Schulessen in Bremen: Doch nicht so bio
Das Essen in Bremer Schulen und Kitas sollte bis 2025 zu 100 Prozent bio werden. Das wurde nicht erreicht. Trotzdem steht Bremen im Vergleich gut da.
Foto: dpa | Jens Kalaene
Zu 100 Prozent biologisch soll es sein, regional angebaut und natürlich vor allem: gesund – das waren die Ziele, die Bremen sich im 2018 beschlossenen „Aktionsplan 2025“ für die Schulverpflegung gesetzt hatte. Nun zeigt sich deutlich: Diese Ziele konnten nicht erreicht werden – nicht in den Schulen und noch weniger in den Kitas.
2022 waren etwa ein Viertel aller 5- bis 19-Jährigen in Deutschland übergewichtig, acht Prozent litten an Adipositas. Übergewicht in der Kindheit und Jugend kann sich ein Leben lang schädlich auf die Gesundheit auswirken. Die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle für die kognitive Entwicklung, das Wachstum und die psychische Gesundheit von Kindern. Antje Hebestreit vom Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) sagt, dass gesundes Schulessen maßgeblich dazu beitragen kann, ob Kinder lernen, gesund zu essen: „Es ist einer der wichtigsten Hebel, die wir haben.“
Für das BIPS leitete Hebestreit die erste systematische Untersuchung des Schulessens in Bremen. Hintergrund dieser Untersuchung ist der 2018 vom Bremer Senat beschlossene „Aktionsplan 2025“. Ausgehend von nur 20 Prozent Bio-Anteil in den städtischen Essen wollte Bremen diesen Anteil stufenweise bis 2025 auf 100 Prozent erhöhen. Im Netzwerk der Biostädte, in dem Bremen seit 2015 mit 30 anderen Städten ist, war Bremen die einzige Stadt mit einem 100-Prozent-Ziel: Berlin setzte sich 50 Prozent, Freiburg 30 Prozent, Münster nur 20 Prozent Bio-Anteil in den Schulessen als Ziel. Bremen wurde aufgrund dieses Vorhabens 2024 von der EU als „beste Bio-Stadt“ Europas ausgezeichnet.
Antje Hebestreit, Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie
Dabei zeigte schon der Zwischenbericht 2024, dass Bremen seine Ziele nicht erreichen wird. Im Abschlussbericht des Projekts vermeldet Bremen nun 65 Prozent statt der angestrebten 100 Prozent Bio-Anteile im Schulessen. Viele andere Städte erreichten ihre Ziele, Münster und Karlsruhe übertrafen diese sogar. Doch auch wenn Bremen die 100 Prozent nicht erfüllt hat, liegt die Stadt deutlich über dem Durchschnitt: Berlin vermeldete lediglich 50 Prozent Bio-Anteile (in Grundschulen), Freiburg und Münster 30 Prozent.
Was die Verpflegung von Kitas angeht, liegt Bremen mit 35 Prozent Bio-Anteil im Vergleich mit 14 anderen „Biostädten“ im Durchschnitt. Bremerhaven, das dem Aktionsplan 2025 nicht angehörte, schafft im Durchschnitt nur sieben Prozent Bio-Anteile bei städtischen Essen.
Die BIPS-Studie zeigt zudem, dass 57 Prozent der städtischen Essen in Bremen den gängigen Empfehlungen für gesunde Ernährung entsprechen, bei vegetarischen Menüs 62 Prozent. Das sei deutlich weniger als das, was möglich wäre, so das BIPS.
Allerdings dürften diese Daten aufgrund der unklaren Datenlage nicht wirklich genau sein. Es fehlt nämlich eine einheitliche Methode zur Erfassung der Bio-Anteile – manche berechnen diese nach der Menge, andere nach ihrem monetären Anteil.
Schlechte Vergleichbarkeit der Daten
Auch die Cateringanbieter liefern häufig nicht alle notwendigen Daten zur Quantifizierung der Anteile. Zudem liegen nur eingeschränkte Informationen darüber vor, wie regional die Lebensmittel tatsächlich sind – und überhaupt: Was genau „regional“ bedeuten soll, schien nicht klar definiert worden zu sein. Außerdem wurden die Daten, mit denen die Biostädte verglichen wurden, zu unterschiedlichen Zeitpunkten erhoben: während Bremens Daten aus dem aktuellen Abschlussbericht stammen, wurden die Daten der anderen Städte im Januar/Februar 2024 erhoben.
Der Bremer Senat wertet die Ergebnisse des Aktionsplans dennoch insbesondere aufgrund der Lernprozesse und der sich daraus etablierenden Strukturen als Erfolg. Die Ziele des Aktionsplans sollen zukünftig weiterverfolgt und sogar ausgeweitet werden. Bremen arbeitet seit 2025 an einer „Ernährungsstrategie“, um das gesamte Ernährungssystem nachhaltiger, gesünder und gerechter zu gestalten. Diesmal zählt auch Bremerhaven dazu.
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