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Trump und die Midterms Schnell noch mal rund um sich schlagen

Bernd Pickert

Kommentar von

Bernd Pickert

Der US-Präsident wird zusehends nervös und er hat gute Gründe dafür. Weder für sein Umfeld noch für den Rest der Welt verheißt das Gutes.

W enige Wochen vor den US-Zwischenwahlen, bei denen sich allen Umfragetrends zufolge eine Niederlage der regierenden Republikaner abzeichnet, dreht Präsident Donald Trump völlig frei. Er hat sich mit seiner eigenen Politik Fallen gestellt, aus denen er jetzt nicht mehr herauskommt. Im Ergebnis schlägt er kopflos um sich.

Sein Irankrieg hat weltweit die Energiepreise in die Höhe getrieben. Das merken seine Wäh­le­r*in­nen an der Zapfsäule und die republikanischen Wahlstrategen in den Umfragen. Weil Trump aber niemals für irgendetwas die Verantwortung übernimmt, erklärt er kurzerhand die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien für schuldig, fordert die Absetzung des ukrainischen Präsidenten und will entgegen den Sanktionsbeschlüssen des eigenen Kongresses Diesel bei Russlands Despoten Wladimir Putin kaufen.

Das passt zwar zu Denk- und Verhaltensmustern, die Trump schon seit Beginn seiner zweiten Amtszeit an den Tag legt. Der Unterschied ist, dass ihm der erratische Irrsinn nun zum ersten Mal auch innenpolitisch schadet. Republikanische Kandidat*innen, die Trump in ihrem Wahlkreis nicht sehen wollen – das gab es noch nie, seit der Narzisst die republikanische Partei überrollt und unterworfen hat.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Dazu kommt, dass sich mit der zweiten Hälfte der zweiten Amtszeit die Phase nähert, in der US-Präsidenten gemeinhin zur „Lame Duck“ erklärt werden. Mit alledem kann Trump überhaupt nicht umgehen, und umso wilder werden seine Attacken. Lame duck with a gun. Beispiel: Nein, die USA waren noch nie Freunde des Internationalen Strafgerichtshofs und haben seine Jurisdiktion nie anerkannt. Dazu genügte es, einfach nicht Mitglied zu sein – schlimmstenfalls hätten angeklagte und per Haftbefehl gesuchte US-amerikanische Staatsbürger Auslandsreisen in Vertragsstaaten des Gerichtshofs meiden müssen.

Nur hat der Gerichtshof noch nie US-Amerikaner angeklagt, sosehr auch Menschenrechtsorganisationen dafür geworben haben. Gleichwohl ist die Trump-Regierung dazu übergegangen, den Gerichtshof nicht links liegen zu lassen, sondern offensiv zerstören zu wollen. Das ist doch ein einmaliger Vorgang – passt allerdings zu Trump, der als korruptester Präsident der neueren Geschichte mit der Justiz auch im eigenen Land auf dem Kriegsfuß steht.

Falls die De­mo­kra­t*in­nen nach den midterm elections tatsächlich wieder das Repräsentantenhaus kontrollieren, werden sie gar nicht anders können, als ein drittes Impeachmentverfahren gegen diesen Präsidenten einzuleiten. Dann immerhin hat Trump noch einmal alle Aufmerksamkeit.

Bernd Pickert

Bernd Pickert Auslandsredakteur

Jahrgang 1965, seit 1994 in der taz-Auslandsredaktion. Spezialgebiete USA, Lateinamerika, Menschenrechte. 2000 bis 2012 Mitglied im Vorstand der taz-Genossenschaft, seit Juli 2023 im Moderationsteam des taz-Podcasts Bundestalk. Bluesky: @berndpickert.bsky.social In seiner Freizeit aktiv bei www.geschichte-hat-zukunft.org
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10 Kommentare

  • udo123

    Trumps Forderung befeuert Nachfolgedebatte, ich Frage mich auch, wer kommt nach Trump, wenn es zum Wahldebakel für die Republikaner im November kommt.



    Das Trump Paradoxon, Brandstifter und Feuerwehrmann in einer Person, erst eskaliert er Situationen bis kurz vor den Wendepunkt, um sich anschließend als der einzige Retter zu inszenieren, der das Chaos wieder lichten kann.



    Während Fehltritte stets der politischen Konkurrenz oder den Medien angelastet werden!

  • Auweiowei

    Nur eine Randnotiz;



    In der Presseschau des Df wurde heute auch mal wieder die taz 'zitiert' , und zwar der Schluss dieses Kommentars zitiert, wenn auch nicht wirklich wortgetreu (aus Demokrat*innen werden einfach 'Demokraten' sowie aus Impeachment sperrig 'Amtsenthebungsverfahren'...) - vor allem aber nicht mit einer der sonst üblichen 'inquit'-Formeln wie 'folgert' oder 'erklärt' oder 'analysiert' (meist die FAZ) und manche andere Formeln mehr, sondern als unerhörtes Novum: "orakelt" (die taz).

  • realnessuno

    Der gemeingefährliche Irre sollte nicht nur nicht gewählt, sondern schnellstmöglich enteignet werden. Seine Familie natürlich auch, denn die verprasst gerade unseren Wohlstand.



    Eine Unzurechnungsfähigkeit muss ja wohl kaum erst nochmal bestätigt werden :-)

    Und die Folgekosten für die Weltgemeinschaft will die nächste Generation nicht alleine bezahlen! Es wird Zeit dass alle zu einflussreichen Irren und Überreichen auch wenigstens mitbezahlen, wenn sie schon nicht bestraft werden.

  • FtznFrtz

    Nach all den Jahren holt ihn seine erratische, völlig kompetenzfreie Amtsführung doch noch ein. Wenn es um Kulturkampf, Elitenbashing und Irrwitzigkeiten aus den Tiefen des rechtsextremen Sumpfes ging hat Trump so manchen noch überzeugt.



    Jetzt geht es um Benzinpreise, Inflation, Wirtschaft, sinnfreie Kriege. Trump liefert nicht, die dahergebrabbelten Sprüche wirken immer hohler, selbst MAGAisten kommen angesichts des immer krasseren Unterschieds zwischen Realität und Rhetorik ins Grübeln.



    Es hat lange gedauert, aber so langsam merken die Amis, dass der Kaiser wirklich nackt ist.

    • LeKikerikrit

      @FtznFrtz:

      Anders als den AfD-Wählern in D, geht es dem US-Amerikaner nur ums Geld.



      In so fern ist eine Anti-Trump Stimmung kein Grad-Messer für eine stabile demokratische Zivilisation in den USA.

      • FtznFrtz

        @LeKikerikrit:

        Habe ich das behauptet? Sie haben genug von Trump, bei einem Vance, der nicht so schleimig-opportunitisch rüberkommt, sind die MAGAisten sofort wieder an Bord.

  • Philippo1000

    Lame duck with a gun.



    Treffenden kann die Situation nicht beschrieben werden.



    Einerseits wäre es natürlich erfreulich, wenn trump in den Zwischenwahlen einen Schuss vor den Bug erhielte,



    allerdings ist tatsächlich zu befürchten, dass er zurück schießt.



    Hierzulande haben wir zwar ein paar Problemchen, doch im Gegensatz zu den USA sind es letztlich Peanuts.



    Merz ist natürlich der Falsche für den Job, allerdings hat er noch keine Weltwirtschaftskrise oder einen Krieg zu verantworten.



    Das "um sich schlagen" ist eine weitere zutreffende Beschreibung.



    Trump wirkt tatsächlich wie das Kleinkind, das vor Wut mit dem Löffel in den Brei haut.



    Immerhin scheint das allmählich auch den Amerikaner*Innen einzuleuchten.



    Über den Dieseldeal mit Putin sagte ein amerikanischer Analyst:



    " ich kann kann gar nicht oft genug die Bedeutungslosigkeit dieser Maßnahme erklären".



    Die 300.000to Diesel reichen den USA für 14 Stunden.



    Wenn es schon nicht für den Friedensnobelpreis gereicht hat, wird diese Tat doch hoffentlich im Guinness Buch der Rekorde erwähnt? Als "die größte Luftnummer der Geschichte"?

    • Encantado

      @Philippo1000:

      "Einerseits wäre es natürlich erfreulich, wenn Trump in den Zwischenwahlen einen Schuss vor den Bug erhielte, allerdings ist tatsächlich zu befürchten, dass er zurück schießt."



      Hm, ist es nicht eher so, dass er unvorhersehbar in alle möglichen Richtungen schießen könnte?



      "Wenn es schon nicht für den Friedensnobelpreis gereicht hat..."



      Dazu hab ich ne Idee: er kriegt ihn, aber nur wenn er zurücktritt. Da hätten alle was von.

  • amigo

    Der US-Präsident wird zusehends nervös, und er hat verdammt gute Gründe dafür. Weder für sein eigenes Umfeld noch für den Rest des Planeten ist dieser Zustand der unberechenbaren Agonie noch tragbar. Was wir im Weißen Haus erleben, ist das brandgefährliche Endspiel eines unkontrollierbaren Narzissten, der die Weltsicherheit wie einen Pokertisch behandelt und mit dem Feuer eines globalen Flächenbrands spielt.



    ​Ein Mann, dem die eigene Machtfülle wichtiger ist als das Überleben von Bündnissen, Demokratien und der Zivilisation selbst, gehört nicht an den roten Knopf, sondern isoliert. Wer ohne mit der Wimper zu zucken Verbündete verhökert, Krisen schürt und das Völkerrecht mit Füßen tritt, hat jede Legitimation verwirkt. Es geht längst nicht mehr um US-Parteipolitik, sondern um reine Schadensbegrenzung für die Menschheit. Dieses Spiel auf Zeit ist lebensgefährlich. Trump muss im Rahmen der Verfassung unverzüglich aus dem Amt entfernt werden – bevor er die Welt gänzlich in Brand steckt!

    • LeKikerikrit

      @amigo:

      ... muss aus dem Amt entfernt werden – bevor er die Welt gänzlich in Brand steckt!



      Allein, es wird nicht passieren. Trump ist nur der hässliche Pickel auf einem unfassbar großem (und reichen!) Geschwür in der US-amerikanischen Aministration.