Neue Wohnungen für Azubis fertig: Erst kommt das Wohnen, dann die Ausbildung
154 Wohnplätze für Auszubildende in Berlin sind fertiggestellt. Durch bezahlbaren Wohnraum soll die Fachkräftesicherung unterstützt werden.
Die ersten 154 möblierten Wohnplätze für Azubis in der Storkower Straße 220 sind bezugsfertig. Vor 18 Monaten startete der Bau des Wohnungsprojektes, das Azubis günstiges Wohnen ermöglichen soll, ab 1. August kann der Einzug stattfinden. 340 Euro kostet die Warmmiete für die 2er-Appartements mit Bad und Küchenzeile. „Wer mich kennt, weiß, dass das Projekt Azubi-Wohnen eines meiner wichtigsten Vorhaben in meiner Amtszeit als Senatorin ist“, sagt Sozialsentaorin Cansel Kiziltepe (SPD) bei der Eröffnung des kommunalen Wohnheims am Montag.
Kiziltepe beginnt ihre Ansprache im Keller des Wohnheims. Hier, wo die weiße Wandfarbe noch frisch riecht, befinden sich nicht nur das Facility-Management, sondern auch Fahrradständer und eine eigene Fahrradwerkstatt. Auch eine Learning-Lounge gibt es hier, gestaltet aus mehreren langen Tischen, Stühlen und Sesseln.
Weitere Gemeinschaftsräume finden sich auf jeder der sieben Etagen. Auch eine Dachterrasse, ein Waschcenter und eine Außenanlage mit Sport- und Spielgeräten steht zur Verfügung. „Das wird ein hoffentlich lebendiger Ort des Zusammenlebens unter Nutzung aller Gemeinschaftseinrichtungen, die wir haben“, so Alf Aleithe, Geschäftsführer der landeseigenen Gesellschaft Berlinovo.
Berlinovo ist Eigentümerin der Immobilie und vermietet diese an die GSE gGmbH, die somit sowohl Generalmieterin als auch Vermieterin ist. Ein Wohnplatz wird dabei mit 140 Euro im Monat durch den Senat subventioniert. Der Mietpreis von 340 Euro im Monat für die Azubis orientiert sich an einem Drittel des Medians der Ausbildungsvergütung.
Der Andrang ist groß
Wer die Zusage über eine Wohnung erhält, darf sich freuen über ein 14 bis 18 Quadratmeter großes Zimmer in einer barrierearmen, teils komplett barrierefreien Wohnung mit Bett, Kleiderschrank, Schreibtisch, Kühlschrank, Herdplatte, Stauraum und Kammer. Die Wände, Böden, Decken und Möbel sind in schlichtem Weiß und Grau gehalten. Über 1.200 Azubis haben sich beworben, knapp acht Bewerbungen pro Wohnplatz. Mit dem Neubauprojekt entstanden insgesamt 285 Wohnplätze, die restlichen 131 Plätze gehen an Studierende.
„Die 1.200 Bewerbungen zeigen mir, wie wichtig es ist, bedarfsgerechten Wohnraum eben auch zu schaffen“, so Aleithe. Dass die Nachfrage deutlich höher ist als das Angebot, sei Kiziltepe bewusst. „Deshalb ist es uns besonders wichtig, dass die Vergabe fair, transparent und einfach erfolgt“, sagt sie. Für einen Wohnplatz konnten sich alle volljährigen Auszubildenden mit einer anerkannten Ausbildung an einer Berliner Ausbildungsstätte bewerben, ohne eine Kaution zu zahlen oder eine Bürgschaft nachweisen zu müssen.
70 Prozent der Plätze wurden dabei im Losverfahren vergeben, bei den restlichen 30 Prozent wurden nach Kriterien entschieden, die besondere Bedarfe berücksichtigen, so wie drohende Obdachlosigkeit, prekäre Wohnsituation oder die Pflege von Angehörigen. Der Mietvertrag wird für die Dauer der Ausbildung abgeschlossen, plus bis zu sechs Monate Übergangszeit nach Ausbildungsabschluss.
Cansel Kiziltepe, Senatorin für Arbeit und Soziales
Rund 100 bis 150 weitere Wohnplätze sind bereits in Planung sowie der Neubau eines ersten reinen Azubiwohnheims. „Wir schaffen hier nicht nur Wohnraum“, so Kiziltepe. „Ab dem Spätsommer bekommen die Azubis Angebote für Beratungen zu Alltagsthemen wie Finanzwissen oder Sozialberatung“, sagt die Senatorin und meint damit die geplante Gründung eines Berliner Azubiwerks bis zum Spätsommer. Die Azubis hätten dann endlich eine Lobby, „ganz offiziell und in den Händen des Landes Berlin“. Studierende würden das schon seit über 100 Jahren durch das Studierendenwerk haben.
Kiziltepe erhofft sich durch das Projekt nicht nur die bezahlbare Unterbringung von Auszubildenden, sondern auch einen Zuwachs an Auszubildenden in Berlin. So soll durch bezahlbaren Wohnraum die Fachkräftesicherung unterstützt werden. „Wer hier eine Ausbildung beginnt, braucht eine bezahlbare Wohnung“, sagt Kiziltepe, „sonst entscheiden sich junge Menschen im Zweifel gegen eine Ausbildung in Berlin“. Bis zum Jahr 2035 müsse man ungefähr 560.000 neue Stellen besetzen.
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