Syrer:innen zum Anschlag in Solingen : Terror bedroht unser Zusammenleben
Der Verein Agora für deutsch-syrische Begegnungen verurteilt das Attentat in Solingen. Die taz dokumentiert den offenen Brief von 350 Unterzeichner:innen.
Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
W ir Syrer in Deutschland sehen es als unsere Pflicht an, den abscheulichen Terrorakt von Solingen entschieden zu verurteilen. Wir hoffen, dass der Drahtzieher dieses Verbrechens und alle, die ihn dabei unterstützt haben, bestraft werden. Der abscheuliche Terrorakt hat uns zutiefst erschüttert und uns mit Panik erfüllt. Es war ein Akt des Terrorismus gegen uns alle, der unser Zusammenleben bedroht.
Der Verein „Agora – Deutsche Syrische Begegung“ setzt sich für die Förderung der Deutsch-Syrisch Interaktion ein – sowohl sozial, als auch kulturell, künstlerisch und politisch. Louay Nimah ist Vorsitzender der Agora. Den offenen Brief der Agora zum Anschlag in Solingen, den die taz hier dokumentiert, haben nach Angaben des Vereins mittlerweile mehr als 350 Menschen unterschrieben.
Wir Syrer haben in diesem Land Sicherheit gesucht, auf der Flucht vor dem Terror der Diktatur, des islamischen Extremismus und bewaffneter Milizen. Vor systematischen Tötungen, Inhaftierungen, Folter und Zerstörung. Wir kamen auf der Suche nach Freiheit, Würde, Menschenrechten, Demokratie und Perspektiven für Bildung und Arbeit für uns und unsere Kinder hierher.
Tausende von uns haben eine Überfahrt übers Meer gewagt, um der Unterdrückung durch das syrische Regime zu entkommen, und viele von uns haben geliebte Menschen im Mittelmeer verloren. Angst und Schrecken haben uns dazu gebracht, unser Leben zu riskieren, und wir konnten uns nicht vorstellen, dass der Terrorismus uns verfolgen und Verbrechen gegen die begehen wird, die uns aufgenommen haben.
Wir sind zutiefst empört über das Vorgehen islamistischer Extremisten, die mit ihrem Diskurs des Hasses und ihren Verbrechen unsere Gastgeber und uns bedrohen. Wir erklären unsere uneingeschränkte Solidarität mit den Angehörigen der Opfer und den Verletzten. Unser Respekt gilt auch den Sicherheitskräften, den Sanitätern und allen in Deutschland, die im Kampf gegen den Terrorismus stehen, sowie allen, die sich für Gerechtigkeit, Menschenrechte, Menschlichkeit und Toleranz einsetzen.
Terror lässt sich nur verhindern, wenn wir die Werte des Zusammenlebens hochhalten, eines Zusammenlebens von Christen, Juden, Muslimen und Konfessionslosen. Was uns Menschen verbindet, ist viel mehr als das, was uns trennt, und unsere Grundwerte sollten universell sein. Deutschland ist hier mit der Verfassung und Rechtsstaatlichkeit ein Vorreiter.
Mouwaffag Nyrabia, Anwar Bader, Nihad Sierees, Jad Alkarim Aljbaee, Faraj Bayrakdar, Aida Bouz, Sausan Jamil Hasan, Alise Mofrej, Jalal Amin, Prof. Dr. Abdo Abboud, Sabiha Khalil, Abdlhakeem Qoutaifan, Louay Nimah, Riad Seif, Prof. Dr. Ibrahim Chahoud.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert