Umgang mit Bremer Au­to­po­se­r*in­nen: Mehr als Lärm und Tempo

Au­to­po­se­r*in­nen und Ra­se­r*in­nen sind laut und gefährlich. Und eine unangenehme Konfrontation mit der Macht der Autos und dem Patriarchat.

Ein gelber Lamborghini Murcielago SV-R wird auf der Tuning Messe Essen Motor Show ausgestellt.

Ein peinliches, klimaschädliches und ungesundes Hobby: Tuning Foto: Marcel Kusch/dpa

Das Problem mit Au­to­po­se­r*in­nen ist ihr Krach und ihre Geschwindigkeit. Beides ist gefährlich, im Einzelfall tödlich. Aber es ist noch mehr: Für Betroffene, also zufällig daneben Stehende, die extrem grenzüberschreitend vollgeröhrt werden, ist es die Konfrontation mit der Übermacht der Autos. Und ihrer Industrie, ihrer Rolle im Straßenverkehr und beim Klimawandel. In allen drei Kontexten brettern sie, im zweiten Fall sogar wortwörtlich, stinkend über die Bedürfnisse anderer Menschen.

In vielen Fällen – die Po­se­r*in­nen sind ja doch mehrheitlich Poser – ist das Phänomen zudem eine sehr unangenehme Konfrontation mit dem männlichen Geschlecht. Auch hier lässt sich von einer Übermacht sprechen, in vielen Bereichen der Gesellschaft existiert sie schlicht immer noch. Wobei klar ist: Beim Autoposen ist diese Macht ob ihrer Peinlichkeit nur noch eine vermeintliche. Unangenehm ist das patriarchale Getöse trotzdem, vor allem gepaart mit weiterem Macho-Gehabe.

Natürlich gibt es darüber selten Bürger*innenbeschwerden! Wenn jemand sich an der Ampel irgendwie unwohl fühlt, belästigt, vielleicht sogar gefährdet – aber eben ohne beweisbaren Grund: Wie würden die Be­am­t*in­nen bei so einem Anruf wohl reagieren?

Um Beschwerden eine bessere Grundlage zu geben und den Au­to­po­se­r*in­nen zu zeigen, dass ihr Handeln falsch ist, braucht es dringend andere rechtliche Grundlagen: Niedrigere Grenzwerte für Lärm, strengere Auflagen fürs Tuning. Der Senat muss sich auf Bundesebene für die entsprechenden Änderungen einsetzen. In Bremen muss er Lärmblitzer aufstellen und viel mehr kontrollieren.

Das Auto als Safe Space in der Pandemie

Vor allem aber muss er die Debatte verändern: Der Verweis auf fehlende Beschwerden und Städte, in denen es noch schlimmer ist, sind völlig fehl am Platz. Und natürlich sind „verkehrserzieherische Gespräche“ kein sinnvoller Lösungsansatz. Wenn sich nicht bald etwas ändert, wird das Problem vermutlich sogar noch größer. Denn das Auto ist in den letzten eineinhalb Jahren der Pandemie zu einem neuen Safe Space geworden, mit dem man virenfrei und zugleich super cool zur Partymeile kommt.

Um das Problem ernster zu nehmen, als es der Senat gerade tut, braucht es nicht erst mehr messbare Verstöße, mehr Unfälle oder gar Verletzte. Ein nächtlicher Gang durch die City reicht.

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Jahrgang 1992, seit Oktober 2019 Volontärin bei der taz.nord in Bremen. Schreibt unter anderem gerne über Klima, Protest, Parlamentsgeschehen, Justiz, Verkehrswende, Feminismus und Sport. Vorher M.A. Komplexes Entscheiden und B.A. Politikwissenschaft an der Uni Bremen.

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