Rücktritt von Keir Starmer: Alternativlos – und doch ist kein Problem gelöst
Das ging dann doch schnell: Der britische Premierminister ist zurückgetreten. Und ergänzt damit eine Reihe glückloser Regierungsversuche.
A m Ende fällt es schwer, kein Mitleid zu empfinden. Wieder einmal verlässt ein britischer Premierminister keine zwei Jahre, nachdem er unter großen Erwartungen und Hoffnungen die Regierung übernommen hatte, das Amt als gescheiterter Politiker. Wieder ein Abschied – vom „Land, das ich liebe“. Und von seiner Einsicht, dass er nicht mehr der Richtige sei, um es zu führen. Wieder einmal bringt sich ein frisches, unverbrauchtes Gesicht in Stellung, auf das jetzt alle Erwartungen und Hoffnungen neu projiziert werden.
Die Rede ist von Keir Starmer, dem zurückgetretenen britischen Labour-Premierminister, und von Andy Burnham, seinem so gut wie sicheren Nachfolger. Aber genauso lief es 2019 ab, als die freud- und glücklose Theresa May dem fröhlichen und energischen Boris Johnson wich. Oder 2022, als der hoffnungslos versagende Boris Johnson der ambitionierten Liz Truss wich, die wiederum verpuffte wie ein nasses Feuerwerk und dem technokratischen Rishi Sunak Platz machte. Bis der nicht einmal zwei Jahre später 2024 dem strahlenden Wahlsieger Keir Starmer von Labour weichen musste.
Was genau Keir Starmer seitdem falsch gemacht hat, ist angesichts dieser Vorgeschichte gar nicht so leicht zu erkennen. Eigentlich nichts – und eigentlich alles. Die unangekündigten Sparmaßnahmen, die nach dem Wahlsieg plötzlich alternativlos waren. Der Hang, Dinge anzukündigen und dann das Gegenteil zu machen. Das Unvermögen, sich den Menschen verständlich zu machen. Die Nähe zu halbseidenen Gönnern und diskreditierten Blair-Veteranen aus der politischen Mottenkiste. Und Starmers Neigung, für diese Fehler immer andere verantwortlich zu machen: Berater, Minister, Abgeordnete, Spitzenbeamte – alle außer sich selbst. Und dann irgendwann erstaunt festzustellen, dass ihn niemand mehr mag. Was am Anfang als Haltung daherkam, erschien am Ende als Selbstgerechtigkeit.
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Starmers Rücktritt fast auf den Tag genau zehn Jahre nach dem Brexit-Referendum erinnert daran, dass die britische Politik sich von dem Schock dieses Volksaufstandes bis heute nicht erholt hat. Der Brexit ist nicht die Ursache der Probleme Großbritanniens – er war 2016 ein unbeholfener Versuch, sie zu lösen. Das hat nicht geklappt, und seitdem werden Premierminister andauernd in der vergeblichen Hoffnung ausgewechselt, irgendjemand regiere mal überzeugend.
Starmers Rücktritt war alternativlos. Aber Großbritanniens Krise ist kein Personalproblem. Sie ist ein Strukturproblem, mit einem kurzatmigen Politbetrieb, der langfristiges Handeln im Sinne der Menschen so gut wie unmöglich macht. Solange das so bleibt, können wohl weder der Brexit noch sein Gegenteil und weder Starmer noch Burnham das Land glücklich machen.
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