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Wahl in Mecklenburg-VorpommernWie eine AfD-Regierung doch noch verhindert werden könnte

In Mecklenburg-Vorpommern befindet sich die SPD auf einer Aufholjagd zur AfD. Für die CDU kommen die Rechtsextremen als Bündnispartner nicht infrage.

D ie Blauen sind im Osten die stärkste Partei. Seit Monaten liegt die AfD in Mecklenburg-Vorpommern bei über 35 Prozent. „Wir wollen die Alleinregierung“, versichert Leif-Erik Holm unermüdlich. Der AfD-Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten hofft, bis zur Landtagswahl am 20. September weitere Wählende gewinnen zu können.

Während in Sachsen-Anhalt ein möglicher Wahlerfolg der AfD mit über 40 Prozent die Brandmauer zu den Rechtsextremen bröckeln lässt, steht die Mauer in Mecklenburg-Vorpommern – noch. Allerdings findet diese Haltung von SPD, CDU und Grünen in der Bevölkerung wenig Zuspruch. Jeder zweite Befragte fände eine Beteiligung der selbsternannten Alternative an der Landesregierung „akzeptabel“.

62 Prozent halten es zudem für akzeptabel, eigene Anträge auch dann einzubringen, wenn diese nur mit der AfD Mehrheiten finden würden. Anträge gemeinsam mit der rechtsextremen Partei einzubringen, finden 59 Prozent akzeptabel und 50 Prozent, deren Anträgen zuzustimmen, wie eine Infratest-dimap-Umfrage im Auftrag des NDR am 10. Juli ergab. Nur ein Wert dürfte Holm etwas enttäuschen: 51 Prozent lehnen einen AfD-Ministerpräsidenten ab.

Der ehemalige Radiomoderator und gegenwärtige Bundestagsabgeordnete Holm wertet die Umfrage dennoch als Bestätigung. Auf kommunaler Ebene werde längst zusammengearbeitet. Der Pragmatismus in den Stadt- und Gemeindeparlamenten führt seit Jahren dazu, dass über Kita-, Straßen- oder Wohnungsbauverbesserungen gemeinsam abgestimmt wird.

Akzeptanz von unten nach oben

Durch diese Normalisierung will die AfD von unten nach oben in der Gesellschaft und in den Parteien an Akzeptanz gewinnen. Mit Stimmen aus der CDU und von den Freien Wählern gelang es unlängst, unerwünschte Projekte durch das Streichen kommunaler Mittel zu beschneiden.

Diese Wahl sei eine Richtungsentscheidung, betont Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Sie wird nicht müde zu versichern, dass die AfD „gefährlich“ und „unsozial“ sei. Die Partei hatte sich gegen einen Mindestlohn, beitragsfreie Kitas und ein Tariftreuegesetz positioniert.

Die Ministerpräsidentin erinnert auch daran, dass sie versucht habe, die AfD während der Coronapandemie einzubinden – ohne Erfolg. Diese Partei lasse andere Meinungen nicht gelten und schüchtere Menschen ein, kritisiert Schwesig.

Die schlechten Prognosen für die CDU sind vor allem einem Lagerwahlkampf geschuldet

Ihre SPD ist seit Wochen auf einer Aufholjagd zur AfD. Gegenwärtig liegt sie bei 29 Prozent. Die CDU um Spitzenkandidat Daniel Peters fiel auf 9 Prozent zurück. Peters hält Schwesig vor, Angst vor der AfD zu betreiben, statt politische Lösungen anzubieten. Zugleich räumt er ein, dass mit der AfD als Chaostruppe nicht regiert werden könne.

Die schlechten Prognosen für die CDU sind vor allem einem Lagerwahlkampf geschuldet. Trotzdem führt Mecklenburg-Vorpommerns CDU keine öffentliche Debatte über eine Zusammenarbeit mit der AfD. Eine Annäherung der beiden Parteien ist nicht zu erwarten.

Der Übertritt des CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Diener zur AfD im Juni war auf Landesebene ein Einzelfall. Anders als in der CDU Sachsen-Anhalts scheint ein gemeinsames Regieren für die CDU des Küstenlandes ein Tabu zu sein – selbst wenn es darum ginge, eine rot-rot-grüne Regierung zu verhindern.

Die Grünen könnten mit 5 Prozent wieder in den Landtag einziehen. 2016 scheiterten sie mit 4,8 Prozent. Alleine das BSW signalisierte eine Offenheit zur AfD. Sahra Wagenknechts Bündnis liegt bei 4 Prozent. Für dessen Spitzenkandidaten Peter Schabbels ist die NDR-Umfrage „eine rot-rot-grüne Meinungsmache“. Er versichert, nur mit dem BSW werde „ein ‚Weiter so‘ mit Manuela Schwesig“ verhindert – was allerdings nur in Zusammenarbeit mit der AfD möglich wäre.

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Andreas Speit

Andreas Speit Autor

Rechtsextremismusexperte, Jahrgang 1966. In der taz-Nord schreibt er seit 2005 die Kolumne „Der Rechte Rand“. Regelmäßig hält er Vorträge bei NGOs und staatlichen Trägern. Für die Veröffentlichungen wurde er 2007 Lokaljournalist des Jahres und erhielt den Preis des Medium Magazin, 2008 Mitpreisträger des "Grimme Online Award 2008" für das Zeit-Online-Portal "Störungsmelder" und 2012 Journalisten-Sonderpreis "TON ANGEBEN. Rechtsextremismus im Spiegel der Medien" des Deutschen Journalistenverbandes und des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt. Letzte Bücher: herausgegeben: Das Netzwerk der Identitären - Ideologie und Aktionen der Neuen Rechten (2018), Die Entkultivierung des Bürgertum (2019), mit Andrea Röpke: Völkische Landnahme -Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos (2019) mit Jena-Philipp Baeck herausgegeben: Rechte EgoShooter - Von der virtuellen Hetzte zum Livestream-Attentat (2020), Verqueres Denken - Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus (2021).
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3 Kommentare

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  • So wird das nichts:



    "Die schlechten Prognosen für die CDU sind vor allem einem Lagerwahlkampf geschuldet. [..] Eine Annäherung der beiden Parteien [CDU & AFD] ist nicht zu erwarten."

    Welche Partei soll denn der bürgerliche oder sozialliberale Bürger wählen, wenn die CDU sich bedingungslos auf eine linke Regierung festlegt?

    Sowas stärkt lediglich die AfD solange, bis die tatsächlich die Alleinregierung schafft. Denn offenkundig wollen seeehr viele Bürger nicht das, was Rot, Rot, Grün toleriert durch CDU seit Jahren als Politikziele sehen.

    • @uwe:

      So einfache Zusammenhänge scheint irgendwie keiner zu verstehen. Inhaltliches Stellen, Halbieren, Verbotsverfahren....blablabla. Ich habe es so satt!!!

  • Ob regierung oder Opposition: Wer sozial will, kann SPD oder Linke wählen. Wer unsozial will, hat die CDU.



    Wer umweltbewusst will, kann Grüne wählen und evtl. die Linken. Wer dreckig und teuer will, hat die CDU.



    Wer progressiv will, kann eine Partei auf der Linken wählen. Wer konservativ will, hat die CDU.

    Wer ausländerfeindlich will, ist ein Menschenfeind und mag darüber noch mal nachdenken. Und selbst der hätte noch BSW, das wenigstens sozial und auch vernunftbesetzt ist.

    Das Problem ist, dass die Union sich vom sinkenden Kapitän absetzt. Merz ist von Alter wie Leistung nicht mehr so lange dran. Günther wäre die wahlbessere Wahl und auch in der Lage pragmatisch mit Grünen, SPD. ggf. Linken zu koalieren. Wann wechselt die CDU das eigentliche Problem aus? Merz kann ja immer noch in Talkshows oder Atlantikbrücke oder Rentner for Profit auftreten.