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Vorstoß für längeres Arbeiten Ein heißer Herbst?

Simon Poelchau

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Simon Poelchau

In Baden-Württemberg sägen die Arbeitgeber an der 35-Stunden-Woche. Die Metall-Tarifrunde im kommenden Herbst dürfte kontrovers werden.

D ie Chefs in diesem Land werden immer dreister. Sie begehen nicht nur reihenweise Betrug am Mindestlohngesetz – der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) schätzt die dadurch entgangenen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge auf 64 Milliarden Euro. Nun wird auch noch an den Arbeitszeiten gerüttelt. „In den guten Zeiten konnte sich Deutschland die 35-Stunden-Woche leisten. Aktuell können wir das nicht mehr“, forderte der Unternehmer Nikolas Stihl in einem Interview.

Ein Sommerloch-Aufreger? Nicht ganz. Der Aufsichtsratschef des gleichnamigen Forst- und Gartengeräteherstellers ist nicht der erste, der längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich fordert. Vor einigen Wochen kam damit schon die Mercedes-Chefetage um die Ecke. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich um eine abgestimmte Aktion der Arbeitgeber handelt: Im Oktober starten die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie, der wichtigsten Industriebranche Deutschlands. Und Baden-Württemberg ist in der Branche traditionell der Pilotbezirk: Der Tarifvertrag, der dort ausgehandelt wird, findet meist auch im Rest der Republik Anwendung.

In guten Zeiten ging die Gewerkschaft mit der Forderung nach Arbeitszeitverkürzung in die Verhandlungen. 2018 brachten sie etwa die zeitweilige Option auf eine 28-Stunden-Woche ins Gespräch. Denn weniger Arbeit bedeutet mehr Lebensqualität für die Beschäftigten. Nun sollen sie im Namen des Profits wieder länger arbeiten, weil ihre Chefs die Transformation verschlafen haben.

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Schließlich sind Löhne und Arbeitszeiten die beiden wesentlichen Stellschrauben bei der Aufteilung des produzierten Reichtums zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Schrumpft der Umsatz, dann sollen die Angestellten entweder mehr arbeiten oder weniger verdienen, damit die Eigentümer auf nichts verzichten müssen. Die Frage ist nur, ob die Arbeitnehmer es mit sich machen lassen. Insofern stehen die Chancen gut für einen heißen Herbst.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Simon Poelchau

Simon Poelchau Redakteur

ist für Ökonomie im taz-Ressort Wirtschaft und Umwelt zuständig.
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2 Kommentare

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  • Ricky-13

    taz: *„In den guten Zeiten konnte sich Deutschland die 35-Stunden-Woche leisten. Aktuell können wir das nicht mehr“, forderte der Unternehmer Nikolas Stihl in einem Interview.*

    Es ist doch immer das gleiche, denn ein paar 'Arbeitgeber' wollen noch etwas reicher werden und der 'Arbeitnehmer' soll dafür ordentlich schuften.

    Übrigens stammen die Begriffe 'Arbeitgeber' und 'Arbeitnehmer' aus einer stark hierarchischen Zeit: Der eine "gibt" Arbeit, der andere "nimmt" sie an.

    Man könnte auch sagen: "Der eine ist der Herr, der andere ist der Knecht"; nur das es mittlerweile Milliarden 'Knechte' auf diesem Planeten gibt, die auch im 21. Jahrhundert noch alles mit sich machen lassen, damit ein paar 'Herren' ein sehr gutes Leben haben.

    Das persönliche Vermögen von Nikolas Stihl wird nirgends exakt beziffert, aber er gehört zur Unternehmerfamilie Stihl, deren Gesamtvermögen vom Manager Magazin auf rund 7,9 Milliarden Euro geschätzt wird. Er ist der Beiratsvorsitzende und Enkel des Firmengründers der Stihl Holding.

  • Francesco

    Die 35-Stunden-Woche wurde nicht in guten Zeiten, sondern in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit erkämpft.