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Südafrikanischer Präsident in den USATrump demütigt Ramaphosa im Weißen Haus

Der US-Präsident bedrängt seinen südafrikanischen Amtskollegen mit Vorwürfen zu einem weißen „Genozid“. Sein grotesker Stil fällt auf ihn selbst zurück.

Dicke Luft: US-Präsident Donald Trump trifft Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa im Oval Office des Weißen Hauses Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Washington taz | Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa besuchte US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus – und die öffentliche Zusammenkunft am Mittwoch war unerwartet angespannt. Trump spielte seinem Gast vor Publikum ein Video mit alten Aufnahmen vor, auf dem Südafrikas linkspopulistischer Oppositionsführer Juliuis Malema das alte Kampflied „Kill the Boer“ singt – „Boer“ sind die afrikaans-sprachigen Weißen Südafrikas, das Wort steht für die weißen Großgrundbesitzer des Landes. Auch Ramaphosas Erzrivale, Expräsident Jacob Zuma, kam mit radikalen Sprüchen vor, und es gab Bilder von angeblichen Gräbern ermordeter weißer Farmer.

Trump hat es sich inzwischen zur Gewohnheit gemacht, seine Staatsgäste im Weißen Haus zu brüskieren. Ramaphosa war darauf jedoch offensichtlich nicht vorbereitet. Er wollte mit Trump über Handelsbeziehungen sprechen und Südafrikas Sicht auf die Weltpolitilk erläutern. Was als diplomatisches Treffen angekündigt war, mutierte in ein peinliches Spektakel.

Ramaphosas Besuch soll eigentlich die Spannungen zwischen Südafrika und den USA beenden. Wiederholt hat Trump behauptet, Südafrikas weiße Farmer seien Opfer eines „Genozids“. Er hat im Streit darüber Südafrikas Botschafter ausgewiesen und weißen Südafrikanern Asyl in den USA angeboten. Gerade erst wurde eine erste Gruppe aufgenommen, kurz vor dem da bereits festgelegten Termin für Ramaphosas Visite.

Südafrikas Regierung hat Trumps Behauptungen immer standhaft zurückgewiesen und widerlegt: die Morde an weißen Farmern, die es tatsächlich gibt, sind keine gezielte ethnische Auslöschung, sondern Teil der allgemeinen Eskalation schwerer Gewaltverbrechen, die alle Südafrikaner trifft. Schwarze und weiße Farmer sind gleichermaßen von Gewaltverbrechen betroffen, belegen die Kriminalitätsstatistiken der südafrikanischen Polizei und unabhängiger Forscher.

Streit um Landreformpolitik

Für eine systematische Kampagne gegen weiße Landbesitzer gibt es keine Anzeichen. Südafrikas Rechtsstaat schützt das Eigentumsrecht; die Landreformpolitik der regierenden ehemaligen schwarzen Befreiungsbewegung ANC (African National Congress) versucht, historische Ungerechtigkeiten anzugehen, ohne Personen aufgrund ihrer Rassenzugehörigkeit zu benachteiligen.

Denn obwohl die Apartheid, während der ausschließlich Weiße in Südafrika Bürgerrechte genossen, 1994 fiel, genießen weiße Südafrikaner bis heute ökonomische Vorteile. Sie halten weiterhin einen überproportionalen Anteil an Südafrikas Land – in etwa 50 Prozent – im Vergleich zur schwarzen Mehrheitsbevölkerung. Die ANC-Politilk der „affirmative action“, die Schwarze etwa bei der öffentlichen Auftragsvergabe bevorzugt, sollte der fortdauernden Ungleichheit entgegenwirken. Strukturelle Ungleichgewichte in Bildungschancen, Zugang zu bezahlter Arbeit und Unternehmensbesitz existieren jedoch weiter.

Das Erbe der Apartheid bringt es mit sich, dass etablierte weiße Großgrundbesitzer den besten Zugang zu Infrastruktur, Finanzdienstleistungen, etablierten Abnehmern und moderner Technologie bewahrt haben. Ihr Wohlstand vererbt sich, damit bleibt ihre Vorherrschaft in der Landwirtschaft über die Generationen erhalten. Schwarze Farmer hingegen haben es oft schwer, Land zu erwerben, Kredite zu erhalten und technische Unterstützung zu bekommen.

Landreformprogramme haben ein wenig Land umverteilt, aber ansonsten nichts geändert. Dazu kommt bürokratische Ineffizienz, Langsamkeit und Korruption. Die meisten schwarzen Farmer sind Kleinbauern, die für den Eigenverbrauch produzieren und nicht über das Kapital verfügen, um in die kommerzielle Landwirtschaft zu expandieren, etwa in den lukrativen Agrarexport. Das Gefälle zwischen reichen Weißen und armen Schwarzen besteht besonders auf dem Land fort.

Ramaphosa betont Bereitschaft zu konstruktivem Dialog

Vor diesem Hintergrund konnte Trumps Video-Stunt Ramaphosa nur verblüfft und frustriert zurücklassen. Er konnte bloß entgegen, dass Südafrika ethnische Gewalt nicht gutheißt und dass Malemas Rhetorik nicht die Regierungspolitik darstellt. Südafrikas Präsident betonte seine Bereitschaft zu konstruktivem Dialog statt aufwiegelnder Vorwürfe.

Wie peinlich all das war, war offensichtlich. Es war nicht anders als Trumps Empfang für den ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich ebenfalls Vorwürfe und Forderungen anhören musste. In Trumps erster Amtszeit hatten schon Theresa May, Emmanuel Macron und Angela Merkel Trumps Umgang aushalten müssen.

Mit jedem dieser Vorfälle verstärkt sich der Eindruck, dass Diplomatie für Trump vor allem Spektakel ist, nicht Substanz. Seine Neigung, Gäste zu demütigen, weckt Sorgen über den Ruf der USA in der Welt. Man könnte sagen, dass solche Auftritte ernsthafte Gespräche über Handel, Sicherheit und internationale Zusammenarbeit untergraben. Ramaphosa wollte die Beziehungen Südafrikas zu den USA gerade im wirtschaftlichen Bereich verbessern; stattdessen wurde er zum neuesten Opfer von Trumps Spektakeldiplomatie.

Es gibt offensichtlich viel zu reparieren zwischen beiden Ländern, und es besteht ein Bedarf an nuancierter Diskussion über Südafrikas Geschichte und Gegenwart. Mit der Überwindung von Ungleichheit in Südafrika tun sich alle Regierungen seit Ende der Apartheid schwer. Trumps Umgang damit lenkt von der Arbeit ab, die in diesem Bereich nötig ist, und verstärkt den Eindruck, dass er nicht in der Lage ist, internationale Diplomatie mit der Würde und dem Taktgefühl auszuüben, die man vom Führer einer Weltmacht erwartet.

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17 Kommentare

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  • Druckfehler: Geschwärzter Balken über den Augen!



    Da sähe der dümmste Mann der Welt doch gleich viel besser aus!

  • Trump ist ein Vollidiot.



    Es ist schwierig, sich vorzustellen, dass zur Demokratie erzogene Menschen einen solchen Egomanen zum Präsidenten wählen.



    Dennoch ist es passiert.



    Trump ist der Junge, der auf den Spielplatz kommt und die Sandburgen der anderen Kinder zertrampelt, sie umschubst und haut.



    Eine geistige Entwicklung ist seitdem nicht erkennbar.



    Dass ein Dreieinhalbjähriger nicht in der Lage ist, komplexe Zusammenhänge zu erkennen, ist nachvollziehbar.



    Er kennt nur Zerstörung und gewinnt, neben dem Eis aller Schwächeren, Aufmerksamkeit.



    Wir gehen gerade darauf ein und belohnen kleintrump mit Aufmerksamkeit, wo Ignorieren angebracht wäre.



    Nützt es was, einem Sandkastenterroristen zu sagen:" Du sollst das doch nicht machen..."? Wohl kaum!



    Kleinkinder, die nicht mit Positivem auffallen können, spielen eben Dreikäsehochterminator.



    Wir haben allerdings noch andere Aufgaben, als die Kackhaufen eines dicken Kleinkinds zu bewundern.



    Leider hat das kleine Trumpel Erfolg durch seine Zerstörungswut, ALLE berichten über Ihn und sein Foto ist in ALLEN Zeitungen.



    Es wäre gut, Verbrecher wieder mit einem geschwärzten Balken über den Balken abzudrucken.

  • Zur Überschrift: Ist dies Trump denn gelungen? Der Artikel klingt da anders.

    Gegen Bully-Darsteller hilft zumeist nur Gegenhalten.

  • Trumps Verhalten ist das eine ... und nicht zu entschuldigen. Aber die Frage muss auch gestellt werden, warum sich ein Journalist (Trump kanzelte vor der Weltöffentlichkeit in rüdester Form einen Journalisten von NBC ab, der eine Trump nicht genehme Frage stellte) und der südafrikanische Präsident sich demütigen lassen. Warum sagt er nicht einfach "Ich verbitte mir diesen Ton" oder "Unterlassen sie diese Lügen". Oder warnt einmal und verlässt den Raum, wenn Trump weitermacht? Da saß ja auch nicht irgendwer, sondern der Präsident des wohl bedeutendsten afrikanischen Landes.

  • Krank ist das alles schon, da werden Menschen Jahrzehnte unter einem Apartheitsregime unterdrückt, brutalisiert, ausgebeutet und ihr Land gestohlen und jetzt regt sich ein Teil der weißen Minderheit darüber auf, dass die Menschen auch etwas vom Reichtum ihres Landes zurückhaben wollen in Form von einem Stück Land? Dazu erfindet man dann noch eine ethnische Verfolgung und sogar Völkermord. Wow! Mich würde es nicht verwundern wenn der ein oder andere dieser "Flüchtlinge" selbst oder zumindest seine Vorfahren von dem Regime profitierte.



    Rosa- Luxemburg- Stiftung: "85 % des Vermögens sind im Besitz von 5 % der Bevölkerung (die meisten davon weiße Südafrikaner*innen), während mehr als die Hälfte (die meisten davon Schwarze Menschen) zusammen weniger als 1 % des Vermögens besitzen." Fast 50% sind inzwischen auf Sozialleistungen angewiesen. Wenn man vielen zumindest eine kleine Parzelle Land geben würde zum Anbau des Eigenbedarfs könnte es schon helfen. Weniger Armut bedeutet eben auch oft weniger Gewalt. Anstatt als Minderheit die von Ausbeutung/ Landraub und Unterdrückung massiv profitiert hat, was zur Lösung beizutragen, zurück zu geben sieht man nur seine Privilegien in Gefahr.

  • Cooler Ramaphosa-Konter:

    "Es tut mir leid, dass ich kein Flugzeug für Sie habe"

  • Sollte es Trumps Absicht gewesen sein, Ramaphosa wegen der südafrikanischen Klage gegen Israel vor dem IstGH vorzuführen (Retourkutsche), so ist ihm das jedenfalls gründlich misslungen:



    www.tagesschau.de/...vorwuerfe-100.html



    Der Vorwurf des Rassismus fällt so eindeutig auf den Ankläger (Trump) zurück.



    Ich kann unserem Bundeskanzler nur dringend raten, nach den Eklats mit Selenskiy und Ramaphosa im Weißen Haus, ein derartiges Gesprächsformat im zu meiden - eine bella figura würde Merz dabei mit Sicherheit nicht machen. Die VS-Einstufung der AfD ist für Trump doch ein gefundenes Fressen, Merz würde in der Situation vorm POTUS wahrscheinlich noch „strammstehen“.



    Und Deutschland würde international zur Lachnummer.

  • Das Meeting zu verfolgen fiel mir schwer, da ich vor lauter fremdschämen ständig wegschalten musste. Ein weiterer Tiefpunkt für westliche Diplomatie und mehr Argumente für den globalen Süden sich China zuzuwenden.

  • Trump being Trump. Peinlich, narzisstisch, soziopathisch und ein politischer Trampel.

  • Trump spielt das spaßig-destruktive Haudraufspiel, dummerweise nicht mehr als verstahlter Wahlkämpfer, sondern als verstrahlter POTUS. Die USA mutieren unter ihm zu einer absurden Mischung aus Wirtschaftsriese und Idiokratie, die zumindest an der Spitze zu keiner halbwegs konstruktiven Arbeit in der Lage ist. Der MAGA-Mob johlt unverdrossen-uninformiert weiter und feiert den eigenen Niedergang als Sieg, absurder geht's kaum.

  • ... ich habs schon oft gesagt und sage es hier zum x-ten Mal:



    klare Kante zeigen, aufstehen und kopfschüttelnd weggehen.

    Muß man sich nur trauen. Und den festen Willen haben, sich nicht trollen zu lassen. Das nennt man übrigens Haltung.



    Gruß Fritz

    • @Fritz Müller:

      Das wäre es, demonstrativ auf die Uhr schauen, kurz eher zu sich selbst sagen, dass man noch einen wichtigen Termin hat und dann gehen.

      Normalerweise werden solche Treffen doch Delegationen und Diplomaten vor Ort zusammen mit dem "Gastgeber" vorbereitet. Wie machen das die Trumpisten, unterbinden die das oder belügen die ihre Gäste über den Ablauf oder muss man unterschreiben, dass man sich das Kaspertheater gefallen lässt?

  • „……versucht, historische Ungerechtigkeiten anzugehen, ohne Personen aufgrund ihrer Rassenzugehörigkeit zu benachteiligen…..“



    Echt jetzt???

  • Liebes Südafrika: Bitte diesen „Präsidenten“ einfach ignorieren!

    • @Muckelpu:

      Also: Staaten sind nicht lieb, "haben keine Freunde, sondern Interessen" (Hr. de Gaulle). Und aus genau diesem Grund ist es nicht nur für den Präsidenten der Republik Südafrika sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich, den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu ignorieren, ohne sich massive Probleme einzuhandeln.

  • Wer zu Donald Trump eingeladen wird, sollte eine eigene Show vorbereiten. Amerika zu brüskieren ist nicht so schwer.

  • Hat noch kein Reisunternehmen die Marktlücke entdeckt?



    Maso-Tours, Beschimpfungen durch Orangenmann inklusive.