Probleme bei der Ausbildungsplatzsuche: Bei der Jobsuche geghostet
Ausbildungssuchende bekommen auf ihre Bewerbungen oft gar keine Antwort. Außerdem beklagen sie die Wohnungsnot und mangelnde Mitbestimmung.
Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa
„Sehr nervenaufreibend“, so beschreibt Katharina Holst im Rückblick ihre Suche nach einem Ausbildungsplatz. Im September wird die 24-Jährige bei der Deutschen Bahn ihre Ausbildung zur Fachkraft für Gastronomie im Fernverkehr anfangen. Die Bahn sei dabei der einzige Betrieb gewesen, der auf ihre Anschreiben überhaupt reagiert habe. „Beworben hatte ich mich außerdem bei fünf Hotellerie-Betrieben und bei einem Betrieb in der Gastro, doch von denen hat keiner geantwortet“, erzählt Holst am Mittwoch bei einer Pressekonferenz des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB).
Dass Jugendliche von Betrieben nicht mal eine Absage bekommen, geschweige denn eine Bestätigung, dass ihre Bewerbung eingegangen ist, das zeigt auch die aktuelle DGB-Jugendbefragung. Für diese hatten rund 160 junge Menschen aus Berlin und Brandenburg dem DGB ihre Erfahrungen bei der Ausbildungsplatzsuche und auf ihrem Weg in den Beruf geschildert. Zwei Drittel von ihnen sind laut DGB bereits in einer Ausbildung, ein Drittel geht noch zur Schule.
54 Prozent der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen gaben an, schon mal überhaupt keine Antwort auf eine Bewerbung erhalten zu haben. 58 Prozent warteten demnach mehrere Wochen auf eine Reaktion. Ein Drittel bekam zwar eine Eingangsbestätigung, hörte danach aber nichts mehr. Lediglich 8 Prozent bekamen eine Absage mit persönlichem Feedback. Gleichzeitig wünschen sich 39 Prozent der jungen Menschen übersichtlichere Bewerbungsverfahren.
„Eine Ausbildung beginnt mit dem Bewerbungsprozess“, sagt Elena Peckhaus, von der DGB Jugend Berlin-Brandenburg. Für viele Jugendliche sei die Bewerbung auch der erste Kontakt mit dem Arbeitsmarkt. „Und dann besteht dieser Kontakt darin, dass die Betriebe sie ghosten“, sagt Peckhaus. Gar keine Reaktion zu erhalten, das sei sehr verunsichernd – in einer Zeit, in der Jugendliche sowieso schon von multiplen Krisen belastet seien. „Wer eine Bewerbung verschickt, verdient eine verlässliche und respektvolle Antwort“, sagt Peckhaus und appelliert dabei auch an die Betriebe, ihre Verfahren transparent zu gestalten und Hürden abzubauen. Der DGB sieht hier auch die Industrie- und Handelskammer und die Handwerkskammer in der Pflicht.
Dauerthema Wohnungsmangel
Auch der Wohnungsmangel belastet die befragten Jugendlichen. 57 Prozent sehen das Problem, eine bezahlbare Wohnung zu mieten, als Grund dafür, dass Jugendliche keinen Ausbildungsplatz finden. 43 Prozent geben an, daher weiter bei den Eltern zu leben. Fast 80 Prozent wünschen sich von der Politik, dass sie das Thema angeht und mehr Wohnraum für junge Menschen schafft. „Wohnen wird zunehmend zur Ausbildungsfrage“, sagt Gwendolyn Stilling, die die Umfrage im Auftrag des DGB durchgeführt hat.
Außerdem wünschten sich viele junge Menschen eine Arbeit, mit der sie eine Zukunft aufbauen und ein Leben planen können, sagt Stilling. „Wir haben in unserer Befragung keinen Hinweis darauf, dass junge Menschen keine Lust auf Ausbildung haben“, sagt sie. „Im Gegenteil.“ Berlins Landesschülervertreterin Jennifer Rosin fordert bereits in der Schulzeit eine verlässliche Berufsorientierung, die „mehr sein müsse als ein Einzeltermin“. Der DGB will am 26. September seine Forderungen für bessere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen mit einer Demo auf die Straße tragen.
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