Sechster Jahrestag des Hanau-Anschlags: Hinhören und rechten Narrativen widersprechen
Sechs Jahre nach dem Terroranschlag in Hanau mit zehn Todesopfern sind noch immer viele Fragen offen. Die Behörden haben versagt.
N un ist es sechs Jahre her, dass neun Menschen in Hanau durch einen Rechtsextremen aus dem Leben gerissen wurden, und inzwischen muss auch Ibrahim Akkuş als zehntes Opfer genannt werden, der zuletzt an den Spätfolgen verstorben ist. Doch für die Angehörigen ist ein würdiges Erinnern bis heute kaum in Ruhe möglich. Dafür hätte es zuerst eine umfassende Aufklärung gebraucht: lückenlos, mit klaren Konsequenzen und mit Lehren. Die hätte das Leid der Angehörigen vielleicht nicht beendet, aber anerkannt und womöglich etwas leichter gemacht.
Denn bis heute kämpfen viele nicht nur mit finanziellen Folgen, sondern auch mit massiven psychischen Belastungen nach dem Anschlag. Das behördliche Versagen, ebenso wie der Umgang mit den Angehörigen, ist für viele bis heute nicht zu verarbeiten. Sechs Jahre später liegen die offenen Fragen auf den Schultern von viel zu wenigen: von Angehörigen, von Teilen der Zivilgesellschaft, von einzelnen Journalist*innen.
Währenddessen reicht die Ideologie, die solche Taten möglich macht, weiter, bis in höchste politische Ebenen. Zur Erinnerung: Der Täter verfolgte am Tag vor der Tat Reden des rechtsextremen Björn Höcke. Er bewunderte diese Ideologie. Wer heute mit der AfD Politik macht, ihre Sprache übernimmt, über „Stadtbilder“ hetzt oder „keine Paschas“ ruft, sollte sich klarmachen: Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin gehörten genauso zu diesem „Stadtbild“.
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Sechs Jahre sind vergangen, und für diejenigen, die wegschauen wollen, wird es jedes Jahr leichter. Und es liegt an uns allen als Gesellschaft, den Angehörigen einen Teil ihrer Last abzunehmen: hinschauen, auch wenn es weh tut. Zuhören, auch wenn es unbequem ist. Widersprechen, wenn rechte Narrative normalisiert werden. Und solidarisch vor Ort bleiben, auch wenn viele längst weg sind. Und Aufklärung einfordern – jeden Tag. Denn Hanau ist nicht Vergangenheit. Hanau ist Gegenwart.
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