Urteil gegen Tierrechtsaktivisten: Geldstrafen für Aktion bei Bayerns Bauernpräsident Felßner
Sie standen auf dem Hof des damaligen Ministers in spe Günther Felßner und schlugen lautstark Protest. Jetzt müssen fünf Tierrechtsaktivisten zahlen.
Foto: dpa
Terrorismus oder Protest? In Nürnberg standen am Mittwoch sechs Mitglieder der Tierrechtsorganisation Animal Rebellion vor Gericht. Die Demonstranten waren im März 2025 mit Plakaten und Bannern auf den Hof des bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner gezogen und hatten dort auch bengalische Feuer gezündet. Anlass waren angebliche Mängel bei der Tierhaltung auf dem Rindermastbetrieb.
Das Gericht bewertete das Ganze als gemeinschaftlichen Hausfriedensbruch und verurteilte fünf der Angeklagten zu Geldstrafen in Höhe von 1.200 bis 2.000 Euro. Der sechste gab an, als Pressefotograf vor Ort gewesen zu sein, und wurde freigesprochen.
Für Felßner, der am Mittwoch als Zeuge aussagte, war das, was sich auf seinem Hof in Lauf an der Pegnitz zugetragen hatte, eindeutig ein „terroristischer Überfall“ gewesen. In den Augen der Aktivisten handelte es sich um friedlichen Protest.
Die Aktion hatte damals wegen der Person Felßner für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Dieser sollte nach dem Willen von CSU-Chef Markus Söder Landwirtschaftsminister in der neuen Bundesregierung werden – eine Entscheidung, für die es auch unter den CSU-Bundestagsabgeordneten wenig Begeisterung gab, hatte man doch gehofft, alle CSU-Ministerposten selbst besetzen zu können.
Rückzug aus Sicherheitsbedenken?
Nach der Aktion auf seinem Hof stand Felßner für das Ministeramt nicht mehr zur Verfügung und begründete das mit der Sicherheit seiner Familie, allerdings gab es wohl schon vorher Anzeichen für einen Rückzug. Minister wurde der CSU-Bundestagsabgeordnete Alois Rainer.
Doris Felßner, die zur Zeit der Protestaktion andres als ihr Mann zu Hause war, wurde nach eigenen Angaben in Schrecken versetzt. Sie habe noch immer Angst, wenn sie im Stall arbeite, sagte sie vor Gericht.
Die Angeklagten machten geltend, sie seien sich nicht bewusst gewesen, Privatgrund betreten zu haben, da über den Hof auch ein öffentlicher Weg führt. Zwei von ihnen sollen jedoch auch auf das Dach des Kuhstalls gestiegen sein und dort ein Transparent „Kein Tierausbeuter als Agrarminister“ angebracht haben. Die Staatsanwaltschaft stellte Ermittlungen gegen Felßner wegen Tierschutzverstößen später allerdings ein.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert