen Großteil des menschlichen Bedarfs an Mineralien und Vitaminen deckt. Das als ungesund zu bezeichnen ist eine Meinung und wissenschaftlich nicht haltbar.



    Hier geht es also nicht um Gesundheitsführsorge, sondern darum anderen seine Meinung aufzuzwingen, und das ist nie in Ordnung!

    • @Rikard Dobos:

      Es geht nicht um Meinungen. Es geht um Tierschutz.

      Niemand braucht Fleisch.

      Vegetarier sind leistungsfähiger:



      Lewis Hamilton, Venus Williams, Serena Williams



      Carl Lewis, Dirk Nowitzki und seit einer Reihe von Jahren: Arnold Schwarzenegger.

      Man gewinnt auch den Iron Man als Vegetarier:



      Patrick Lange: „Ohne Fleisch kann ich schneller regenerieren und bin leistungsfähiger.“



      So auch Jan Frodeno, der erste Triathlet, der sowohl olympisches Gold als auch den Ironman Hawaii gewonnen hat, den ältesten und anspruchsvollsten Triathlon-Wettbewerb der Welt, in dem die Sportler 3,8 km schwimmen, 180 km radeln, und 42,4 km laufen.

      Allein 35 Prozent des weltweit angebauten Getreides sind inzwischen für die Tierhaltung bestimmt. In Deutschland sind es im Schnitt sogar über 60 Prozent.

      Fast ein Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen werden durch die Rodung von Flächen für die Viehwirtschaft verursacht. Und die Gewässer voller Nitrate.

      Wir zahlen dafür mit, dass sich Fleischesser den Wanst mit diesem Zeugs vollstopfen. Wir müssen diese Leute auch noch riechen.

      Plus diese wahnsinnige Tier-Quälerei!

      Der Ethik-Level von Fleischessern?

      • @shantivanille:

        Soll ich jetzt genau so viele Spitzensportler aufzählen die keine Vegetarier sind?



        Gerade bei Leistungssportler ist es kein Problem auf Fleisch zu verzichten. Die nehmen ohnehin ganz viel Nahrungsergänzungsmittel, da braucht es tatsächlich kein Fleisch.

    • @Rikard Dobos:

      Jeder darf weiterhin Fleisch essen und Flugreisen machen. Auf kummunaler Ebene haben sich die gewählten Vertreter nur dafür entschieden, dass in ihrer Stadt keine Werbung mehr dafür ist.

      Es geht dabei auch nicht um die Gesundheit, sondern die Auswirkung auf das Klima. Und die ist unbestritten bei Fleisch größer als bei Gemüse.

      • @TomekD:

        Es wirkt auch schon. Es ist kälter geworden. Die Gasspeicher sind auch schon fast leer. Die Erderhitzung lässt spürbar nach. Das sollte uns wichtiger sein als alles andere. Wenn der Meeresspiegel weiter so dramatisch steigt, ist es für Amsterdam sowieso vorbei und niemand kauft dort mehr Fleisch.

    • @Rikard Dobos:

      Fleisch hat Vitamine? Ich erinnere an Nadine von RTL2.

      Desweiteren wird den Schweinen, Rindern und Hühnern in Massenvernichtungshallen Nahrungsergänzungsmittel und künstlich hergestellte Vitamine in ihr Futter gemischt. Zusammen mit Antibiotika, damit die in ihrer eigenen Scheiße laufen können.

      DAS steckt dann im Fleisch drin.

      • @Troll Eulenspiegel:

        Wo kaufst du denn dein Fleisch? Die Tiere die ich esse, laufen nicht in ihrer Scheiße und bekommen auch kein Antibiotika.

        • @charly_paganini:

          Zunächst einmal ernähre ich mich vegan, was Grundvoraussetzung ist.

          Zweitens, diejenigen, die nicht viel Geld bei sich haben, werden sich mit Billigfleisch zufrieden geben müssen. Und wo kommt es her und welche Haltungsform hat das Fleisch? Zahlen und Gütesiegel kann der Hersteller auch mogeln.

          Drittens, siehe Vogelgrippe oder andere Krankheiten: Plötzlich heißt es dann Stallpflicht, weil die Krankheit soll sich nicht durch Freilandhaltung auf andere Höfe ausbreiten. Tausende Tiere eingepfercht, laufen durch ihren eigenen Kot, Neonlicht statt Sonnen- und Mondlicht, bei Schweinen und Hühnern teilweise Kannibalismus zu beobachten.

          Viertens, nicht jeder hat die Möglichkeit, die Kuh oder das Schwein vom Bauer nebenan zu essen, dessen Tier viel Auslauf hatte.

          Fünftens, vegane Ernährung ist eine moralische Pflicht.

          • @Troll Eulenspiegel:

            "ernähre ich mich vegan, was Grundvoraussetzung ist."



            Grundvoraussetzung wofür? Hier schreiben zu dürfen? Wählen zu dürfen? Sich für etwas besseres zu halten?



            "vegane Ernährung ist eine moralische Pflicht."



            Und was Moral ist, legen auch Sie fest?



            Eine solche Hybris wäre in einer Partnerschaft ein absoluter Trennungsgrund

            • @Oleg Fedotov:

              Tut eigentlich nichts zur Sache die Partnerschaft. Was mit dem Trennungsgrund angeht: Deswegen wollen Veganer auch keine Fleischesser als Partner. Wird in manchen Partnerbörsen auch explizit gesagt. Bei anderen Veganern in der Beziehung, die sehen das richtig.

              Grundvoraussetzung übrigens, um linke progressive Positionen überhaupt beziehen zu wollen. Siehe Antifaschismus, Queerfeminismus, Intersektionalismus wo fast jede(r) vegan lebt, weil diese Menschen halt wissen, dass Fleischkonsum bedeutet, dass Tiere schreckliches Leid erfahren.

  • Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten.



    Wie kann man nur so betriebsblind sein.

  • Wenns hilft. Ich bin skeptisch. Zigarettenmarken dürfen schon lange nicht mehr werben, trotzdem erfreut sich das Rauchen nach wie vor großer Beliebtheit. Jüngere rauchen zwar weniger, das liegt aber eher an Aufklärungskampagnen über die gesundheitlichen Folgen des Rauchens als am Werbeverbot.



    Schlauer würde ich es finden, wenn fossile Werbung teurer wäre und die Firmen somit einen zusätzlichen finanziellen Beitrag leisten müssten.



    Schnitzel, Bratwurst und Döner rein durch Werbeverbote aus dem kulturellen Mittelpunkt der Gesellschaft zu verdrängen dürfte Äonen dauern, im worst case erzeugt es eine 'jetzt erst recht' Protestwelle - Bevormundung hat sich schließlich in den letzten Jahren als wenig zielführend erwiesen.

  • Was kommt als nächstes, Verbot für Käsewerbung? Ist schließlich auch ein tierisches Produkt. Wenn das "Frau Antje aus Holland" mitbekommt :-)

    Aber im Ernst: vielleicht sollten die Niederländer einfach weniger Kühe halten, dann müssten sie ihre Gülle nicht nach Niedersachsen und NRW exportieren. Oder Deutschland führt ein Einfuhrverbot für ausländische Gülle ein, schließlich gibt es auch bei uns Regionen, in denen viel zuviel Gülle anfällt, um noch sinnvoll als Dünger verwendet werden zu können.

    • @Offebacher:

      Vielleicht sollte man Fleischprodukte einfach bewusster konsumieren, weniger wegwerfen, nachhaltige (soweit überhaupt möglich) Produzenten angemessen bezahlen und sie nicht zu wertloser Massenware verkommen lassen.

  • Eine verdammt dumme Idee.



    Markus Söder hat Recht.



    Niemand kann wollen, dass die Menschheit diesen Eindruck erlangt.

  • Muss man auch hier einführen. Grundgesetzesänderung:



    -Werbung aller Art ist verboten.

    Achja... Die Sache mit dem Fleisch. Begrüße ich doppelt.

    • @Troll Eulenspiegel:

      Ich behaupte, dass Werbung auf mein Kaufverhalten keinen Einfluss mehr hat.



      Trotzdem würde ich ein Werbeverbot sehr begrüßen, und zwar gezielt für die Werbung mit dem, der mein Auto kaufen.de will.



      Dabei ist die Grenze zwischen Werbung und Folter deutlich überschritten.

      • @Erfahrungssammler:

        Zur Integrität in Fragen v. Manipulationen durch Werbung bin ich skeptisch:



        "Die Kunst des Andeutens



        Während direkte Werbung oft darauf abzielt, den Konsumenten zu überzeugen, setzt subtile Werbung darauf, dass man selbst Schlüsse zieht. Statt einer klaren Botschaft wird oft nur ein Hauch, eine Andeutung gegeben. Der Schlüssel liegt darin, die Neugier zu wecken, sodass der Betrachter nach mehr sucht."



        Quelle der-andere-verlag.de

        Das kann man lernen, um es gewinnbringend einzusetzen:

        "Unterschwellige Werbung bezeichnet eine Form der Werbekommunikation, bei der Botschaften so gestaltet sind, dass sie die bewusste Wahrnehmung umgehen und stattdessen das Unterbewusstsein ansprechen. Ziel ist es, das Verhalten oder die Einstellungen der Zielgruppe zu beeinflussen, ohne dass diese den Einfluss direkt wahrnimmt. Unterschwellige Werbung nutzt visuelle, auditive oder sprachliche Reize, die meist sehr kurz oder subtil eingebettet sind und oft nicht bewusst wahrgenommen werden."



        Bei marketing.ch

        Zunehmend werden auch olfaktorische Reize untermischt, im Falle von Essen könnte das Wunder wirken, da bin ich mit bei Wurst, Döner & Co sicher.



        Duftmarken setzen m. Duftmarketing via Duftsignatur?

        • @Martin Rees:

          Sie wissen es, und ich weiß es auch.