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Steigende BenzinpreiseEs gibt kein Recht auf billigen Sprit

Kommentar von

Björn Hartmann

Ein gedeckelter Benzinpreis würde zu unkontrolliert hohen Kosten führen. Und es würde nicht denen helfen, die dringend Entlastung brauchen.

Kleinere Autos mit geringerem Verbrauch oder gar Elektromotor helfen Kosten sparen Foto: imago

W enig regt die Deutschen so auf wie steigende Spritpreise. Seit die USA gemeinsam mit Israel Krieg gegen Iran führen, hat sich Öl kräftig verteuert, kosten Benzin und Diesel an Tankstellen mehr als je zuvor, rufen diejenigen, die weniger Staat fordern, plötzlich laut nach ihm. Offenbar ist der Staat doch gut genug, wenn es an den eigenen Geldbeutel geht. Dabei kann die Bundesregierung nur sehr begrenzt etwas tun. Denn Weltmarktpreise lassen sich nicht in Berlin stoppen.

Hätte die Bundesregierung zum Beispiel vor drei Wochen die Steuern gesenkt, wäre die Ersparnis bis heute komplett verschwunden. Teuer wäre es immer noch. Der Effekt lässt sich im kleinen Maßstab in der Gastronomie sehen: Zum Jahreswechsel sank der Mehrwertsteuersatz auf Speisen von 19 auf 7 Prozent. Angekommen ist davon beim Kunden in den Restaurants praktisch nichts. Die steigenden Kosten der Betriebe haben die Steuersenkung aufgefressen.

Den Spritpreis staatlicherseits bei zum Beispiel zwei Euro zu deckeln, führt zu unkontrolliert hohen Kosten – denn die Bundesregierung müsste die Differenz zum wahren Spritpreis übernehmen, sonst bleibt der Zapfhahn trocken. Die Pendlerpauschale zu erhöhen, klingt vielleicht verlockend, wirkt aber erst, wenn die Steuererklärung gemacht wird, ändert nichts an den hohen Preisen und wird ebenfalls teuer für den Staat und damit für alle.

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Es gibt kein Recht auf billigen Sprit. In Deutschland, wo freien Bürgern freie Fahrt zusteht, kann jeder entscheiden, weniger oder langsamer zu fahren, wo möglich, auf Nahverkehr umzusteigen, kleinere Autos mit geringerem Verbrauch oder gar Elektromotor zu kaufen. Jede und jeder kann mit dem eigenen Verhalten dazu beitragen, die eigenen Ausgaben zu senken.

Wenn die Bundesregierung etwas tun will, kann sie denjenigen direkt Geld schicken, die es vermutlich am meisten benötigen: Haushalte mit geringen Einkommen, die auf das Auto angewiesen sind. Technisch sind solche Überweisungen inzwischen möglich.

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23 Kommentare

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  • Genausowenig wie es ein Recht auf eine billige Wohnung in zentraler Lage gibt.



    Die Größe der Wohnung lässt sich auch nach unten regulieren. Die Lage auch. Dauert nur etwas länger.

  • So etwas kann nur schreiben für den Geld keine Rolle spielt. Schön für die taz-Redakteure.

  • Den Sprit auf Staatskosten pauschal billiger machen, ist natürlich keine Lösung.

    "...wo möglich, auf Nahverkehr umzusteigen..."

    Zeigt aber auch ein Problem. Die Nahverkehrsunternehmen müssen auch auch mehr für ihren Sprit zahlen. Und die Speditionen auch. Ein hoher Spritpreis macht eben vieles teurer. Und hier muss der Staat dafür sorgen, dass die fast Monopole nicht mehr erhöhen können, als es der tatsächliche Einkaufspreis nötig macht.

  • "Es gibt kein Recht auf billigen Sprit", als Artikelüberschrift.



    Wer hat wann behauptet, dass es ein "Recht auf billigen Sprit gäbe?", dazu konnte ich im Artikel nichts finden. Ich habe auch sonst diese Forderung nirgendwo gelesen.



    Das ist sprachlich schwach.

  • Eigentlich war ja das "Klimageld" genau dafür gedacht, oder nicht? Aber man hat ja lieber alle beschissen und zahlt es jetzt doch nicht aus. Mir ist es wurscht, ich brauche keinen PKW.

    Wir hätten übrigens Habeck als Kanzler haben können und statt erneuerbare zu bremsen, würde man jetzt wohl vermutlich schneller ausbauen und vielleicht endlich über Speicher nachdenken. Naja, kann man nix machen, Danke an 60% Rentner für die CxU und den schlechtesten Kanzler aller Zeiten \o/

  • Das Geld für die Unterstützung von Haushalten mit geringen Einkommen sollte man aus den zusätzlichen* Gewinnen der Mineralölkonzerne finanzieren.



    *) es sollte möglich sein, die tatsächlichen Einkaufspreise des Rohöls der Ölkonzerne zu prüfen und was da über die durchschnittlichen Gewinnmargen der vergangenen Monate aufgeschlagen wurde einzuziehen. In anderen Branchen muss man bei Nachträgen auch Kalkulation offenlegen und kann die Gewinne nicht einfach beliebig erhöhen.

  • 56% des Spritpreises sind Steuern.



    Der Staat hat den Preis hochgetrieben und erklärt dir jetzt, er sei leider machtlos.



    Lösung des Autors...



    Direktzahlungen an ausgewählte Haushalte. Der Staat nimmt von allen, gibt an wenige zurück, und nennt das Entlastung.



    Einfachere Idee: Steuern senken. Jeder behält mehr. Sofort. Kein Antrag, keine Prüfung, keine Bürokratie.

  • Eine Möglichkeit wäre auch, die CO2 Abgabe zu streichen...das wäre wenigstens ein kleiner Tropfen auf den heissen Stein.

  • Die Tschechen haben den Preis gedeckelt und der Staat zahlt trotzdem nicht die Differenz. Sie haben nämlich einen flexiblen Deckel, der an den Weltmarktpreis gekoppelt ist. Aber den Gewinn von freien Unternehmen zu schmälern, diese Idee kommt in Deutschland nicht einmal eine linke Zeitung wie die Taz. So tief verwurzelt ist die marktwirtschaftliche Ideologie in Deutschland.

  • Wir drehen uns im Kreis. Elektroautos sind in der Anschaffung für kleine Einkommen viel zu teuer, der öffentliche Nahverkehr ist gerade auf dem Land unzureichend, der Arbeitsplatz dank der von der Arbeitnehmerschaft geforderten Mobilität oftmals viel zu weit weg. Das Monatsgehalt kann nur einmal ausgegeben werden. Wenn der Benzinpreis weiter steigt, dann wird an anderer Stelle gespart. Und dieses Geld fehlt dann wieder denen, die zum Beispiel vom Tourismus leben.

  • Wer Benzinpreise deckelt oder subventioniert, bestraft alle die mit ÖPNV, zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind. Warum sollten diese Verkehrsteilnehmer das tanken anderer mitbezahlen?

  • Wann gab es in Deutschland schon einmal billigen Sprit. Mittlerweile ist der Besuch einer Tankstelle nicht mehr teuer sondern unbezahlbar.

  • Zitat: "Es gibt kein Recht auf billigen Sprit. In Deutschland, wo freien Bürgern freie Fahrt zusteht, kann jeder entscheiden, weniger oder langsamer zu fahren, wo möglich, auf Nahverkehr umzusteigen, kleinere Autos mit geringerem Verbrauch oder gar Elektromotor zu kaufen."



    Stimmt. Nur können die wenigsten das wirklich beeinflussen.



    Ja schön wenn die eh schon privilegierten Arbeitnehmer Home Office machen können. Schön wenn diejenigen die eh schon im Speckgürtel der Stadt mit der S-Bahn reinfahren können dies auch tun. Ja, Mitnahmeeffekte vom Deutschlandticket....



    Nur was machen die ganzen Berufe die auf Präsenz ausgelegt sind? Verkäufer? Friseure? Die Arbeiter am Fließband? Krankenschwestern? Die Handwerker? ... ja ne, sind ja alle Arbeitnehmer Verwaltungsangestellte vor allem im ÖD die das ganz einfach so machen können.



    Und wenn man auf dem Land wohnt ist das noch mehr Hohn. Was? du musst in die Stadt fahren zum Arbeiten? Warum holst du dir nicht eine dieser super günstigen Mietwohnungen und sparst die die 2 Autos die du brauchst bei 2 Arbeitnehmern und Kindern. Das Problem kennt der Berliner nicht. Und E-Auto als alternative bei Niedriglohn und Mieterdasein ohne PV...ja klar.

  • Sie schlagen vor: "Wenn die Bundesregierung etwas tun will, kann sie denjenigen direkt Geld schicken, die es vermutlich am meisten benötigen: Haushalte mit geringen Einkommen, die auf das Auto angewiesen sind. Technisch sind solche Überweisungen inzwischen möglich." - Was ich im ganzen Artikel vermisse, ist, dass von den Endverbrauchern niemand auf derartige Subventionen angewiesen ist, wenn das wöchentliche Budget durch die erhöhten Preise in der Größenordnung des Preises einer Schachtel Zigaretten belastet wird. Wirklich angewiesen auf Entlastung sind Unternehmen, die den Warentransport nicht mal eben per Lastenfahrrad oder Straßenbahn erledigen können, wie z.B. Speditionen. Oder ist das zu kapitalistisch gedacht?

  • Ein Deckel diskutiert wohl keiner. Wie solldas auch funktionieren? Die Konzerne würden einen beliebigen Betrag über 2 Euro an das Wirtschaftsministerium zur Erstattung melden? Einen Wettbewerb würde es dann ja nicht mehr geben.

    Allerdings ist auch die Unterstützung von Haushalten mit geringem Einkommen nicht so einfach, wie gefordert. Was ist gering? Was ist wenn es sich ändert? Erfolgt dann eine Prüfung der Notwendigkeit eines Autos? Klar, es ist schon mehr Geld verschwendet worden, als hier mögliche Fehlbeträge. Ist eh nur theoretisch, weil es nicht passieren wird.

    • @fly:

      „Einen Wettbewerb würde es dann ja nicht mehr geben.“



      Davon kann allerdings auch jetzt kaum die Rede sein.

  • Meiner Erfahrung nach steigen bei hohen Rohölpreisen die Spritpreise in den 'reichen' Ländern disproportional da die Konzerne dort viel besser abschöpfen können.

    In Tunesien, z.B., kostet Diesel immer noch um die 0,66E.

  • Taz und Berliner Sicht- fast synonym- verstellen gerne den Blick auf die Lebensrealität vieler Menschen in Deutschland. Nur zur Info: wir fahren in der Regel nicht zum Spaß Auto sondern für Arbeit, Beruf und Wirtschaft.

  • Ja, es ist immer interessant, wie wenig man sich dann doch auf die "unsichtbare Hand" der freien Marktwirtschaft verlassen will, wenn man es mal bräuchte...

    Dabei ist es doch so einfach: Wenn die Preise eines Produkts zu hoch sind, einfach weniger davon kaufen. Dann sinkt die Nachfrage und damit sinken die Preise. Nur wenn man gar nicht weniger kaufen will, darf man sich auch nicht wundern, wenn die Preise nicht sinken. Also einfach weniger tanken.

    Das ist uns doch von allen Marktwirtschaftlern immer wieder erklärt worden? Manchmal wünscht man sich fast wieder die FDP in die Regierung... (halt, war ein Witz).

  • Ich hab mich schon immer gefragt, wer die Subventionen eigentlich bezahlt, denn der Staat hat ja doch kein Geld, der verteilt das nur und wenn die Einen was kriegen: Wer bezahlt das?

    • @Peter Teubner:

      Der Mehrwertsteueranteil steigt von 0,30 € auf 0,40 € bei den Preissteigerung. Also 0,10 € pro Liter. Bei 200 Millionen Liter pro Tag, die in Deutschland getankt werde kommt schon eine Summe zusammen, Und die Mehrwertsteuer muss bis zu 10. des Folgemonats an das Finanzamt überwiesen werden. Geld ist also da.

    • @Peter Teubner:

      Klingbeil schlug flexible Preisobergrenzen und diverse Entlastungen für Haushalte vor, die über eine Übergewinnsteuer finanziert würden. „Übergewinnsteuer“ ist ja gerade so ein moderner Begriff und auf den ersten Blick erscheint das auch ein wenig paradox: Wie will man „Übergewinne“ besteuern, die man durch Preisbeschränkungen verhindert? Da könnte etwas faul sein. Es sei denn, die Gewinne aus den vergangenen Monaten sollen (rückwirkend) höher besteuert werden, was verfassungsrechtlich in engen Grenzen möglich wäre. In diesem Fall hätte es der Verbraucher bereits an der Tankstelle bezahlt. Daneben könnten künftige Gewinne zur Finanzierung dienen. Dann zahlt es ebenfalls der Verbraucher, aber erst später. Man könnte auch „Übergewinne“ von vorneherein eindämmen, indem man Margen begrenzt oder Preisbeschränkungen am Rohölpreis ausrichtet. In diesen Fällen müssten die Aktionäre einen Teil ihrer Dividende einbüßen.

  • Das Fazit des Artikels kann ich nur unterstützen. Ich benötige keinen billigen Sprit. Haushalte mit geringem Einkommen gehen vor!