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Protest gegen die AfDAngriff auf „Oma gegen rechts“

Vor dem AfD-Büro in Berlin-Pankow schlägt ein Sympathisant der Rechtsextremen eine Teilnehmerin des Gegenprotests. Doch die lässt sich nicht einschüchtern.

Als der Mann auf sie zukommt, spannt sie den Schirm auf: So erzählt es Maja Wiens der taz. Zuvor sei der Mann laut geworden – als er näher kam, habe sie sich mit dem Schirm schützen wollen. „Und dann hat er ausgeholt und zugeschlagen“, sagt Wiens. Sie war am vergangenen Dienstagabend Teil eines antifaschistischen Protests gegen eine Veranstaltung der AfD in Berlin-Pankow.

Das „Braune Haus“, wie das AfD-Büro in Pankow-Blankenburg auch genannt wird, war am Dienstagabend Austragungsort eines sogenannten „Bürgerdialogs“ der AfD. Zugegen: Gottfried Curio, Bundestagsabgeordneter der AfD aus Pankow. Es ist nicht das erste Mal, dass sich hier Protest versammelt, denn: Das „Braune Haus“ empfängt regelmäßig rechte „Prominenz“ wie Maximilian Krah oder Martin Sellner.

Maja Wiens, die Anmelderin der Gegendemo, lebt seit 50 Jahren in Pankow und engagiert sich seit knapp acht Jahren bei der Organisation „Omas gegen rechts“. Sie meldete schon in der Vergangenheit Proteste an.

Da sind Leute an uns vorbeigefahren, die uns zugerufen haben: ‚Zecke *peng peng*, ich schieß’ euch ab‘!

Axel K., VVN-BdA

Menschen aus der Umgebung sowie Angehörige verschiedener Parteien hätten an der Demonstration teilgenommen, sagt Wiens. Sie seien nicht „übermäßig viele“ gewesen, Blankenburg liege eben weit draußen und es habe wenig Zeit zur Mobilisierung gegeben. Nur eine Grünfläche von 50 Metern Breite, schätzt sie, habe den antifaschistischen Gegenprotest von der AfD-Veranstaltung getrennt. „Dazwischen eine Bücherbox, die schon öfter angezündet wurde“, so Wiens.

Oft dieselben rechten Gesichter

Sie beschreibt die Gruppe auf der anderen Seite der Grünfläche, die sich zur AfD-Veranstaltung einfand: „Sie waren sicherlich mehr als wir. Und es sind auch oft dieselben Gesichter.“ Axel K. von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der An­ti­fa­schis­t:in­nen (VVN-BdA) und Augenzeuge berichtete der taz: „Da sind Leute an uns vorbeigefahren, die uns zugerufen haben: ‚Zecke *peng peng*, ich schieß’ euch ab‘!“

Ein Banner mit der Aufschrift „Nie wieder Faschismus“, auf dem das Logo des VVN-BdA deutlich sichtbar ist, habe schließlich einen sehr aggressiven Mann auf den Plan gerufen, so Wiens und K. übereinstimmend. An die Banner-tragenden Menschen gerichtet habe er gerufen: „Ihr seid die wahren Faschisten!“ Wiens habe zum Schutz der Demoteilnehmenden ihren Schirm mit der Aufschrift „Omas gegen Rechts“ aufgespannt, den sie auf jeder Demo mit sich trage.

In dem Moment habe der Mann zugeschlagen: „Der Schlag kam mit solcher Wucht – an fast jedem anderen Tag wäre ich umgefallen“, sagt Wiens. Sie sei schwer erkrankt, unterziehe sich derzeit einer palliativen Chemotherapie: „Ich wiege unter 50 Kilo, bin sowieso klein.“ Der Schläger sei anschließend zu einer Gruppe AfDler gegangen und von diesen mit einem Schulterklopfer empfangen worden.

Die Polizei bestätigt auf taz-Anfrage, es habe ein Handgemenge gegeben, zwei Strafanzeigen seien gestellt worden: wegen versuchter Körperverletzung sowie wegen Beleidigung.

„Das war nicht der erste Schlag, den ich abbekommen habe in den vielen Jahren“, erzählt Wiens. Sie erinnere sich an eine Kundgebung im Simsonweg: „Da bin ich von Leuten der AfD geschubst worden.“ Auch bei einer Mahnwache der Omas vor einer Synagoge sei sie schon mal angegriffen und sogar mit Flaschen beworfen worden.

Antifaschistische Solidarität

Ihre Mit­strei­te­r:in­nen seien fassungslos gewesen von diesem Angriff, so Wiens. Doch vielmehr bedeute ihr, „dass die Menschen solidarisch waren. Viele waren bereit, als Zeugen auszusagen.“ Das koste Mut, weiß sie: „Die Anwälte der Gegenseite haben Akteneinsicht, die können die Adressen einsehen.“

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Für sie selbst seien Vorfälle wie diese keine Einschüchterung, sagt Wiens: „Aber genau solche Momente machen Leuten Angst. Darum müssen wir mehr werden, damit da ganz viele Antifas stehen.“

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19 Kommentare

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  • Ich versuche zu verstehen, was denn nun der Angriff war, welche Auswirkung es gab? Kann mir jemand helfen, evtl. habe ich es überlesen.



    "In dem Moment habe der Mann zugeschlagen: „Der Schlag kam mit solcher Wucht – an fast jedem anderen Tag wäre ich umgefallen“, sagt Wiens. Sie sei schwer erkrankt, unterziehe sich derzeit einer palliativen Chemotherapie: „Ich wiege unter 50 Kilo, bin sowieso klein.“ "



    An fast jedem anderen Tag wäre sie umgefallen aber an diesem Tage nicht? Warum? Was ist ihr denn nun passiert? Maximal verwundbar ist sie also nicht einmal umgefallen - obwohl der Schlag doch "mit solcher Wucht " kam?



    Ich bitte, nicht falsch verstanden zu werden, ich habe großen Respekt davor, die eigene Meinung zu vertreten, vor allem wenn man sich in solch einer schlimmen gesundheitlichen Situation befindet. Nur frage ich nach der Relevanz dieses "Angriffs" - zumal ausschließlich subjektiv berichtet.



    Ich wünsche Frau W. und ihren Angehörigen so oder so alles Gute und Kraft, denn ich weiß leider aus persönlicher Erfahrung über die unbarmherzigen Konsequenzen einer solch schweren Erkrankung Bescheid.

  • es führt kein weg mehr am verbot der afd vorbei. jedes weitere zögern ist fatal. das gg gibt den rahmen vor. was 2017 mit der npd nicht geklappt hat muß jetzt klappen, da die afd nicht so unbedeutend ist wie seinerzeit die npd - das war ja der grund der ablehnung des verbotes. das gilt jetzt nicht mehr. cdu und spd brauchen jetzt mut das auf den weg zu bringen - so lange es noch geht !

  • So ein Angriff ist absolut nicht zu akzeptieren und muss auch juristisch belangt werden. Wird es dann auch. Frau Wiens lebt ja heute in einem Rechtsstaat.

  • taz: *Angriff auf „Oma gegen rechts“*

    So sehen sie also aus, die "echten deutschen Kerle" die AfD wählen. Wie man sieht, sind unter den AfD-Sympathisanten wohl schon viele Primitivlinge, die sogar schon ältere Frauen schlagen – also richtige germanische Helden. 😡

  • Ich bin Mitglied bei den Omas, ohne eine "Oma" zu sein. Ich überlegte, ob ich auch an den Demos teilnehmen kann. Da ich gehbehindert bin, kann ich nicht schnell weglaufen.



    Diese Straftat bringt mich stark in's Nachdenken. Allerdings sind das ja genau die Absichten der Aggression die Teilnehmenden mundtot zu machen.



    Derzeit bin ich ratlos. Rechte Gewalt im Kleinen, wie im Großen wird seit Jahrzehnten in diesem Land wie ein Kavaliersdelikt behandelt.



    Ich glaube, es bedarf einer großen Solidarisierung.

  • Russland und seine hiesigen Kumpels greifen am liebsten Menschen an, von denen sie glauben, dass sie sich nicht wehren können.



    Schade, dass der Rest der Welt sich nicht konsequent einig ist.

    • @Erfahrungssammler:

      Naja, es fehlt halt an der Linie.



      Aufrüsten, siehe Bundeswehr, wird von links abgelehnt.



      Wie also 'entgegenhalten'?



      Wenn der Gegner mit Boxhandschuhen in den Ring steigt kommst du auf der anderen Seite nicht wirklich weit mit ein paar Nelken in der Hand 🤷



      In Deutschland, bzw in Europa, wird ja noch mit angezogener Handbremse gekämpft - aber direkt vor unserem Gartenzaun in der Ukraine, da geht's um Leben und Tod.



      Jedoch zeigt genau die Ukraine wie es geht - mit Blut und dem Messer zwischen den Zähnen.



      Bevor das im linken Lager nicht als Notwendigkeit anerkannt wird und dementsprechend die Haltung zu Bundeswehr und Aufrüstung sich um 180 Grad ändern, seh ich da kein Licht.



      Wer A sagt muss auch B sagen.

      • @Astrid Sehnefeld:

        @ Astrid Sehnefeld



        Was die Einstellung der Linken zur Aufrüstung betrifft - ist Ihnen der Begriff aus der Kriminalistik der Übertötung geläufig ?



        Was die Ukraine angeht, der Drops ist doch längst gerutscht. Die Aufnahmebedingungen, weder für die NATO noch in die Europäische Union sind nicht gegeben. Deutschland hat keine politischen Verpflichtungen gegenüber der Ukraine, außer vielleicht moralische, da die Ukraine in Europa liegt, genauso wie Russland auch in Europa liegt. Lassen Sie sich doch nicht von den Interessen der Rüstungsindustrie verrückt machen.

  • Nach einer Machtübernahme der AfD werden auch in Deutschland Tausende frustrierter, narzistisch gestörter Männer bereitstehen um Demokraten mit Gewalt einzuschüchtern und auch die AfD wird nicht zögern, den BGS zu einer SA-ähnlichen Schlägertruppe umzubauen um demokratischen Widerstand zu brechen, ganz wie das Vorbild Trump-Regime in den USA.

  • Über Maja Wiens schrieb die TAZ vor 30 Jahren das:

    taz.de/Die-Gegenwa...ngenheit/!1475983/

  • "zwei Strafanzeigen seien gestellt worden: wegen versuchter Körperverletzung sowie wegen Beleidigung"

    Das ist alles? Das ist die Antwort unseres Staates auf diese organisierte rechte Gewalt? Dann ist es ja gut. Dann werden meine Vorurteile gegen den Staat und die Polizei je bestätigt und ich muss nicht umdenken.

    Nicht dass es je vorkommt, aber: was wäre genau passiert wenn der Wahlstand einer der Linken gewesene wäre und einer der Sympathisanten einen Nazi-Opa-gegen-links geschlagen hätte, der davor friedlich demonstriert (gewaltlos kommt auch hier eher nicht vor)? Malt es euch einfach selbst aus.

    • @Jalella:

      "zwei Strafanzeigen seien gestellt worden: wegen versuchter Körperverletzung sowie wegen Beleidigung. Das ist alles?"



      Ja, so ist das. Nach einer Straftat stellt man Strafanzeige, die dann vom Polizei und Staatsanwaltschaft (hoffentlich) nachverfolgt wird. Aber ich finde es gut zu wissen, dass Sie sich konsequent für das Law-and-Order-Prinzip einsetzen.



      Ich hoffe, dass fordern Sie in anders gelagerten Fällen und mit anderen Beteiligten ebenso strikt ein.



      Und die weitere Frage ist, ob man der Aussage einer Dame vollumfänglich trauen darf, die schon früher nicht davor zurückgeschreckt ist, Freunde, Verwandte und Bekannte an staatliche Stellen zu verraten.

    • @Jalella:

      Der Staat muss erst mal wissen, dass überhaupt etwas passiert ist. Dafür sind die Anzeigen da. Es steht ja in den seltensten Fällen ein Polizist neben einem der alles beobachtet wenn man angegriffen wird.



      Umgekehrt wäre es wohl ähnlich gelaufen, nur eben andersrum.



      Die Unterscheidung die du meinst trifft auch nicht der Staat als solches, sondern das wird halt dann von einem Politiker der entsprechenden Färbung auf die ein oder andere Art aufgegriffen, ignoriert oder eben auch aufgeplustert, je nach dem.



      Mehr sorgen als der Staat machen mir die Leute, die dem Schläger nach einem Fausthieb gegen einen alten Menschen auf die Schulter klopfen. Was ist bei so jemandem wohl alles schief gelaufen?

    • @Jalella:

      "versuchte Körperverletzung"..... fällt dies in die Zuständigkeit des Kommissariats für "zu lautes Türenschlagen".



      Der Link von Gast100100 sagt mehr über die Dame aus, als der Artikel.

      • @TheoTheo Praktisch:

        Was soll denn ein 30 Jahre alter Artikel mit einem Fausthieb von vor 3 Tagen zu tun haben?



        Keine Ahnung was uns Gast100100 damit sagen will, außer dass zufällig dieselbe Person darin vorkommt. Völlig irrelevant.

        • @Sonderzeichen:

          Der alte Artikel ist äußerst lesenswert, informativ und überhaupt nicht denunziatorisch. Das Mitgefühl mit dem Opfer des rechtsradikalen Schlägers mindert er nicht im Geringsten!

        • @Sonderzeichen:

          Wenn es ein Fausthieb gewesen wäre, der irgendwelche Auswirkungen gehabt hätte, so wäre es keine „versuchte“ Körperverletzung. Und in dem vermerkten Artikel von Gast100100 kann man erkennen, dass diese Frau den „antifaschistischen“ Kampf schon immer sehr eifrig geführt hat. Möge man uns vor „Demokraten“ beider Seiten dieser Auseinandersetzung schützen.

          • @Puky:

            Und wenn sie den Kampf schon immer "eifrig geführt hat" heißt das jetzt genau was...?



            Das tut doch für den aktuellen Vorfall nichts zu Sache, sondern gehört eher in die Kategorie Befangenheit und Vorverurteilung.



            Bitte: der Sache gerecht werden. Nicht mehr. Nicht weniger. Das ist für alle Demokraten das beste.

            • @Sonderzeichen:

              Das war als Antwort an @Puky auf den Kommentar von @Jalella gedacht