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Sperrung der KI-Modelle von AnthropicEine Warnung mit gutem Timing

Kommentar von

Svenja Bergt

Die US-Regierung will Aus­län­de­r:in­nen von leistungsfähiger KI aussperren. In Europa sollte man das sehr ernst nehmen.

E s ist eine Entscheidung, die Europa zu denken geben sollte: Die US-Regierung hat das kalifornische KI-Unternehmen Anthropic angewiesen, seine leistungsstarken Modelle „Fable 5“ und „Mythos 5“ für ausländische Nutzende und Mit­ar­bei­te­r:in­nen aus Gründen der nationalen Sicherheit zu sperren. Anthropic argumentierte, es könne bei den Nut­ze­r:in­nen nicht zwischen in- und ausländisch unterscheiden – und sperrte am Wochenende den Zugang für alle.

Zwar hat das auf Europa auf den ersten Blick erst einmal keine größeren unmittelbaren Auswirkungen. Die entsprechenden Modelle waren bislang ohnehin nur kurz und eingeschränkt verfügbar. Doch das ist kein Grund, den Fall zu unterschätzen. Denn er zeigt, wie schnell die US-Regierung bereit ist, Software für ausländische Akteure zu blockieren. Die beiden Modelle gelten als besonders leistungsfähig, gerade was das Auffinden von Schwachstellen in Software und damit Cyberangriffe angeht. Wie viel von diesem Ruf Hype ist und wie viel Wahrheit, ist allerdings nicht so ganz klar, was den Fall nicht einfacher macht.

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Die Anordnung der US-Regierung sollte in Deutschland und Europa also vor allem all jene nachdenklich machen, die immer noch der Ansicht sind, man könne Produkte von US-Tech-Konzernen wie Microsoft, Google, Amazon oder auch Palantir bedenkenlos einsetzen. Daher hat die Entscheidung aus europäischer Sicht einen Vorteil: Das Timing ist optimal. Denn welches Unternehmen, welche Behörde in Europa könnte sich jetzt ruhigen Gewissens bei der Einführung eines KI-Modells für eines aus den USA entscheiden? Wenn unklar ist, ob der Dienst morgen oder nächste Woche überhaupt noch verfügbar sein wird?

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Wobei KI-Modelle für das Funktionieren einer Firma, Organisation oder Verwaltung in den seltensten Fällen kritisch sind – noch. Bei Betriebssystemen oder Cloud-Diensten sieht das schon anders aus, und eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich auch für KI ab. Zeit also, vorzusorgen. Und nicht zu hoffen, dass diese Sperre die letzte sein wird.

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Svenja Bergt Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt

schreibt über vernetzte Welten, digitale Wirtschaft und lange Wörter (Datenschutz-Grundverordnung, Plattformökonomie, Nutzungsbedingungen). Manchmal und wenn es die Saison zulässt, auch über alte Apfelsorten. Bevor sie zur taz kam, hat sie unter anderem für den MDR als Multimedia-Redakteurin gearbeitet. Autorin der Kolumne Digitalozän.
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7 Kommentare

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  • "Zeit also, vorzusorgen."



    Und wie? Die Idee man könne sich mit überschaubaren Investitionen in naher Zukunft von US-Big-Tech lösen ist komplett unrealistisch. Den bestehenden Rückstand aufzuholen wäre eher ein Generationenprojekt das Billioneninvestitionen erfordern würde und zunächst mal eine massive Ausweitung der MINT-Ausbildungskapazitäten erfordern würde um überhaupt erst einmal die nötige Menge an Fachkräften für ein solches Mega-Projekt zu haben. Und wenn sich die Europäer dann nicht wieder mit überbordender Bürokratie und nationalen Eifersüchteleien selbst ins Aus manövrieren hat man in 20-30 Jahren vielleicht eine Chance den technologischen Anschluss wiederzufinden.

  • Europa muss das ernst nehmen. Tja. So ernst wie den "Deal" den unsere Europäische Ikone UvdL mit Trump ausgehandelt hat? Einknicken und die europäischen Interessen -außer den Konzerngewinnen- ignorieren? Das wird nicht lustig....

  • Zeit, vorzusorgen, aha.



    Wo genau soll denn im dicht bewohnten Deutschland vorgesorgt werden?



    Welcher Ortsteil von Berlin soll denn beglückt werden mit explodierenden Strompreisen, Wassermangel und krankmachendem Lärm unter der Hörschranke?

    • @Joe Schmoe:

      Niemand spricht davon Umwelt- und Emissionsschutzauflagen abschaffen zu wollen.



      Es gibt bereits heute über 500 große Rechenzentren in Deutschland. Etliche davon auch direkt innerhalb großer Städte. Bislang führen die weder zu Wasserknappheit und steigenden Strompreisen, noch dazu, dass die Menschen die in deren Nähe leben und arbeiten krank würden. Die Klimatechnik die da zur Kühlung eingesetzt wird ist letztlich keine fundamental andere als etwa bei einem Lebensmittellager auch.

  • Es ist schon faszinierend anzusehen, wie Europa in der Lage ist, sowohl mit Blick auf Ost wie West sein eigenes Grab zu schaufeln. Auch jahrzehntelange Erfahrungen mit dem us-amerikanischen Imperialismus gerade im Digitalbereich haben offensichtlich kein nachhaltiges Umdenken bewirkt.



    Das ist ähnlich dumm wie Millionen von Arbeitnehmern in D, die einer Partei hinterherlaufen, die ihre ureigenen Interessen mit Füßen tritt.



    Oder, wie es Christian Ehring beschrieben hat, als Tabellenletzter aus Protest nur noch Eigentore zu schießen.

  • Ich argumentiere seit Jahren, dass (US-)Clouds problematisch sind und man sich dreimal überlegen sollte, ob die Cloud überhaupt der richtige Ansatz ist. Außer Marketingsätzen kam darauf nie viel, hören wollte aber trotzdem keiner. Ich gehe also davon aus, dass alle Warnungen wieder ignoriert werden werden.

    • @der_bjoern:

      "ob die Cloud überhaupt der richtige Ansatz ist"



      Aus ökonomischer und ökologischer Sicht macht das schon Sinn weil es zu einer effizienten Ressourcennutzung führt. Die Alternative wäre eben die für den jeweiligen Service benötige teure HA-Infrastruktur entsprechend der erwarteten Lastspitzen on-premise vorzuhalten die dann meistens im Leerlauf einfach nur Strom verbraucht.