Pollenallergie: Mein Feind, die Birke – fällt die verdammten Dinger!
Nirgends ist man vor den nervigen Spermaschleudern mehr sicher. Es braucht einen radikalen Wandel im Umgang mit der Pollenpest.
N eulich hörte ich eine Radioreportage. Über einen Spielplatz in Friedrichshain, umzingelt von Birken. Über leere Nasenspray-Packungen, die sich da stapeln. Und dachte: Ich bin also nicht allein.
Man sollte vorab erwähnen, wie dieser Text entsteht: zwischen Pollenschutzgittern und Luftreiniger. Anders halte ich es selbst in Innenräumen kaum aus zwischen März und Mai, wenn die Pollen fliegen. 15 Prozent der Deutschen haben Heuschnupfen, meist wie ich dank Birken. Mein Feind, der Baum. Ist Ihnen das zu düster? Es mag daran liegen, dass durch Pollengitter am Fenster kaum Licht dringt. Während viele Menschen einen warmen Frühling feiern, sehne ich mich nach reinigendem Regen.
Es war nicht immer so, jahrelang waren die Birke und ich anonyme Nachbarn, wie üblich in Berlin. Seit die Symptome kamen – Niesen, juckende Augen, Müdigkeit, Atemprobleme bis zum Asthma –, habe ich mich schlaugelesen zur Pollenpest. Sie sehen: Auch ich habe mich im Netz radikalisiert.
Sperma im Gesicht ohne Konsens
schreibt seit über 20 Jahren als freier Autor für verschiedene Medien über Politik, Sport und Gesellschaft. Jahrgang 1982, gebürtiger Pole, aufgewachsen im Ruhrgebiet, studierte in Berlin und Hamburg sowie an der Deutschen Journalistenschule in München. Liebt Sprachen und Literatur, zuletzt erschien 2023 sein Roman „Trainingslager“. Nimmt wenig zu ernst – am allerwenigsten sich selbst.
Birken gehören zu den Bedecktsamern, sogenannte Angiospermen, die Windbestäubung betreiben. Das finde ich übergriffig. Ich habe nie Konsens signalisiert, Baumsperma im Gesicht zu empfangen. Das Schlimmste ist: Die Spermaschleudern werden oft bewusst gepflanzt, in Parks oder an Alleen, weil sie pflegeleicht und schön weiß sind.
Tränke ich Birkenwasser, stürbe ich. Nicht mal in der Sauna bin ich sicher vor Birkenzweiggewedel. Also fordere ich nun radikal: Fällt die Dinger. Überall. Mir zuliebe. Für die niesende Nachbarschaft. Ich weiß, jetzt kommen Einwände: Biodiversität, Luftqualität, Lebensraum für Tiere und Insekten. Aber das können auch andere Bäume. Und ein bisschen Verdrängung gehört heute dazu in Berlin.
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Es gibt Stiftungen, die vor allergischen Schocks bei Kindern warnen. Kinder schützen oder Bäume? Die dänische Stadt Aarhus kündigt an, weniger Birken zu pflanzen, dafür allergiefreundlichen Wald. Doch das reicht nicht. Aus Schweden und Polen reisen Pollen Hunderte Kilometer, auch übers Meer. Was tun?
In Polen einmarschieren, um Birken zu fällen? Historisch unklug, sage ich als halber Pole. Spätestens hier sehe ich ein: Ich übertreibe. Also nehme ich weiter Medizin ein, Big Pharma freut’s. Und lasse die nächste Kolumne Hasel-, Erlen- und Gräser-Hatern. Bis dahin grüße ich auf Englisch: Life is a birch.
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