Was Bayern-Fans nie erleben werden: Summende Handflächen
Im Station kochen die Emotionen. Da kann man sich schon mal ein paar Katzen einbilden.
Und wieder fällt ein Gegentor. Irgendwie ist der Wurm drin. „Das kann doch nicht wahr sein.“ Carsten stöhnt. Auf den Rängen ist es lähmend still. „Nur durch die Tiefen erfahren wir die Höhen“, versuche ich ihn aufzumuntern. „Was ist denn das für ein Spruch? Gibt's dazu auch ein Katzenvideo?“ „Da steckt viel Wahrheit drin“, verteidige ich mich.
Und es stimmt ja auch. Ein Leben als Bayern-Fan ist doch eine Strafe. Jeden Tag Pizza und Torte ist auf Dauer nicht gesund. Ich bin froh, auch in der vierten Liga gegen Anker Wismar ins Stadion gegangen zu sein. Und dann Jahre später gegen Real Madrid. Diese Bandbreite an Emotionen wird ein Bayern-Fan nie erleben. Carsten schubst mich an. „Die Mannschaft braucht uns.“
Wir stimmen in die Auf geht's!-Gesänge ein, während Christopher Trimmel den Ball zum Anstoßpunkt trägt und pushen die Mannschaft noch einmal nach vorne. Es läuft bereits die Nachspielzeit. Vielleicht fällt noch das erlösende Tor. Vielleicht verlieren wir diesmal nicht. Vielleicht ist das der Moment, wo die Saison ins Gute kippt.
Aber so ist es nicht. Der Schiedsrichter pfeift ab und das Spiel ist verloren. Wir klatschen trotzdem weiter, werden sogar noch einmal lauter. Die Spieler haben schließlich alles versucht. Ich schaue zur Videoleinwand. Statt des Ergebnisses sind dort jetzt zwei weiße Katzen zu sehen, die in einen roten Sonnenaufgang hineinreiten.
Sehe ich das wirklich? Oder halluziniere ich? Ich halte inne. Meine Handflächen summen. Ich spüre, wie sie summen, aber hören kann ich sie nicht. Um mich herum wird weitergeklatscht. Wenn alle kurz innehalten würden, würde man dann im Stadion das Summen unserer Handflächen hören? Die Energie, die Liebe, die wir für diesen Verein und dieses Team empfinden?
„Verlieren ist scheiße.“ Carsten reißt mich aus meinen Gedanken. Innerlich schüttele ich mich kurz. „Gehört halt dazu“, sage ich dann. „Mund abputzen und weiter.“ Von den Katzen und dem Summen sage ich nichts.
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