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Wasserknappheit wegen Rechenzentren Digital first, denken second

Kommentar von

Svenja Bergt

Der Wasserverbrauch von Rechenzentren verstärkt die Klimakrise. Von der Bundesregierung braucht es konsequente Vorgaben für sparsame Technologien.

D er Umweltminister versucht gerade im Alleingang, einen Windmühlenflügel festzuhalten. Ist Wasser knapp, will Carsten Schneider (SPD) die Betreiber von Rechenzentren mehr für ihren Verbrauch zahlen lassen. Alternativ sollten sie in sparsame Technologie investieren, erklärte er Anfang der Woche vor einem EU-Gipfel zum Thema Wasser.

Diese Haltung ist zwar für einen Umweltminister nicht überraschend, für diese Bundesregierung aber schon. Denn die ist zwar in vielen Dingen etwas diffus, bei einem aber sehr klar: Deutschland soll mehr Rechenzentren bekommen. Und zwar nicht ein bisschen mehr, sondern so richtig viel mehr. Bis 2030 sollen die Kapazitäten mindestens verdoppelt werden im Vergleich zu 2025.

Die Kapazitäten von Rechenzentren werden in ihrer Anschlussleistung gemessen, 2025 waren es der Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung zufolge 2.980 Megawatt. Dass die Rechenzentrumsstrategie an dieser und anderen Stellen auf Zahlen des Borderstep Instituts verweist, deutet darauf hin, dass sie selbst keinen systematischen Überblick über den Stand hat, was auch ein Problem ist, aber ein anderes.

Gegen die US-Abhängigkeit

Dabei ist der Ansatz ja richtig: Wir kommen in Deutschland nicht um eigene Rechenzentren herum. Okay, kommen wir schon, wenn wir uns weiterhin von US-Anbietern abhängig machen wollen und die Daten von Privatpersonen, von Unternehmen und von Behörden fröhlich weiter in deren Clouds schieben. Und gleichzeitig auf Software made in USA setzen, statt darauf, Open-Source-Anwendungen selbst zu hosten und damit unabhängig zu sein von den Launen eines US-Präsidenten – und der Preispolitik der Tech-Konzerne.

Die Frage ist aber: In welcher Menge und unter welchen Bedingungen werden diese Rechenzentren gebaut und betrieben? Und hier fährt die Bundesregierung leider die Strategie: digital first, denken second.

Ein Symptom dafür ist das Energieeffizienzgesetz, das derzeit im Bundestag liegt und passenderweise diese Woche Gegenstand einer Ex­per­t:in­nen­an­hö­rung war. Das Energieeffizienzgesetz sieht, anders als sein Name suggeriert, bei Rechenzentren eine Lockerung der Vorgaben zum Ressourcenverbrauch vor. Dabei bräuchte es in Zeiten, in denen Flüsse bundesweit historisch wenig Wasser führen, ein Sommer, in dem für die Landwirtschaft richtige Regenmenge zur Ausnahme wird und sich An­woh­ne­r:in­nen dort, wo Rechenzentren geplant werden, Sorgen über die Wasserversorgung machen, eher striktere Vorgaben als lockerere.

Spargel oder Rechenzentrum

Es wäre daher ein Leichtes, in Konkurrenzdenken zu verfallen: Brauchen wir das Wasser zum Beispiel für Spargel, bei dem der Anbau jedes Kilos verschiedenen Schätzungen zufolge Wassermengen im vierstelligen Literbereich benötigt? Oder für die Kühlung eines Rechenzentrums, in dem Behörden Daten der Bür­ge­r:in­nen speichern?

Aber Konkurrenzdenken hilft nicht weiter. Sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme. Zum Beispiel in Brandenburg, eine der trockensten Regionen in Deutschland. Dort baut Amazon Rechenzentren für seinen Cloud-Dienst AWS. Amazon hat Greenpeace zufolge versprochen, Regenwasser zur Kühlung einzusetzen, doch die Organisation bezweifelt, dass dafür ausreichend Niederschlag vorhanden ist. Aber abgesehen davon: Helfen AWS-Rechenzentren Deutschland und Europa weiter in Sachen Unabhängigkeit von US-Anbietern? Nein, auch wenn AWS in diesem Fall tatsächlich einiges an technischem und organisatorischem Aufwand betreibt, um so unabhängig wie möglich zu scheinen.

Was stattdessen helfen würde: eine ehrliche Prognose der Kapazitäten, die gebraucht werden, um digitale Souveränität zu sichern. Sehr wahrscheinlich wird das deutlich unter den aktuellen Prognosen der Bundesregierung liegen. Und ein Ausloten der Standorte, an denen diese möglichst wenig ökologische Schäden anrichten. Keine wird nicht möglich sein, schließlich ist ja alleine schon der Flächenverbrauch ein Schaden. Vorgaben zu sparsamen Technologien sollten in Zeiten der Klimakrise ohnehin eine Selbstverständlichkeit sein – und kein einzelner Griff nach dem Windmühlenflügel.

Svenja Bergt Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt

schreibt über vernetzte Welten, digitale Wirtschaft und lange Wörter (Datenschutz-Grundverordnung, Plattformökonomie, Nutzungsbedingungen). Manchmal und wenn es die Saison zulässt, auch über alte Apfelsorten. Bevor sie zur taz kam, hat sie unter anderem für den MDR als Multimedia-Redakteurin gearbeitet. Autorin der Kolumne Digitalozän.
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7 Kommentare

  • Landlüüt

    Der letzte Sommer hat klar gezeigt in welche Richtung die Verfügbarkeit der Ressource Wasser zeigt.



    Wasser wird ein knappes Gut Kapitalistische und urbane kommunale ( z.B Hamburger Wasser) haben kein Interesse an Kreislaufwirtschaft. Wenn der Grundwasserspiegel in Brandenburg oder in der Lüneburger Heide fehlt, ist das Problem der anderen.



    Wasser muss einen fairen Preis bekommen und Abwärme (z.b aus rechenzentren) auch.

  • Ramaz

    Große Rechenzentren direkt auf's Meer zu den Windparks im Wasser.



    Energie und Kühlung ohne Ende und außerdem entsteht dabei eine gut klimatisierte Muschelfarm ganz nebenbei.

    • Woodbine

      @Ramaz:

      Genau. ☺ Könnte allerdings sein, dass die weiter enorm steigenden Meerestemperaturen nicht mehr lange Kühlung hergeben.

      • Tobias Schrabe

        @Woodbine:

        Angesichts der steigenden Meeresspiegel könnte das aber auch genau der richtige Weg sein: Geschlossene Kühlkreisläufe für Rechner gekoppelt mit Salzwasser-Verdampfungungsbecken mit Meersalzgewinnung für die Spargel-Gourmets. KI ist ebenso toll wie verrückt. Ich frage bei Computerproblemen mit Anwenderprogrammen immer wieder um Rat und sobald es knifflig wird, erfindet (halluziniert) die KI einfach Optionen in Dialoge, die das Problem zwar lösen würden, die aber nicht da sind. Sehr unterhaltsam und für mich die Bestätigung, dass noch bevor die KI die Weltherrschaft übernommen hat, sie bereist in den Prozess der geistigen Verwahrlosung (Eliten-Dekadenz) übergegangen ist, weil sie sich für ihren Aufstieg nie selbst an der Realität prüfen musste, sondern immer nur Werkzeug von Handelnden war, die sich partielle Vorteile verschaffen und wenn es keine sind, sie auch selber ausbaden (wie bei KI für Kriegsführung). Im Grunde wie die Evolution der Schusswaffen von Arkebuse (Suchmaschinen wie Google) bis zum G36, das, wenn es heiß wird, nicht geradeaus schießt oder die GPS-Lenksysteme, die im Kriegsfall einfach gestört werden, die PZH2000s, Leos, Abrams, die schnell verschleißen.

  • Woodbine

    "Amazon hat Greenpeace zufolge versprochen, Regenwasser zur Kühlung einzusetzen, doch die Organisation bezweifelt, dass dafür ausreichend Niederschlag vorhanden ist."



    Das muss man auch bezweifeln, wie solche Versprechungen überhaupt.



    Deutschlands Grundwasserkörper ist beängstigend geschrumpft. Nicht jede Fläche ist geeignet, als Versickerungsfläche zu dienen. Brandenburg hat besonders wenige solcher Flächen. Eine davon ist übrigens mit dem Tesla-Werk überbaut.

    So lange wir unseren Umgang mit Wasser nicht dahingehend ändern, dass Regenwasser in der Fläche versickern und zu Grundwasser werden kann, gehen wir ganz dürren Zeiten entgegen. Die teils gigantisch geplanten Rechenzentren gehen vorher an den Start. Ein weiteres Beispiel für kurzsichtige Schnellschüsse, nachdem man zu lange geschlafen hat.

  • Philippo1000

    Tja,



    Mir ist immer noch nicht klar, warum Menschen, die sich so oft für Freiheit aussprechen, den Staat als Regulativ fordern.



    Es wäre doch einfach möglich, KI nicht zu nutzen.



    Doch es ist, wie so oft , paradox:



    In den sozialen Netzwerken wird Persönliches bis ins Detail veröffentlicht,



    doch der Staat soll keine Daten haben.



    Wenn es um finanzielle Unterstützungen geht, soll der Staat natürlich doch die Daten haben,



    Es gibt Angst vor Bewegungsprofilen, doch bei Firmen, die mit diesen Daten handeln, gibt man*frau sie freiwillig ab.



    Wie wäre es, statt stets die Verantwortung beim Staat zu suchen, mal selbst für das eigene Leben Verantwortung zu übernehmen?



    Für’s Klima: nicht Fliegen !



    Für‘s Grundwasser: kein Tesla!



    Für die Freiheit: keine „afd“ !



    KI nicht zu nutzen, selbst zu denken, oder mal was nachzuschlagen ist gut fürs Hirn.



    Zunehmend wird KI auch ein substanzieller Klima Killer.



    Es ist ganz einfach, die richtigen Dinge zu tun oder zu lassen.



    Warum immer erst das Kind in den Brunnen werfen und dann nach dem Staat schreien?

  • Troll Eulenspiegel

    Rechenzentren verbieten und KI nur für die Wissenschaft oder die Medizin nutzen? Oder ist die Idee zu antikapitalistisch? Dass KI überhaupt soviel Wasser verbraucht liegt doch darin, dass bis zu 8 Milliarden Menschen auf Schritt und Tritt überwacht werden sollen und dass alle schön ihre Apps mit KI-Unterstützung konsumieren.

    Toll, dass jedem Menschen erlaubt sein darf, KI nutzen zu dürfen. Am Rande einer Vollkatastrophe sehe ich es aber als falsch an.